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09.10.2015

09:56 Uhr

Unternehmensdaten

Amazon wildert im Revier von SAP

VonAxel Postinett

Amazon gräbt SAP, IBM und Microsoft in ihren Kernbereichen das Wasser ab: Der Online-Händler will Firmen künftig alle relevanten Daten zur Unternehmensführung liefern – und bald auch die passenden Entscheidungen dazu.

Das Server-Geschäft wird für den Konzern zu einem immer wichtigeren Standbein. Reuters

Amazon-Chef Jeff Bezos

Das Server-Geschäft wird für den Konzern zu einem immer wichtigeren Standbein.

Las VegasGigabyte, Terabyte oder Petabyte: Schier unvorstellbare Datenmengen speichern Unternehmen heute irgendwo auf Computern, Servern, in Datencentern oder im Internet. Doch das alleine bringt ihnen gar nichts. Das Geheimnis sind Analyse und Auswertung der Daten zur Unternehmensführung. Ein Geschäft, „Business Intelligence“ genannt, mit dem Unternehmen wie IBM, Microsoft oder SAP Milliarden von Dollar und Euro verdienen.

Das soll das „Quicksight“ genannte Modul von AWS, der Internet-Tochter das Handelsriesen Amazon, bald für ein Zehntel der üblichen Preise erledigen, verspricht Matt Wood bei der Vorstellung der Technik.

Amazon : Ein Marktplatz für Exoten

Amazon

Ein Marktplatz für Exoten

Amazon gilt als Totengräber des Einzelhandels. Doch gerade findige Händler in der Provinz haben die Plattform als Erfolgsmodell für sich entdeckt. Je spezieller die Produkte, desto besser laufen die Geschäfte.

Quicksight spannt sich wie ein gigantischer Schirm über vielleicht Billionen von Daten, die irgendwo in der Firmen-Cloud eines Unternehmens bei Amazon liegen und vielleicht längst vergessen sind. Dann werden durch die Software Verbindungen zwischen den Daten gesucht und die Ergebnisse automatisch visuell in Balken-, Torten- oder Liniengrafiken aufbereitet. Erscheint etwas interessant, kann ein Nutzer immer tiefer in die Datenbestände eintauchen.

Ein Zugang für einen Mitarbeiter kostet ab neun Dollar pro Monat, verspricht Amazon. Und wichtiger noch: Die Nutzer brauchen dafür keinerlei IT-Kenntnisse. Es ist damit praktisch das erste Produkt, mit dem sich die Cloud-Firma nicht an Software-Entwickler wendet, sondern direkt an Vertriebsmitarbeiter, Produkt- oder Marketingverantwortliche.

Wie geht es weiter? Im Gespräch mit dem Handelsblatt stellte AWS-Chef Andy Jassy heraus, dass Quicksight eine Forderung der Kunden war. Und ein großes Interesse bestehe daneben auch an „Analytics“. Das ist grob gesagt der Überbegriff für die Unternehmensplanung auf Grundlage vorhersagender Datenanalyse. Mit anderen Worten: Als nächstes würde die Amazon-Cloud nicht nur die Daten durchsuchen und zeigen, sondern auch gleich noch empfehlen, was man damit machen könnte. Oder Analytics wird gleich eigenständig Maßnahmen ergreifen.

Amazon in Zahlen

Umsatz

88,99 Milliarden Dollar (2013: 74,45 Milliarden Dollar)

Ergebnis

241 Millionen Dollar Verlust (2013: 274 Millionen Dollar Gewinn)

Mitarbeiter

Rund 154.100 fest und zeitweise angestellte Beschäftigte. Die Zahl schwankt im Jahresverlauf deutlich mit Ausschlägen vor allem zum Weihnachtsgeschäft.

Märkte

62,33 Prozent der Erlöse machte Amazon 2014 im Heimatmarkt USA (Anteil 2013: 59,8 Prozent). In Deutschland gab es nach Umrechnung in US-Währung einen Jahresumsatz von 11,9 Milliarden Dollar (2013: 10,535 Milliarden Dollar).

Steuern

Amazon stellte 2014 laut Jahresbericht 167 Millionen Dollar für die Einkommensteuer zurück (2013: 161 Millionen Dollar)

Amazons Cloud-Industrie wächst massiv. „Unsere Runrate ist 7,3 Milliarden Dollar pro Jahr“, stellt Jassy fest. Die „Runrate“ beschreibt, wie das Jahresergebnis ausfallen würde, wenn das Ergebnis des vergangenen Quartals bis Jahresende unverändert fortgeschrieben wird. Aber Stillstand war noch nie Jassys Ziel. „Es wächst viel schneller als wir geplant haben und wir waren schon viel optimistischer als der Rest der Branche“, so der AWS-Chef.

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