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12.05.2017

15:54 Uhr

United-Internet-Chef Ralph Dommermuth

Ein Milliardär zurück im Maschinenraum

VonIna Karabasz

United-Internet-Chef Ralph Dommermuth bündelt 1&1 und den Mobilfunkdiscounter Drillisch in seinem Konzern. Damit formiert er einen starken neuen Konkurrenten am Markt – den er auch selbst operativ führen wird.

Das Telekomgeschäft ist seine „Leidenschaft“. Uta Wagner

Ralph Dommermuth

Das Telekomgeschäft ist seine „Leidenschaft“.

DüsseldorfDie neue „vierte Kraft“ will der Chef selber führen. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth formiert einen mächtigen Spieler im Telekommunikationsmarkt und wird über dessen Wohl und Wehe selber entscheiden. Er geht zurück in den Maschinenraum.

United Internet mit seiner Telekomtochter 1&1 und der Mobilfunkanbieter Drillisch bündeln ihre Marktmacht unter dem Dach von Dommermuths Konzern. Das gaben beide Unternehmen am Freitag bekannt. Damit werden sie die drei größten Anbieter Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland mächtig unter Druck setzen können.

Ralph Dommermuth: „Es gibt keine Ausrede mehr”

Ralph Dommermuth

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Ralph Dommermuth ist Gründer von United Internet. Im Interview spricht er über die Erfolge und die Grenzen seiner Initiative „Wir zusammen“, Probleme der Integration und die Angst der Wirtschaft vor klaren Standpunkten.

Die neuen Angreifer nennen sich selber die „vierte Kraft“ im Telekommunikationsmarkt. Sie sind weitestgehend unabhängig von den drei anderen Netzbetreibern. Dank eines Deals, den Drillisch mit Telefónica geschlossen hat, hat das Unternehmen uneingeschränkten Zugriff auf 30 Prozent dessen Netzkapazitäten – und mit dem Zusammenschluss in Zukunft auch United Internet.

Das ist auch eine späte Genugtuung für Dommermuth. Angeblich hatte er diesen Deal abschließen wollen, aber kam nicht zum Zug. Telefónica musste sich auf den Deal einlassen, sonst hätte die EU-Kommission die Fusion mit E-Plus im Jahr 2014 nicht genehmigt.

Es wird in nächster Zeit ein fröhliches Wechselspiel von Aktien geben, an dessen Ende aber wohl folgendes Ergebnis stehen wird: Telekommunikationsanbieter 1&1 ist dann Teil des Mobilfunkanbieters Drillisch und Drillisch wiederrum Teil der Konzernwelt von United Internet. Zu dem Telekommunikations- und Internetkonglomerat gehören noch E-Mail-Dienste wie GMX und Web.de. Dazu kommen noch Anbieter wie etwa Strato, der Internetseiten betreut, sogenanntes Hosting.

Kleines Mobilfunk-Lexikon

GSM

GSM, kurz für „Global System for Mobile Communication“, war der erste digitale Mobilfunkstandard. In Deutschland wurde er in den 1990er Jahren eingeführt. Heute noch ist GSM in vielen Ländern in Betrieb, auch hierzulande. Dank der guten Versorgung scheint der Standard momentan unverzichtbar.

Edge

Edge, kurz für „Enhanced Data Rates for GSM Evolution“, ist eine Erweiterung des GSM-Standards, die eine Datenübertragung mit bis zu 384 Kilobit/Sekunde erlaubt. Nach heutigen Maßstäben ist das langsam. Dafür steht der Satz „Ich habe nur Edge“, den man etwa auf Bahnreisen oft hört.

UMTS

„Universal Mobile Telecommunications System“ ist der Mobilfunkstandard der dritten Generation. UMTS ist in Deutschland und großen Teilen der Welt verbreitet und ermöglicht schnelle Datenübertragungen. Nutzer in einer Funkzelle müssen sich allerdings die Bandbreite teilen – trotz Erweiterungen beginnen die Netze, zu verstopfen.

HSPA

„High Speed Packet Access“ macht UMTS schneller: Statt Übertragungsraten von 384 Kilobit/Sekunde sind mit HSPA bis 14,4 Megabit/Sekunde möglich, der Upload wird auf bis zu 5,76 Mbit/s beschleunigt.

HSPA+

Und es geht noch schneller: HSPA+ ermöglicht Downloads mit bis zu 21 Megabit/Sekunde. Wenn Netzbetreiber und Endgerät zwei Verbindungen gleichzeitig aufbauen können, wird diese Rate noch einmal verdoppelt.

LTE oder 4G

Der Mobilfunkstandard der vierten Generation heißt LTE, kurz für „Long Term Evolution“. Er beschleunigt die Datenübertragung auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde, die Weiterentwicklung Cat4 macht bis 150 Mbit/s möglich. 4G wird oft synonym für LTE benutzt.

Das Telekomgeschäft jedoch sei seine „Leidenschaft“ erklärte Ralph Dommermuth am Freitag. Sobald Drillisch unter seinem Konzerndach hängt, wird er CEO der Telekommunikationstochter. An seiner Seite sind dann Martin Witt, der derzeit 1&1 führt, und André Driesen, der jetzige Finanzchef von Drillisch. Vlasios Choulidis, Vorstandschef des Mobilfunkers, bekommt dann einen Posten im Aufsichtsrat. Er hat Drillisch gemeinsam mit seinem Bruder Paschalis Choulidis aufgebaut. Der hatte vergangenes Jahr das Unternehmen verlassen.

Choulidis und Dommermuth kennen sich gut. Sie haben 2008 versucht, gemeinsam den Anbieter Freenet zu kaufen. Am Ende kamen sie allerdings nicht zusammen. Der United-Internet-Chef erklärt, er sein nun verpflichtet, das Lebenswerk der Brüder „gut weiterzuführen.“

Dazu gehört auch: Wieder mehr im täglichen Geschäft Entscheidungen zu treffen. Er wolle Gespräche „gut begleiten“, nennt Dommermuth das und verkneift sich den Hinweis, nichts dass er auch die „notwendige Autorität“ habe.

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

12.05.2017, 16:19 Uhr

Da Herr Dommermuth mir in verschiedenen HB-Artikeln (u.a. http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/management/ralph-dommermuth-es-gibt-keine-ausrede-mehr/19375236.html?nlayer=News_11252000, http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/management/idealist-des-jahres-ralph-dommermuth-wir-zusammen/14999948.html?nlayer=News_1985586) schon mehrfach mit seiner durchaus sozialkompatiblen Einstellung (und entsprechendem Handeln) aufgefallen ist, wünsche ich seinen Unternehmungen viel Erfolg.

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