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08.11.2016

18:35 Uhr

United Internet und Warburg Pincus

„Wir werden uns auch mal streiten“

VonIna Karabasz

René Obermann und Ralph Dommermuth machen von nun an gemeinsame Sache. Der Chef von United Internet verkauft einen Teil seines Firmenkundengeschäfts an Warburg Pincus für rund eine halbe Milliarde Euro.

Für Ralph Dommermuth (l.), Gründer und Vorstandsvorsitzender von United Internet, gibt es ein Wiedersehen mit mit seinem alten Rivalen Rene Obermann: Der Ex-Chef der Deutschen Telekom arbeitet mittlerweile für Warburg. dpa

Wiedersehen

Für Ralph Dommermuth (l.), Gründer und Vorstandsvorsitzender von United Internet, gibt es ein Wiedersehen mit mit seinem alten Rivalen Rene Obermann: Der Ex-Chef der Deutschen Telekom arbeitet mittlerweile für Warburg.

DüsseldorfSie kennen sich seit Jahren, nun arbeiten sie das erste direkt Mal miteinander: René Obermann, Ex-Chef der Deutsche Telekom und United-Internet-CEO Ralph Dommermuth. Letzterer hat seit der Gründung mit der Telekom zusammengearbeitet. Obermann ist mittlerweile Partner beim Finanzinvestor Warburg Pincus – und dieser steigt nun bei Dommermuths-Konzern ein.

Wie das Unternehmen heute mitteilte, wollen sie im Geschäftsbereich „Business Applications“ künftig zusammenarbeiten. Darin ist unter anderem das Geschäft mit Servern, E-Mail-Angeboten und Online-Shops für Firmenkunden gebündelt. Warburg Pincus zahlt rund 450 Millionen Euro für ein Drittel davon. 2015 hat der Bereich rund 600 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

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Mit 1&1, GMX und web.de hat Ralph Dommermuth Milliarden verdient. Und der United-Internet-Chef baut sein Internet-Imperium weiter aus. Von Konkurrenten wie der Telekom macht er sich damit weitgehend unabhängig.

Für Warburg Pincus könnte sich die Investition schnell rechnen. United Internet – bekannt unter den Marken 1&1 und web.de – prüft einen Börsengang der Sparte, der dann in zwei Jahren erfolgen könnte. Das hatte das Unternehmen nach der Übernahme von home.pl, einem polnischen Webhoster, bekanntgegeben. 135 Millionen Euro hatte United Internet dafür bezahlt. Einen genauen Termin wollte Dommermuth aber nicht nennen.

Bereits jetzt schätzen Obermann und Dommermuth den Wert des Geschäftsbereichs „Business Applications“ auf rund 2,5 Milliarden Euro. Dommermuth betonte nun, mithilfe von Warburg Pincus und René Obermann den Umsatz schneller steigern zu wollen – auch mit Zukäufen. „Die erwartete Marktkonsolidierung aktiv mitgestalten“, nennt Dommermuth das. Auch Obermann betonte, dass sich Warburg Pincus auf Wachstumsfinanzierung konzentriere.

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Dommermuth kann das Geld gut für mögliche Zukäufe gebrauchen. Denn United Internet soll an der Host Europe Gruppe (HGE) interessiert sein. HGE gehört derzeit dem Finanzinvestor Cinven. Dieser hat das Unternehmen 2013 für rund eine halbe Milliarde Euro übernommen. Der Stammsitz von HGE ist in Großbritannien. Es wird über eine mögliche Verlaufssumme von 1,7 Milliarden Euro spekuliert.

Aber auch die Telekom soll an HGE interessiert sein. Allerdings hat sie derzeit einen anderen Zukauf zu stemmen: Wie am Freitag verkündet wurde, übernimmt sie in den Niederlanden das Festnetzgeschäft von Wettbewerber Vodafone. Dieser steht unter Zugzwang: Er muss das Geschäft verkaufen, damit die EU-Kommission einer Fusion mit dem Kabelnetzbetreiber Liberty Global in den Niederlanden zustimmt. Die Telekom ist hingegen in den Niederlanden bisher nur als Mobilfunkbetreiber aktiv und könnte deshalb HGE gut übernehmen.

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Obermann betonte, dass der Zeitpunkt der Partnerschaft nichts mit dem Werben um HGE zu tun habe. United Internet wird die Anteile am Geschäftsbereich „Business Applications“ in eine Holding-Gesellschaft übertragen. René Obermann bekommt einen Aufsichtsratsposten und soll das Management unterstützen. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.

René Obermann und Ralph Dommermuth kennen sich gut. Auf die Zusammenarbeit freuen sie sich. Beide seien bekannt dafür, mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg zu halten, erklärte der Ex-Telekom-Chef. „Wir werden uns auch mal streiten“, sagt er. Aber sie hätten eine gute Verbindung. Dommermuth erklärte dazu: „Das kann ich nur bestätigen.“

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