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10.01.2013

13:56 Uhr

Unterhaltungselektronik

Der Absturz von Bang & Olufsen

Nur noch drei Millionen Euro verdiente der TV- und Radiogeräteproduzent Bang & Olufsen im abgelaufenen Quartal. Die Probleme des dänischen Luxuskonzerns sitzen tief.

Trotz edler Optik: Dem Unterhaltungselektronikhersteller geht es seit Jahren schlecht. Reuters

Trotz edler Optik: Dem Unterhaltungselektronikhersteller geht es seit Jahren schlecht.

Düsseldorf Das Bang & Olufsen-Fabrikgelände ist zwar hübsch gelegen an sanften grünen Hügeln, einen Steinwurf entfernt von einer Nordseebucht am Rand des idyllischen dänischen Städtchens Struer. Doch Innovationskraft versprühen die Backsteinbauten nicht. An der Konzernzentrale gibt es keine Chance auf einen Einblick in die Produktwelt, lediglich im Stadtmuseum wird hin und wieder die bekannte Marke in einer Ausstellung gefeiert.

Ähnlich miefig erscheint die Homepage des Unternehmens, nicht vom Äußerlichen her, das ist schick hergerichtet wie die teuren Produkte des Unternehmens. Doch wer genauer hinschaut, erkennt, dass die Seite offenbar in letzter Zeit stark vernachlässigt wurde. In der Firmenbeschreibung finden sich etwa Angaben zu Mitarbeiter- und Geschäftszahlen vom Geschäftsjahr 2009/2010.

Kleines Fernseh-Glossar

Technologie verkauft Fernseher

Die TV-Hersteller arbeiten permanent an neuen Verfahren, um die Bildqualität weiter zu verbessern und die Funktionen zu erweitern – Technologie verkauft Geräte. Welche Schlagwörter sind derzeit angesagt?

Ultra HD (4K)

Ultra HD – oft auch als 4K bezeichnet – ist ein TV-Format mit sehr hoher Auflösung. Diese beträgt 3840 x 2160 Pixel, also 8,3 Megapixel. Das ist vier Mal so viel wie bei einem HD-Bild. Es mangelt noch an passenden Inhalten, allerdings werden herkömmliche Bilder hochgerechnet. Da die Geräte immer billiger werden, eignen sie sich langsam für den Massenmarkt.

OLED

OLED steht für Organic Light Emitting Diode, es handelt sich also um organische Leuchtdioden. Diese Technologie ermöglicht ein sehr kontrastreiches Bild und weite Blickwinkel, zudem verbraucht sie wenig Strom. Allerdings ist die Produktion der Paneele kompliziert und somit noch vergleichsweise teuer. Daher ist der Marktanteil der OLED-Geräte gering.

Gebogene Displays

Früher mussten Fernseher unbedingt flach sein – geht es nach einigen Herstellern, geht es heute nicht ohne gebogenes Display. Samsung, LG & Co. versprechen ein besseres Bild mit weniger optischen Verzerrungen. Der Vorteil liegt indes wohl eher im Design als im Seherlebnis. Dafür müssen Verbraucher einen hohen Preis in Kauf nehmen.

Smart TV

Fast alle neuen Fernseher sind inzwischen „smart“: Sie können nicht nur die herkömmlichen Kanäle, sondern auch Inhalte aus dem Internet darstellen, beispielsweise das Videoportal Youtube, Online-Videotheken oder extra für den großen Bildschirm programmierte. Dazu braucht es nur einen Breitbandanschluss. Allerdings nutzen viele Zuschauer diese Funktionen noch nicht. Zudem hapert es teils noch an der Bedienung – eine Kopplung mit Smartphone und Tablet soll Verbesserungen bringen.

Second Screen

Viele Fernsehzuschauer surfen nebenbei im Internet – entweder mit dem Smartphone oder dem Tablet-Computer. Dieses vergleichsweise junge Phänomen erlaubt TV-Herstellern, Filmemachern und Sendern, den zweiten, kleinen Bildschirm einzubinden. Etwa mit Informationen über die Sendung und Schauspieler oder Werbung. Zudem können die mobilen Geräte die klassische Fernbedienung ersetzen.

Auch im Inneren der Firma sieht es düster aus. Die schwache Gewinnentwicklung im abgelaufenen Quartal und eine Prognosesenkung für das Gesamtjahr hatten die Aktionäre von Bang & Olufsen am Mittwoch kalt erwischt. Die Titel sackten in einem nur etwas schwächeren Gesamtmarkt um bis zu 17,5 Prozent ab. Dabei hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr bereits erste Zeichen einer Erholung auf dem hart umkämpften Markt mit hochwertigen Audioprodukten gespürt.

Der Hersteller von Luxus-Unterhaltungselektronik hat wegen Absatzproblemen auf dem europäischen Markt sowie einer Umorganisation seines Vertriebsnetzes in Brasilien und China von September bis November vor Steuern nur 23 Millionen dänische Kronen (rund drei Millionen Euro) verdient; Analysten hatten im Schnitt 65,5 Millionen prognostiziert.

„Es ist eine große Enttäuschung, dass wir ein schwaches Ergebnis präsentieren mussten“, sagte B & O-Chef Tue Mantoni. Er räumte ein, dass es Unternehmensbereiche gibt, die sich nicht wie geplant entwickelt haben. Vor allem leidet der Konzern unter der konjunkturellen Schwäche in Europa. Teilweise ausgleichen konnte B & O die Umsatzverluste in Europa durch eine gestiegene Nachfrage in Brasilien, China, Indien und Russland. Deshalb will Mantoni künftig noch stärker als bisher auf diese Wachstumsmärkte setzen. Außerdem plant er ein stärkeres Engagement seines Unternehmens in Nordamerika.

Kommentare (8)

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graintrader

10.01.2013, 14:51 Uhr

Der Autor dieses Artikels kommentiert so süffisant, dass B&O immer noch in Dänemark produziert ( und nicht wie üblich in einem Billiglohnland ). Hoffentlich kritisiert der selbe Autor nicht, dass man ja das Handelsblatt immer noch in Deutschland produziert. (Kostengünstig geht auch in der Türkei ). Dann gute Reise !

Account gelöscht!

10.01.2013, 15:10 Uhr

Gutes muss (eben nicht mehr) teuer sein.

ulrichhauck

10.01.2013, 17:36 Uhr

@graintrader
Stimme voll zu.
Die Zeitungsleute berichten ja nur was andere entscheiden und umsetzen.
Selber üssen die Zeitungsmenschen ja nichts realisieren -- ausser scharfen Kommentaren!!

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