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18.01.2014

10:02 Uhr

Umwandlung in AG

Barlach will seine Macht bei Suhrkamp stärken

Suhrkamp und kein Ende: Ein Insolvenzplan sollte dem gebeutelten Traditionshaus Ruhe bringen. Danach sieht es nicht aus. Miteigentümer Barlach versucht mit allem Mitteln, eine Mehrheit der Verlagschefin zu verhindern.

Bücher der „edition suhrkamp“: Der Kampf um die Vorherrschaft in dem Verlag geht weiter. dpa

Bücher der „edition suhrkamp“: Der Kampf um die Vorherrschaft in dem Verlag geht weiter.

BerlinBei der geplanten Umwandlung des Suhrkamp Verlags in eine Aktiengesellschaft will Miteigentümer Hans Barlach eine Mehrheit von Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz verhindern. Der Verwaltungsratspräsident von Barlachs Schweizer Medienholding, Rechtsanwalt Carl Ulrich Mayer, sagte, bei einer möglichen Kapitalerhöhung werde die Medienholding den Einstieg eines weiteren, unabhängigen Investors unterstützen.

Man sei bereits in Gesprächen mit sehr interessanten Investoren. „Das wird ein Angebot sein, das der Vorstand nicht so leicht ablehnen kann. Frau Unseld-Berkéwicz wird damit ihre Aktienmehrheit verlieren“, sagte Mayer

Suhrkamp-Sprecherin Tanja Postpischil sagte, ihr Haus habe keine Hinweise, dass die Familienstiftung ihre dominante Position im Verlag aufgeben wolle. Berkéwicz ist über die Familienstiftung mit 61 Prozent an Suhrkamp beteiligt, Barlach über seine Medienholding mit 39 Prozent. Beide sind seit Jahren zutiefst zerstritten.

Rechtsanwalt Mayer kündigte zudem an, dass Barlach „aller Voraussicht nach“ sofortige Beschwerde gegen die geplante Umwandlung des Verlags in eine AG einlegen wird. „Wir kämpfen weiter gegen diesen Plan. Er benachteiligt einseitig die Gesellschafter und hätte in dieser Form nicht genehmigt werden dürfen“, so der Anwalt.

Der jahrelange Machtkampf beim Suhrkamp-Verlag

Sieben Jahre Streit

Seit sieben Jahren tobt im Suhrkamp Verlag ein Machtkampf der Gesellschafter. Jetzt wird über den Insolvenzplan für das Traditionshaus entschieden. Ein Rückblick.

2003 – Die Witwe übernimmt

Ein Jahr nach dem Tod von Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld übernimmt seine Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz die Geschäftsführung. Es gibt auf vielen Ebenen Streit um Kompetenzen.

2006/2007 – Barlach kauft sich ein

Der Hamburger Medienunternehmer Hans Barlach kauft - zunächst mit einem Partner, später allein - den Anteil des bisherigen stillen Teilhabers Andreas Reinhart in der Schweiz. Unseld-Berkéwicz spricht von einer „feindlichen Übernahme“ und legt Klage ein. In den Folgejahren folgt eine Flut von Klagen und Gegenklagen.

2009/2010 – Der Verlegersohn steigt aus

Verlegersohn Joachim Unseld steigt aus dem Verlag aus. Er verkauft seinen 20-Prozent-Anteil zu gleichen Teilen an die Familienstiftung von Unseld-Berkéwicz, die damit 61 Prozent hält, und an Barlachs Medienholding, die jetzt 39 Prozent hat. Ein Jahr später verlegt der Verlag seinen Sitz vom Traditionshaus in Frankfurt/Main nach Berlin.

Dezember 2012 – Gerichtsbeschluss gegen Unseld-Berkéwicz

5. Dezember: Barlach und Unseld-Berkéwicz fordern vor dem Landgericht Frankfurt, die jeweils andere Seite als Gesellschafter auszuschließen. Sollte es dazu nicht kommen, müsse der Verlag aufgelöst werden, so Barlach. Das Gericht will am 13. November 2013 entscheiden. Am 10. Dezember wird Unseld-Berkéwicz per Gerichtsbeschluss als Geschäftsführerin des Verlags abberufen. Das Landgericht Berlin setzt damit auf Antrag Barlachs einen Gesellschafter-Beschluss vom November 2011 rückwirkend in Kraft. Wegen der Anmietung von Räumen für den Verlag in ihrem Privathaus soll sie zudem Schadenersatz zahlen. Sie legt Berufung ein.

20. März 2013 – Gewinnanteil an Barlach

Das Landgericht Frankfurt verurteilt den Verlag zur Zahlung von knapp 2,2 Millionen Euro an Barlach. Es geht um den Gewinnanteil aus dem Verkauf des Frankfurter Verlagsgebäudes und des Verlagsarchivs.

27. Mai 2013 – Schutzschirmverfahren

Der Verlag beantragt eine Unternehmenssanierung nach dem neuen Insolvenzrecht. Das sogenannte Schutzschirmverfahren soll verhindern, dass Gewinne an die Anteilseigner ausgezahlt werden.

6. August 2013 – Insolvenzverfahren wird eröffnet

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eröffnet das Insolvenzverfahren. Auf Vorschlag von Unseld-Berkéwicz soll der Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Barlach verlöre dadurch weitreichende Mitspracherechte.

September 2013 – Autoren drohen Barlach

10. September: Das Landgericht Frankfurt verbietet der Verlegerin in einer einstweiligen Verfügung, bei der Gläubigerversammlung ihrem eigenen Insolvenzplan zuzustimmen. Am 26. September drohen fast 200 renommierte Suhrkamp-Autoren Barlach mit einem Ausstieg aus dem Verlag, sollte er „maßgeblichen Einfluss“ auf das Haus behalten - u.a. Sibylle Lewitscharoff, Hans Magnus Enzensberger, Durs Grünbein und Uwe Tellkamp.

Oktober 2013 – Sanierungsplan wird angenommen

1. Oktober: Eine erste Gläubigerversammlung votiert weitgehend einvernehmlich für die Fortsetzung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Nur zwei Tage später hebt das Oberlandesgericht Frankfurt die Entscheidung vorläufig auf, nach der Unseld-Berkéwicz nicht über den Insolvenzplan abstimmen darf. Am 12. Oktober kündigt Barlach an, auf Schadenersatz zu klagen, sollte der Verlag wirklich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Am 22. Oktober 2013 nimmt eine zweite Gläubigerversammlung den Sanierungsplan mit klaren Mehrheiten in allen drei Gläubigergruppen an. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hatte am Mittwoch grünes Licht für den von Unseld-Berkéwicz vorgelegten Insolvenzplan gegeben. Mit der darin vorgesehenen Schaffung einer Suhrkamp AG verlöre Barlach weitgehende Mitspracherechte. Eine Beschwerde würde das Ende der Insolvenz nochmals hinauszögern.

Der Verlag ist nach den Worten von Sprecherin Postpischil gleichwohl zuversichtlich, das Insolvenzverfahren zügig abzuschließen. „Der Umfang einer kommenden Kapitalerhöhung wird vom zukünftigen Vorstand und mit Zustimmung des Aufsichtsrats festgelegt werden“, sagte sie.

Barlachs Medienholding ist laut Mayer durch den kürzlichen Eintritt des Berliner Unternehmers Dirk Möhrle, früher Chef der Baumarktkette Max Bahr, in den Verwaltungsrat gestärkt worden. „Man kann sich ausmalen, dass ein Mann wie Möhrle nicht nur seinen Namen gibt, wenn er so einen Schritt macht“, sagte Mayer, der dem Führungsgremium ebenfalls angehört.

An den Verkauf seiner Anteile denkt Barlach nicht. „Im Gegenteil. Wir würden auch Frau Unseld-Berkéwicz herauskaufen, wenn sie ihre Beteiligung aufgeben würde. Das wäre sicher eine Alternative, um den Verlag wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen“, so der Anwalt. „Das Wichtigste ist jetzt, dass Suhrkamp nach 10 Jahren roten Zahlen operativ in die Gewinnzone geführt wird und endlich wieder wirtschaftlich arbeiten kann.“

Barlach hatte im Herbst 2013 auch Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingelegt, weil er sich durch das Insolvenzverfahren in seinen Grundrechten beschnitten sieht. Mayer geht davon aus, dass das Bundesverfassungsgericht die Beschwerde inhaltlich entscheiden wird. „Würde das Gericht sie für aussichtslos halten und nicht annehmen wollen, hätte es das schon längst getan.“

Von

dpa

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