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05.09.2012

07:36 Uhr

Umstrittene Aktion

Ein Buch zum Burger bei McDonald's

VonMiriam Schröder

Ab sofort gibt es zwischen Salz und Fett auch Bücher. Die „Stiftung Lesen“ hat mit der Fastfood-Kette McDonald's einen „Pakt mit dem Teufel“ geschlossen. Doch der Lesebranche bleibt auch keine Wahl.

Ein Menü bei McDonald's. Nun sollen auch Bücher dazugehören. dapd

Ein Menü bei McDonald's. Nun sollen auch Bücher dazugehören.

DüsseldorfMenschen, die beruflich mit Büchern zu tun haben, möchte man meinen, gehen nicht zu McDonald's. Das Essen macht dick und der Konzern macht viel Geld, beides Umstände, die sie verabscheuen. Aber leugnen können sie es nicht, dass ihre Kinder mit der schreiend bunten Burger-Kette etwas Positives assoziieren. Pommes, Cola, Mayo: Glück. "Happy Meal" heißt das Kindermenü, in dem die Kleinen zwischen Salz und Fett auch noch ein Plastikspielzeug finden, meist ein Teil einer ganzen Serie, was den Suchteffekt verstärkt.

Mit Büchern ist das nicht ganz so einfach. Eltern wissen: Ein iPhone bringt ein nörgelndes Kind schneller zur Ruhe als ein Buch. Und so steht zu befürchten, dass viele Vierjährige, vor allem jene aus den sogenannten "bildungsfernen Schichten" heute öfter im Fast-Food-Restaurant anzutreffen sind als in der Bücherei.

Wenn sie nicht zu uns kommen, kommen wir eben zu ihnen, mögen sich die Büchermenschen gedacht haben, und schlossen einen Pakt mit dem Teufel: Ab sofort liegen den Happy Meals Bücher bei, mit Titeln wie "Conni geht in den Zoo" oder eine Geschichte aus der Reihe "Die drei Fragezeichen", zum Lesen und Vorlesen für Kinder zwischen drei und neun Jahren. Unterstützt wird die Aktion von der "Stiftung Lesen", die auf diese Weise vier Millionen Bücher unter das lesefaule Jungvolk bringen will.

Die größten Franchise-Nehmer

463.000 Menschen verdienten ihr Geld Ende 2010 in der Franchise-Wirtschaft, 33,6 Prozent als zehn Jahre zuvor. Knapp die Hälfte arbeitet im Bereich Dienstleistung, mit 32 folgt der Handel, danach Gastronomie und das Handwerk.

Platz 1

Tui/First

Die meisten Reisebüros von Tui und First werden von Franchise-Nehmern geführt. In Deutschland waren es 2009 wie schon in den Vorjahren 1.405 Betriebe.

Platz 2

Der wohl bekannteste Franchise-Geber der Welt liegt in Deutschland nur auf Rang zwei: McDonalds betreibt 1.334 Betriebe in diesem System.

Platz 3

In Deutschland brauchen immer mehr Kinder Nachhilfe. Davon profitiert auch die Schülerhilfe: Mit 1.023 Betrieben Platz liegt das Unternehmen auf Rang drei .

Platz 4

Es folgt der Studienkreis mit 1.006 Betrieben auf Rang vier.

Platz 5

Man findet sie praktisch in jeder Stadt - die Bäckerei-Filialen von Kamps. 930 davon werden im Franchise-System betrieben.

Platz 6

Subway rangiert in Deutschland in Deutschland auf Platz sechs mit 755 Betrieben.

Platz 7

Alles für den Hund - und andere Haustiere: Fressnapf setzte von Beginn an auf Franchising - heute sind es in Deutschland 723 Läden.

Platz 8

Apollo Optik hat in den vergangenen Jahren kräftig zugekauft und setzt auch auf das Franchise-System: 670 Filialen hat die Optikerkette.

Platz 9

Auch die Fastfood-Kette Burger King schafft es in die Top Ten. 650 Betriebe werden von Franchisern geführt.

Platz 10

Eine bekannte Marke, die es trotz der Insolvenz der Mutter noch gibt: Foto Quelle führt 560 Betriebe in Franchise-System.

Platz 11

Dicht dahinter folgt der Ad-Auto Dienst mit 550 Betrieben.

Platz 12

Besonders spannend ist das Genre von Datac nicht: Buchhaltung, Lohnabrechnung und solche Dienstleistungen übernimmt das Unternehmen in 524 Betrieben.

Platz 13

Die Schuhverkäufer von Reno folgen auf Rang 13 mit 498 Läden in Deutschland.

Platz 14

Musikalisch geht es weiter. 475 Betriebe unterhält die Musikschule Fröhlich im Franchise-System.

Platz 15

Zwei Plätze hinter Reno folgt Konkurrent Quick Schuh mit 400 Filialen.

Platz 16

Früher waren Rastplatztoiletten oft ein Graus - Sanifair hat da einiges zum Besseren gewandelt. Auf 368 Betriebe kommt das Unternehmen.

Platz 17

Auf Rang 17 folgt Wohnkultur - das schreibt sich Topa Team zumindest auf die Fahne in 340 Betrieben.

Platz 18

Die Autovermieter von Avis haben es mit 338 Betrieben noch in die Top 20 geschafft.

Platz 19

Mit Holiday Land steht ein zweiter Reiseanbieter in den Top 20. Immerhin kommt das Unternehmen auf 335 Büros in Deutschland.

Platz 20

Obi übersteht den Preiskampf unter den Baumärkten derzeit recht gut. 333 Läden betreibt Obi in Deutschland im Franchise-System.

Kein Wunder, dass die Aktion sofort die üblichen Verdächtigen auf den Plan ruft. Thilo Bode, Chef der Verbraucherorganisation Food Watch, kritisiert in einem offenen Brief, die Stiftung Lesen helfe McDonald's, sein Image aufzupeppen und mehr Fastfood an Kinder zu verkaufen, von denen heute schon 15 Prozent als übergewichtig gelten. Bodes Empörung ist verständlich, sie ist sein Job.

Dabei könnte man es auch anders herum sehen: Wer will, dass aus Kindern aufgeklärte Verbraucher werden, die aufmerksam Kalorientabellen studieren, der muss sie erstmal in die Lage versetzen, solche Informationen zu verarbeiten. Lesen ist da schon mal kein schlechter Anfang.

Vor einem ähnlichen Dilemma wie Bode steht die Bücherindustrie. Sie kann sich nicht länger der Tatsache verschließen, dass sich Kinder, genau wie Erwachsene, für Buntes, Bewegtes und Elektronisches begeistern. Anstatt diese Entwicklung zu beklagen, muss sie zusehen, dass sie ihre pädagogisch wertvollen Inhalte sinnvoll mit den neuen Medien verknüpft.

Sonst ist es gut möglich, dass die Kinder, wenn sie groß sind, einmal sagen werden: Bücher, ach das waren die Dinger, die sie früher bei McDonald's verteilt haben.

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