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02.07.2017

14:01 Uhr

Unternehmen setzen auf Chatbots

Im Zwiegespräch mit den Robotern

VonJohannes Steger

Virtuelle Helfer sind im Kommen: Unternehmen wie Telekom, Lufthansa oder Maggi lassen Chatbots mit Kunden kommunizieren. Das ist kein Grund zum Fürchten – die Bots könnten etwa Hotline-Warteschleifen den Garaus machen.

Programme wie Kim sollen die Welt der Marken und der Kommunikation revolutionieren. Screenshot Maggi

Chatbot von Maggi

Programme wie Kim sollen die Welt der Marken und der Kommunikation revolutionieren.

BerlinKim ist hilfreich: Hunger auf Asiatisch? Sie findet das passende Rezept. Kim ist ideenreich: Nur noch Auberginen und Schafskäse im Kühlschrank? Kim findet die passende Zubereitung. Kim ist praktisch: Zutaten legt sie direkt in den Warenkorb von Rewe Online. Kim ist ein Bot. Und geht es nach ihren Erschaffern, haben Programme wie sie das Zeug dazu, die Welt der Marken und der Kommunikation zu revolutionieren.

Dieser Meinung waren fast alle Teilnehmer des Chatbot Summits Anfang der Woche in Berlin, wo sich Unternehmen, Gründer und Vordenker versammelt haben, um über die virtuellen Helfer zu diskutieren. Ein Chatbot ist ein programmierter Kommunikator, der über Messenger wie WhatsApp oder auch über Amazons Sprachassistentin Alexa Fragen der Kunden beantwortet und mit ihnen in den Dialog tritt.

Unternehmen wie die Deutsche Telekom oder die Lufthansa testen bereits ihren Einsatz. Denn sie haben das Potenzial, gewaltige Summen einzusparen und die Kundenkommunikation von Grund auf zu verändern. Doch die schöne neue Welt der sprechenden Maschinen stellt Marken und Unternehmen vor völlig neue Herausforderungen.

Checkliste Digitales für Mittelständler

Quelle

Häufig wissen Mittelständler nicht, wie sie die Digitalisierung angehen sollten. Experte Thomas Denk vom Beratungshaus Deliberate in Böblingen empfiehlt ein strukturiertes Vorgehen.

1. Situation analysieren

Vor der Gestaltung der digitalen Transformation steht die Analyse. Was passiert gerade in meiner Branche, wie stellen sich die Konkurrenten auf, wo stehen wir und welche Ideen haben wir?

2. Erwartungen der Kunden erfüllen

Digitalisierung heißt, die veränderten Bedürfnisse der Kunden zu berücksichtigen. Hilfreich dabei: eine offene Kommunikation – direkt und über soziale Medien.

3. Kulturwandel vorantreiben

Kontinuierliche Veränderung ist notwendig. Dafür muss man bereit sein, Geschäftsprozesse ständig auf den Prüfstand zu stellen.

4. Datenqualität sichern

Nicht die Menge an Daten ist entscheidend, sondern ihre Qualität und Verknüpfung. Mittelständler sollten nur Daten erheben, die sie benötigen.

5. Ressourcen bereitstellen

Digitale Transformation wird von Menschen vorangetrieben. Dafür muss ein Chef Ressourcen bereitstellen und Know-how aufbauen.

6. Kommunikation sicherstellen

Unternehmen, die in Silos strukturiert sind, werden bei der digitalen Transformation scheitern. Benötigt wird permanenter Austausch über Motive, Ansätze und Ziele.

7. Digitalisierungsstrategie verankern

Die digitale Strategie muss Bestandteil der Unternehmensstrategie sein, klar definiert und schriftlich festgehalten werden. So kann jeder Mitarbeiter nachlesen, welche Auswirkungen sie auf das Alltagsgeschäft hat.

8. Klare Verantwortlichkeit schaffen

Digitale Transformation braucht Führung. Hilfreich ist dabei ein Chief Digital Officer, der Stratege, Projektmanager, Impulsgeber und Change Manager ist.

9. Risiken im Auge behalten

Bei jeder Veränderung darf die Arbeit an betrieblichen Abläufen und internen Strukturen nicht den Blick auf den Kunden verstellen.

10. Flexibilität schaffen, Netzwerk pflegen

Digitale Geschäftsmodelle entwickeln sich oft rasant, das erschwert Planungen. Neben der Strategiearbeit ist ein gutes Netzwerk aus Kunden, Partnern und Zulieferern wichtig.

11. Reporting aufsetzen

Digitalisierung lässt sich messen. Um Chancen auszuschöpfen, ist ein Reporting für das ganze Unternehmen notwendig.

Zurück zu Kim: Sie ist der Chatbot der Marke Maggi, die zu Nestlé gehört. Entwickelt hat sie das Start-up Mercury.ai. Mitgründer Stefan Trockel arbeitete einst im Exzellenz-Cluster für kognitive Interaktionstechnologie an der Universität Bielefeld, anschließend in der Digitalstrategie bei Publicis Pixelpark. Zusammen mit ehemaligen Kollegen baute er schließlich 2015 einen einfachen Chatbot-Prototypen und stellte ihn auf dem Technologiefestivals South by Southwest in Austin vor.

„Damit sind wir dann herumgerannt und haben ihn allen möglichen Leuten unter die Nase gehalten. Das Feedback, unter anderem von Guy Kawasaki, war so gut, dass wir uns entschlossen haben, weiter zu machen.“ Mit dieser Bestätigung durch den einflussreichen Autor und Unternehmer aus dem Silicon Valley gründete das Team Mercury.ai. Der erste Kunde war bereits drei Monate später Nestlé.

Anders als viele andere Anbieter setzt Mercury.ai bei seinen Bots auf einen Technologiehybrid aus Computer-Linguistik und sogenanntem Machine Learning: „Wir haben keinen festgelegten Dialogbaum, aus dem der Bot seine Antworten nach einem festgelegten Muster wählt. Unser Ansatz ermöglicht es, dass der Bot auf Basis dessen, was der Kunde sagt und anhand von zugrundeliegenden Daten die bestmögliche Antwort oder Frage sendet." Ein dynamisches Gespräch, das die Nutzer lenken können, anders als bei vorgeschriebenen Dialogen.

Bot-Expertin: „Bumm, dann war der Chatbot tot“

Bot-Expertin

„Bumm, dann war der Chatbot tot“

Justine Cassell ist Professorin an der Carnegie Mellon University und Expertin für Künstliche Intelligenz. Im Interview spricht sie über den Einfluss von Bots, die ethischen Regeln für Maschinen und die Sesamstraße.

Der Israeli Yoav Barel hat den Chatbot Summit ins Leben gerufen. Er ist überzeugt: „Der Normalverbraucher weiß noch nicht über Chatbots. Aber in fünf Jahren werden wir sie mehr als Apps oder Webseiten nutzen.“ Für Barel ist klar, dass das auch die Strategie von Marken verändern werde: In Zukunft könnten Chatbots als Stilexperten oder Bankberater zum Einsatz kommen.

Das wird auch die Markenerfahrung verändern, ist Barel überzeugt: „Chatbots werden es viel einfacher machen, sich mit einer Marke zu verbinden. Vielmehr als über eine anonyme Telefonnummer.“ Kunden könnten auf Verbesserungen beim Service hoffen: „Wenn Dinge falsch laufen, will keiner zehn Minuten in einer Warteschlange hängen, noch nicht einmal eine.“. In fünf Jahren würden wir über diese Zustände nur noch lachen können.

Viele Unternehmen haben das schon verstanden: Arbeitet der Bot effektiv und schnell, können Kosten eingespart werden. So zeigt eine Studie von Infosys Consulting und Kantar TNS aus dem vergangenen Jahr, dass sogenannte Mehrfachkontakte – wenn etwa ein Problem nicht beim ersten Anruf gelöst werden kann – jährliche Kosten von einer Milliarde Euro für deutsche Kommunikationsanbieter verursachen. Zudem beabsichtige mehr als die Hälfte der betroffenen Kunden eine Kündigung. Zudem gilt: Jeder, der nicht bei der Servicehotline anruft, spart dem Unternehmen Kosten.

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