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05.08.2014

14:22 Uhr

Unerwartete Offerte

Telefonica will Internetanbieter GVT übernehmen

Nach dem Go für die E-Plus-Übernahme durch die Wettbewerbshüter ist die o2-Mutter Telefonica offenbar weiter hungrig: Das spanische Unternehmen will in Brasilien mit einem Deal im Bereich des schnellen Internets punkten.

Flott voran, immer weiter: Der stramme Schritt dieses Herrn vor dem Telefonica-Sitz in Barcelona steht sinnbildlich für den Kurs des spanischen Konzerns. Reuters

Flott voran, immer weiter: Der stramme Schritt dieses Herrn vor dem Telefonica-Sitz in Barcelona steht sinnbildlich für den Kurs des spanischen Konzerns.

MadridDie spanische o2 -Mutter Telefonica will ihre Einkaufstour mit einer Milliardenübernahme in Südamerika fortsetzen. Das Unternehmen legte am Dienstag überraschend ein 6,7 Milliarden Euro schweres Angebot für das Geschäft mit schnellen Internetverbindungen des französischen Medienkonzerns Vivendi in Brasilien vor. Mit der Offerte für die Breitband-Sparte GVT stieß Telefonica aber zunächst auf wenig Gegenliebe. Keine der Konzern-Töchter stünde derzeit zum Verkauf, erklärte Vivendi. Allerdings soll das Angebot bei der nächsten Sitzung des Verwaltungsrates geprüft werden.

Telefonica hat bereits seit längerem ein Auge auf GVT geworfen. Das Unternehmen ist in Brasilien führender Anbieter schneller Internet-Verbindungen. Bei einem ersten Bieterverfahren musste sich Telefonica 2009 Vivendi geschlagen geben. Mit dem Zukauf könnte Telefonica nicht nur die Stellung auf seinem zweitwichtigsten Markt stärken. Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas birgt im Gegensatz zum weitgehend gesättigten Telekom-Märkten in Europa enormes Wachstumspotenzial. Die Wende im gebeutelten Europa-Geschäft soll Deutschland bringen, weshalb der Mobilfunk-Ableger o2 für 8,6 Milliarden Euro den Rivalen E-Plus schluckt.

Ein GVT-Kauf würde Telefonica zudem die Möglichkeit eröffnen, sich von Anteilen an Telecom Italia in Brasilien zu trennen und damit kartellrechtliche Probleme aus dem Weg zu räumen. Im Rahmen des Angebots aus einer Barkomponente sowie neuen Aktien diente Telefonica Vivendi auch einen Anteil von 8,3 Prozent an Telecom Italia an. Brasiliens Kartellbehörde Cade verlangt seit Monaten von Telefonica, Anteile an Telecom Italia zu veräußern. Hintergrund ist, dass die brasilianische Tochter der Italiener, TIM, mit Telefonicas Tochter Vivo konkurriert. TIM ist nach Vivo der zweitgrößte Mobilfunkanbieter in Brasilien.

Was die Fusion von E-Plus und O2 für den Kunden bedeutet

Worum geht es?

Die niederländische KPN verkauft ihre Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland. Das wurde bereits im Juli 2013 angekündigt. Telefónica Deutschland gehört seinerseits zum spanischen Telefónica-Konzern und bietet vor allem die Mobilfunk-Marke O2 an. „Das neue Unternehmen wird erhebliche Größen- und Effizienzvorteile erzielen“, erklärte Telefónica Deutschland am Mittwoch. Abgeschlossen sein soll der Kauf voraussichtlich bis Ende September.

Wie viele Mobilfunkanbieter gibt es jetzt noch?

Von den großen Anbietern, die ein eigenes Mobilfunknetz besitzen, gibt es in Deutschland künftig nur drei statt vier. Neben Telefónica Deutschland sind dies die Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings gibt es noch viele weitere Mobilfunkmarken. Sie gehören entweder auch zu diesen großen Konzernen oder zu anderen Anbietern. Diese Anbieter leihen sich sozusagen das Netz von den Großen und bieten dann den Endkunden eigene Verträge an. Außerdem könnte sich künftig nach Einschätzung der EU-Kommission auch wieder ein weiterer Anbieter mit eigenem Netz etablieren.

Was bedeutet der Wegfall eines so großen Unternehmens?

Die EU-Kommission hatte bei der Fusion zunächst Bedenken. Sie befürchtete, die Konzentration könne dazu führen, dass sich die verbleibenden Firmen nicht mehr so hart bekriegen - was für die Kunden schlecht wäre, die gerade vom Wettbewerb Vorteile haben. Deshalb hat die EU-Behörde eine ganze Reihe Auflagen für die Fusion gemacht. Dazu gehört zum Beispiel, dass Telefónica 30 Prozent der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen muss.

Reichen die Auflagen aus?

Die EU-Kommission sagt Ja: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, kündigte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia an. Der auf die Branche spezialisierte Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hält die Auflagen dagegen für ungenügend. Sie dienten als „Deckmäntelchen“ für eine industriefreundliche und verbraucherfeindliche Politik der Kommission, sagte er AFP. Auch Ilja Braun von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren.“

Steigen jetzt die Preise?

Das ist nicht ausgeschlossen. Zwar seien kurzfristig keine Preissteigerungen zu befürchten, glaubt Gerpott. Er verweist aber zugleich auf Österreich, wo es vor 18 Monaten eine vergleichbare Übernahme gab. Dort seien „die Preise nicht mehr so schnell gefallen und zum Teil sogar gestiegen“. Das könnte mittelfristig auch in Deutschland passieren, meint der Wirtschaftsprofessor. Telefónica äußert sich nicht konkret zu Preisen. In einer Erklärung versichert das Unternehmen aber, „den Markt mit innovativen Produkten und Services (...) noch stärker herauszufordern.“

Ändern sich die bestehenden Mobilfunk-Verträge?

Bei bereits abgeschlossene Verträgen besteht kein Grund zur Sorge. „Bestehende Verträge ändern sich nicht“, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

Verschwindet E-Plus jetzt ganz?

Ob die Marke E-Plus bestehen bleibt oder verschwindet, das lässt sich laut Telefónica Deutschland noch nicht sagen. Dafür müsse erst der Abschluss der Übernahme abgewartet werden.

Was kann noch passieren?

Denkbar sind laut Verbraucherschützer Braun, dass einige Billigmarken wegfallen, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden. Ferner könnten auch Läden geschlossen werden. „Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben“, sagte Braun.

Der GVT-Vorstoß sei ein geschickter Schachzug, wie einige Analysten Telefonica bescheinigten. Allerdings könnten ihrer Ansicht nach nun auch andere Konkurrenten Interesse an GVT anmelden. Wie aus dem Vivendi-Umfeld verlautete, sei der Preis für ein erstes Angebot gut. Es sei aber fraglich, was Verwaltungsratschef und Vivendi-Großaktionär Vincent Bollore vorhabe. Er hatte erst Ende Juni erklärt, GVT als letztes verbliebenes Mobilfunkgeschäft halten zu wollen, auch wenn sich Vivendi gerade auf sein Mediengeschäft konzentriert. Dazu hatte der Konzern jüngst seine französische Mobilfunksparte SFR verkauft.

Von

rtr

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