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02.01.2010

14:42 Uhr

Umschuldung

Siemens sucht Heil in Dollar-Anleihen

Der Münchener Siemens-Konzern möchte sich der Kapitalmärkte bedienen, um einige Kredite abzulösen. Der günstige Dollar reizt das Unternehmen, sich über entsprechende Anleihen frisches Geld zu beschaffen. Hintergrund ist eine 2010 anstehende Refinanzierung.

HB FRANKFURT. Angesichts der niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten prüft Siemens eine Umschuldung und will sich mehr Geld mit Dollar-Anleihen beschaffen. "Warum nicht etwa eine bestehende, langfristige Finanzierung vorzeitig kündigen? Das kostet zwar etwas Geld, kann sich aber lohnen, wenn wir eine neue und im Vergleich zu früher günstigere Tranche langfristig abschließen können", sagte Finanzvorstand Joe Kaeser der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Samstag. Er glaube zwar nicht, dass die Zinsen bereits 2010 steigen, wolle aber im kommenden Jahr nicht vor vollendeten Tatsachen stehen. Dann stünden rund 3,8 Mrd. Euro zur Refinanzierung an.

Die regionale Verteilung der Anleihefinanzierungen solle sich stärker am weltweiten Geschäft des Münchner Industriekonzerns orientieren, sagte Kaeser. "Das heißt für uns, stärker in den Dollar-Raum zu gehen." Aufgrund der hohen Liquidität im Markt sei er zuversichtlich, auch größere Summen einsammeln zu können: "Wir könnten vermutlich ohne weiteres zehn bis zwölf Mrd. Dollar platzieren für den richtigen Zweck."

Siemens hatte zuletzt im Februar 2009 eine Anleihe über vier Mrd. Euro in zwei Tranchen mit Laufzeiten bis 2013 und 2017 begeben. Die Nachfrage habe sogar bei bis zu 20 Mrd. Euro gelegen, hatte Kaeser damals gesagt. Das Geld diente den Angaben zufolge ebenfalls der Umschuldung von kurzfristigen in langfristige Verbindlichkeiten.

Der Finanzchef des von der Wirtschaftskrise hart getroffenen Industriekonzerns dämpfte Erwartungen an eine Erholung im kommenden Jahr. "Die für 2011 erwartete Erholung in der Investitionsgüterindustrie wird sich nicht auf dem Niveau bewegen, wie wir es bis 2008 erlebt haben", sagte Kaeser. Siemens hat nach einem Milliardenverlust im Schlussquartal des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahrs 2008/09 die Latte für das aktuelle Geschäftsjahr bereits deutlich niedriger gelegt. Das Ergebnis im Kerngeschäft werde 2009/10 um mindestens eine Milliarde auf sechs bis 6,5 Mrd. Euro zurückgehen, hatte Konzernchef Peter Löscher Anfang Dezember mitgeteilt.

Zu weiteren Stellenabbauplänen wollte sich Kaeser nicht näher äußern. "Leider werden punktuell auch Arbeitsplätze verloren gehen, aber auch viele global neu geschaffen werden", sagte der Manager. Der Konzern hatte die Zahl seiner Mitarbeiter im vergangenen Geschäftsjahr weltweit um 23 000 auf 405 000 verringert. In Deutschland sank der Personalstand um 5000 auf 128 000 Beschäftigte.

Das von mehreren deutschen und ausländischen Konzernen ins Leben gerufene Wüstenstrom-Projekt Desertec wird sich Kaeser zufolge in den kommenden Jahren noch nicht auf die Geschäftszahlen auswirken. "Desertec wird uns in den nächsten fünf Jahren materiell, also im Umsatz, voraussichtlich nicht beschäftigen", sagte der Finanzchef. Früheren Konzernangaben zufolge könnten erste Sonnenkraftwerke des Projekts in Nordafrika in sechs bis acht Jahren entstehen. Den Plänen zufolge will Europa bis 2050 rund ein Fünftel seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energien aus der Region beziehen. Das Projekt soll gut 400 Mrd. Euro kosten.

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