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18.05.2017

14:39 Uhr

United Internet und Drillisch

Abschreibungen, Übernahmen – und Applaus für den Chef

VonIna Karabasz

Es sind aufregende Zeiten für United Internet. Der Zusammenschluss mit Drillisch soll den Konzern zur vierten Kraft im Mobilfunkmarkt machen. Die Aktionäre bleiben aber gelassen – und spenden dem Firmenchef Applaus.

Aktionäre loben den Chef von United Internet für seinen Coup mit der Drillisch-Übernahme. Uta Wagner

Ralph Dommermuth

Aktionäre loben den Chef von United Internet für seinen Coup mit der Drillisch-Übernahme.

FrankfurtAm 20. Oktober 1880 versuchte Don Giovanni hier Donna Anna zu verführen. Bei der ersten Aufführung in der kurz vorher fertiggestellten Frankfurter Oper ging es um Hass, Liebe, Moral – und am Ende von Mozarts Komposition beobachteten die Zuschauern, wie der verantwortungslose Don Giovanni im tosenden Höllenfeuer versank.

Fast 137 Jahre später ist es ruhig in der wieder aufgebauten Alten Oper. Gemächlich spazieren die Aktionäre von United Internet in den Mozartsaal, Aufregung erwartet an diesem Donnerstag kaum jemand – dabei sind es aufregende Zeiten für den Konzern.

Vergangenen Freitag hatte United Internet angekündigt, seine Telekommunikationstochter 1&1 mit dem Mobilfunker Drillisch verschmelzen zu wollen. Damit will der Internetkonzern neben Vodafone, Deutsche Telekom und Telefónica Deutschland die neue vierte Kraft am Markt sein.

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Bis es soweit ist, müssen allerdings noch ein recht komplexes Konstrukt von Aktientauschen und Kapitalerhöhungen abgewickelt werden. Erst tauscht United Internet Anteile von 1&1 mit Drillisch und erhöht damit seinen Anteil an dem Mobilfunker auf 30 Prozent. Dann nimmt Drillisch eine Kapitalerhöhung vor, an dessen Ende United Internet Mehrheitsaktionär mit 72,7 Prozent sein soll.

Diese Transaktion ist notwendig, damit 1&1 an einem sehr vielversprechenden Deal von Drillisch mit Telefónica teilhaben kann. Der Mobilfunker kann bis 2030 zu günstigen Konditionen auf bis zu 30 Prozent dessen Netzkapazitäten zugreifen. Telefónica musste sich darauf einlassen, sonst hätte die EU-Kommission dem Zusammenschluss mit E-Plus nicht zugestimmt. Auf der Hauptversammlung erklärt United-Internet-Chef Ralph Dommermuth: „Damit haben wird die gleichen Möglichkeiten, als hätten wie ein eigenes Netz.“ Er verspricht sich davon ein „schönes Wachstum“.

Damit United Internet aber auch an diese Netzkapazitäten kommen kann, müssen die Aktionäre von Drillisch dem Mitte Juli in einer außerordentlichen Hauptversammlung zustimmen. Bis dahin läuft der Zusammenschluss nach Plan. Falls professionelle Anfechtungskläger auf den Plan treten, die sich einen Mehrwert aus einer Klage versprechen, könnte es allerdings sein, dass der Zusammenschluss nicht wie angedacht bis Ende 2017 durch ist, erklärte Dommermuth. Das komme dann auch auf die Gerichte an.

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Die Anwesenden bei der Hauptversammlung sind angesichts des Vorhabens guter Dinge. Andreas Lang, Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), erklärt, sie sähen „eine sich anbahnende Erfolgsgeschichte.“ Deswegen möchten sie „der Verwaltung zu diesem Schritt gratulieren“.

Trotzdem: Ganz zufrieden ist er nicht. Wie es mit dem „Sorgenkind“ von United Internet, Rocket Internet, weitergehen soll, fragt er. Wegen der Beteiligung an dem Berliner Start-up-Entwickler musste der Konzern im vergangenen Jahr fast 255 Millionen Euro abschreiben. Außerdem sei doch die Dividende angesichts des Erfolgs des Unternehmens recht gering, beklagte er. Auch hätten die Wertpapierschützer erstaunt die die Zahlen zum ersten Quartal wahrgenommen.

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