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30.03.2012

12:31 Uhr

Umsatzeinbruch bei RIM

Wie Thorsten Heins Blackberry retten will

VonAxel Postinett, Reuters

Zehn Wochen im Amt - und lauter schlechte Nachrichten: CEO Thorsten Heins meldet Gewinn- und Umsatzeinbußen bei Blackberry-Hersteller RIM. Nun helfen nur noch radikale Maßnahmen

RIM-CEO Thorsten Heins mit Blackberry in der Hand. Reuters

RIM-CEO Thorsten Heins mit Blackberry in der Hand.

San FranciscoDie Lage bei RIM verschärft sich dramatisch. Der Umsatz des Blackberry-Herstellers lag im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres mit 4,2 Milliarden Dollar deutlich unter Vorjahr und unter den eigenen Vorhersagen. Statt eines Gewinns musste ein Nettoverlust von 125 Millionen Dollar ausgewiesen werden.

Angesichts des zusammenfallenden Marktes beschloss der neue Vorstandschef Thorsten Heins als erstes, keine Prognosen mehr für die Ergebnisse oder den Geräteverkauf abzugeben, und feuerte zugleich eine Reihe von Top-Managern. Er will den Konzern jetzt radikal umbauen - selbst einen Verkauf schließt er nicht mehr aus.

Die Zeit wird knapp, der neue Vorstand schaltet in den Panikmodus. Es war das fünfte Mal in Folge, dass RIM seine Prognosen nicht einhalten konnte. Im Dezember 2011 war für das Quartal noch mit einem Umsatz von 4,6 bis 4,9 Milliarden Dollar gerechnet worden und einem Absatz von elf bis zwölf Millionen Blackberrys. Tatsächlich endete der Umsatz 19 Prozent niedriger als im dritten Quartal und 25 niedriger als im Vorjahresquartal.

Android, Apple und die anderen

Android

Das Google-Betriebssystem ist in wenigen Jahren zur meistgenutzten Plattform im Smartphone-Markt aufgestiegen. 2013 lief nach Zahlen der Marktforscher von Gartner auf 78,4 Prozent aller Computer-Telefone Android. Das Erfolgsgeheimnis: Google bietet Android den Geräte-Herstellern kostenlos an und lässt sie die Software auch anpassen. Samsung, HTC, LG, Sony – die meisten Handy-Produzenten setzen auf die Google-Plattform. Der Internet-Konzern will dabei an Werbeeinnahmen verdienen. Allerdings steht Android auch im Visier besonders vieler Patentklagen. Zudem nutzen viele chinesische Hersteller das System, ohne die Google-Dienste einzubinden.

Apple iOS

Smartphones gab es auch schon bevor 2007 das iPhone vorgestellt wurde – doch erst mit dem Apple-Telefon mit seinem großen Bildschirm begann der wirkliche Siegeszug der Computertelefone. Apple hielt mit seiner iOS-Plattform zuletzt laut Gartner 15,6 Prozent am Smartphone-Markt, heimst jedoch einen beträchtlichen Teil der Gewinne ein, da die gesamte Kette von Geräteentwicklung bis hin zum App Store für passende Programme in der Hand des Konzerns liegt. Allerdings hat Samsung mit seiner breiten Produktpalette den Konzern aus Kalifornien inzwischen abgehängt.

Windows Phone

Microsoft würde sein mobiles Betriebssystem Windows Phone gern als dritte starke Kraft im Smartphone-Geschäft etablierten, doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Das Bündnis mit dem einstigen Handy-Weltmarktführer Nokia soll es richten, die Finnen installieren die Software auf ihren Smartphones und wollen die Gerätesparte ganz an Microsoft verkaufen. 2013 stieg der Marktanteil von 2,5 auf 3,2 Prozent – damit ist zumindest Blackberry abgehängt.

Blackberry

Lange Zeit war Blackberry Managers Liebling – doch diese Zeiten sind vorbei. Die Verkaufszahlen sind 2013 abgestürzt, der Marktanteil ist auf 1,9 Prozent gefallen. Tendenz: weiter schrumpfend.

Sonstige Betriebssysteme

Für den Rest bleibt nicht viel übrig: Betriebssysteme wie das von Samsung entwickelte Tizen oder Firefox OS kamen 2013 zusammen auf nur 0,9 Prozent.

Mit 11,1 Millionen verkaufter Smartphones wurde noch mal so gerade eben die untere Schätzmarke erreicht, aber die Bruttomargen schrumpfen, weil sich zum großen Teil nur noch billige Einsteigermodelle verkaufen. Die Top-Modelle haben kaum Chancen gegen Apple oder die Google-Konkurrenz mit Android. Das gilt vor allem für den Kernmarkt USA, aus dem nur noch 17 Prozent des Umsatzes kommen, verglichen mit 20 Prozent im Vorjahresquartal.

Die ehemaligen RIM-CEOs Jim Balsillie und Mike Lazaridis. dapd

Die ehemaligen RIM-CEOs Jim Balsillie und Mike Lazaridis.

Alle Probleme zusammen summierten sich auf einen Abschreibungsbedarf auf unverkaufte Smartphones und Goodwill von zusammen 355 Millionen Dollar. Wie es im neuen Geschäftsjahr 2013, das gerade begonnen hat, weitergehen wird, kann Heins nicht mehr einschätzen. Er erklärte im Gespräch mit Analysten lediglich, er erwarte „anhaltenden Druck auf Umsätze und Erträge über das gesamte Finanzjahr.“

Für CEO Heins war die Ergebnisvorstellung die letzte Gelegenheit, sich aus dem Schatten seiner Vorgänger zu befreien. Er tat es gründlich, verzichtete im Analystengespräch weitgehend auf die üblichen Durchhalteparolen und die Abwiegelungstaktik, mit der Mike Lazaridis und Jim Balsillie die Probleme des Unternehmens lange herunterzuspielen versucht hatten.

RIM-Chef Thorsten Heins: „Der neue Blackberry 10 kann viel mehr als das iPhone“

RIM-Chef Thorsten Heins

exklusiv„Der neue Blackberry 10 kann viel mehr als das iPhone“

Der neue RIM-Chef hat klare Vorstellungen, wie er den Blackberry-Hersteller wieder nach vorne bringen will. Im Interview skizziert der Deutsche, wie er Apple einholen und wo er in einem Jahr stehen will.

Unumwunden gab er zu: „Der Eindruck, den ich von RIM nach zwei Tagen als CEO hatte, unterscheidet sich erheblich von dem, den ich nach zehn Wochen als CEO habe.“ Er fügte zu: „Ich bin überzeugt, dass grundlegende Änderungen notwendig sind.“ Ein Fakt, den Balsillie und Lazaridis bis zuletzt so nicht eingestehen wollten.

Analysten zeigten sich enttäuscht: Die Ergebnisse entsprächen zwar im weitesten Sinne noch den Erwartungen, aber diese seien schon schwach gewesen, sagte Colin Gillis von BGC Partners. „Es gibt keine Anzeichen für eine Trendwende.“ Die in den USA notierte RIM-Aktie brach nachbörslich um bis zu neun Prozent ein. Seit Februar 2011 hat das Papier rund 80 Prozent an Wert verloren.

Kommentare (4)

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vkappius

30.03.2012, 09:20 Uhr

Blackberry ist in seiner Kernkompetenz des Corporate Emails and Messaging ungeschlagen. Im professionellem Umfeld kann die RIM Technologie voll punkten. Der Bedienkomfort und die Rechengeschwindigkeit außerhalb der Emailfunktionalitäten sind leider schlecht. Ich persönlich könnte mir neben der Integration von iOS und Android in die Kernarchitektur auch gut eine enge Zusammenarbeit mit Garmin vorstellen. Eine sehr gute Vernetzung von Phone und Navi auch ohne Funkempfang gibt es noch nicht.

Account gelöscht!

30.03.2012, 10:18 Uhr

Kann meinem Vorredner nur zustimmen - tolle Geräte allerdings nicht für den Massenmarkt. Wesentlich funktionaler und anwendungsfokusierter als als andere überbewertete Smartphones.

axelpostinett

30.03.2012, 21:02 Uhr

Die Idee mit der Navigation macht Sinn. Die bislang beste Lösung, die ich kenne, ist die kostenlose Navigation auf Nokia Symbian und Windows Phone, die offline arbeitet.

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