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15.01.2013

04:56 Uhr

Unternehmenskrise

Dell tritt Gerüchten über Börsenabschied entgegen

Der PC-Hersteller Dell denkt nach einem US-Medienbericht darüber nach, sich von der Börse zurückzuziehen. Auch von Verkaufsplänen ist die Rede. Bei Dell kam der Bericht nicht gut an – an der Börse schon.

Dell - die große Marke hat ihren Glanz längst verloren. Reuters

Dell - die große Marke hat ihren Glanz längst verloren.

New YorkDer schwächelnde PC-Hersteller Dell führt Kreisen zufolge mit Finanzinvestoren Gespräche über einen möglichen Unternehmensverkauf. An den Beratungen seien auch Banken beteiligt, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Montag. Ein Dell-Sprecher nannte den Bericht Spekulation.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuerst berichtet, dass sich Dell von der Börse zurückziehen wolle. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die zuletzt arg gebeutelte Dell-Aktie schloss mit einem Plus von 13 Prozent und damit in der Nähe eines Acht-Monatshochs.

Die Beratungen würden mit Milliardär und Firmengründer Michael Dell geführt, der etwa 14 Prozent am Unternehmen besitzt, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Montag und bestätigten damit den Bericht von Bloomberg. Das „Wall Street Journal“ meldete, dass sich TPG und Silver Lake für eine Offerte zusammentun könnten. JPMorgan sei ebenfalls an den Verhandlungen beteiligt.

Laut „Wall Street Journal“ dauern die Gespräche seit zwei bis drei Monaten an. Eine Einigung sei in etwa sechs Wochen möglich. Dell wollte keine Stellung nehmen, nannte die Berichte Spekulation und Gerüchte.

Ein Buyout der Firma, die einen Wert von rund 19 Milliarden Dollar hat, wäre eines der größten Geschäfte seit langem. Analyst Angelo Zino von S&P Capital IQ hält es deswegen für unwahrscheinlich, wenn man „die schiere Größe von Dell betrachtet und wo die Aktie derzeit gehandelt wird“. Der Käufer würde enorme finanzielle Ressourcen benötigen.

Die Probleme bei Dell haben sich eingestellt, nachdem Michael Dell 2004 die Geschäfte an Kevin Rollins abgab. Zwar kehrte er im Januar 2007 wieder an die Spitze der Firma zurück, konnte das Ruder aber auch nicht schnell umdrehen. Dell hält etwa 15,7 Prozent der Anteile. Das große Aktienpaket macht einen Übernahmedeal einfacher.

Tablet-Markt: Apple gegen den Rest

iPad

Apple hat mit dem iPad die Nase vorn: 2012 dürfte der Konzern nach Einschätzung des IT-Marktforschungsunternehmens Gartner 73 Millionen Geräte abgesetzt haben – das entspricht einem Marktanteil von gut 61 Prozent. Endgültige Zahlen für das Gesamtjahr liegen allerdings noch nicht vor.

Android

Bei den Smartphones ist Android das mit Abstand am häufigsten installierte Betriebssystem, nicht jedoch bei den Tablets. Die verschiedenen Hersteller verkauften 2012 zusammen voraussichtlich 38 Millionen Geräte, ein Marktanteil von 32 Prozent. Darin ist das Kindle Fire von Amazon, auf dem eine modifizierte Android-Version zum Einsatz kommt, enthalten. Immerhin bedeutet das eine deutliche Steigerung: 2011 verkauften die Android-Hersteller nur 17 Millionen Geräte (29 Prozent Marktanteil).

Windows 8

Windows spielt bei den Tablet-Computern noch keine Rolle, doch das sollte sich mit dem Start von Windows 8 im Herbst 2012 ändern. Das neue Betriebssystem von Microsoft eignet sich auch für die Touch-Steuerung der mobilen Geräte. Gartner geht davon, dass der Software-Konzern und seine Partner 2012 rund fünf Millionen Tablets verkauften – das entspräche 4 Prozent Marktanteil.

Playbook

Blackberry spielt mit seinem Playbook kaum eine Rolle. 2011 verkaufte Hersteller RIM weniger als eine Million Geräte mit dem Betriebssystem QNX, 2012 dürften es 2,6 Millionen gewesen sein (2,2 Prozent). Ob ein Gerät mit dem neuen Betriebssystem Blackberry 10 herauskommt, ist derzeit noch nicht bekannt.

Dell – einst der weltgrößte PC-Hersteller – zählt zu den großen Verlierern der Umwälzungen in dem Geschäft. Die Verbraucher greifen lieber zu Smartphones und Tablets – ein Bereich, in dem Samsung und Apple dominieren und Dell bisher kaum etwas zu bieten hatte. Der weltweite Marktanteil von Dell sank im Weihnachtsquartal nach Zahlen der Marktforschungsfirma Gartner auf 10,2 Prozent von 12,2 Prozent ein Jahr zuvor. Der Absatz brach im Jahresvergleich um mehr als ein Fünftel ein.

Kontinuierlich verliert das 1984 gegründete Unternehmen Marktanteile an Hewlett Packard und Lenovo. Vor allem die Verkäufe an Privatkunden hinken, da diese klassische PCs zunehmend mit Smartphones und Tablet-Computern ersetzen. Deswegen versucht sich Dell seit einiger Zeit neu zu erfinden - als Anbieter von Dienstleistungen mit hohen Margen und Computern für Unternehmenskunden. Dieser Wandel benötigt jedoch Zeit.

Das schlägt sich auch in den Geschäftszahlen nieder. In dem Anfang November abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal fiel der Umsatz um elf Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn halbierte sich im Jahresvergleich auf 475 Millionen Dollar. Die Zahlen fielen noch deutlich schlechter aus als Analysten befürchtet hatten. Einzig das Geschäft mit Servern – leistungsstarken Firmenrechnern – konnte zulegen.

Kommentare (2)

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CatieChiung

15.01.2013, 00:20 Uhr

Der Verkauf von PCs läuft nicht wegen den Tablets schleppend, sondern weil es keine neuen Innovationen indem Bereich gibt, da ist es kein Wunder das nichts neues gekauft wird, da das alte genauso Leistungsfähig ist wie das neue. Das Dell eigendlich für die Industrie Computer Herstellt wird hier denk ich mal bewusst außenvor gelassen um einfach irgendetwas hinzuschreiben. Klar hat Dell eine Krise aber nicht wegen Tablets und Smarthpones. Einzig die Notebooksparte ist davon betroffen, die aber längst nicht die großen teile des Unternehmens darstellen. Das größte Problem was Dell hat ist die schlechte Vermarktung und vorallen der schlechte Service, wodurch Unternehmen zu anderen Herstellern gegriffen haben, zumal diese deutlich günstiger sind.

blockstone

15.01.2013, 10:49 Uhr

Stimme ich zu,Das DELL-Konzept ist schon längst veraltet und hätte schon längst der neuen Zeit angepasst werden müssen. Wenn Dell sich wirklich noch retten möchte,dann sollte es diese, nennen wir sie Reformen, schnellstens in Angriff nehmen.

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