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28.03.2013

14:02 Uhr

Unternehmenszahlen

Blackberry spart sich in die Gewinnzone

Überraschung bei Blackberry: Dank eines strikten Sparkurses kann der angeschlagene Smartphone-Pionier einen Gewinn verbuchen. Doch zurück zu alter Stärke ist es noch ein weiter Weg.

Die Hoffnung des angeschlagenen Smartphone-Herstellers, das Blackberry Z10 ap

Die Hoffnung des angeschlagenen Smartphone-Herstellers, das Blackberry Z10

Waterloo/TorontoEin strikter Sparkurs hat den angeschlagenen Smartphone-Pionier Blackberry vor neuerlichen Verlusten bewahrt. Das vom deutschen Manager Thorsten Heins geführte Unternehmen konnte im vierten Geschäftsquartal (bis Anfang März) einen Gewinn von unterm Strich 98 Millionen US-Dollar (77 Mio. Euro) erwirtschaften. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Minus von 125 Millionen Dollar aufgelaufen. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem zum Vorjahreszeitraum eingedämmten, aber immer noch deutlichen Fehlbetrag gerechnet.

Dennoch hat Blackberry noch einen weiten Weg vor sich hin zu alter Stärke. Der Umsatz sank im Quartal, und zwar um satte 36 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar.

„Wir haben zahlreiche Änderungen über das vergangene Jahr bei Blackberry vorgenommen“, erklärte Heins am Donnerstag am Firmensitz im kanadischen Waterloo. Er strich unter anderem 5000 von einst 16 500 Stellen. Dadurch konnte er die Kosten massiv senken und so den Verkaufsrückgang abfedern. Weil viele Kunden auf Apples iPhone oder Android-Smartphones umgeschwenkt sind, brach der Umsatz um 44 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar ein.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

Smartphone-Modelle mit dem neuen Betriebssystem Blackberry 10 sollen nun die Wende bringen. Heins hatte Ende Januar das Blackberry Z10 mit berührungsempfindlichem Bildschirm und das Q10 mit der klassischen Blackberry-Tastatur vorgestellt. Entwickler und Mobilfunkanbieter bewerten das Gerät bislang gut. Der Verkauf in wichtigen Märkten wie den USA ist aber erst kürzlich angelaufen, weshalb sich das Unternehmen im vergangenen Quartal weitgehend auf die alten Typen stützen musste. Vom Z10 lieferte Blackberry 1 Million Stück aus, von den Vorgängermodellen 5 Millionen. Zum Vergleich: Apple verkaufte im Schlussquartal 47,8 Millionen iPhones, für Samsung wird der Smartphone-Absatz auf rund 63 Millionen Stück geschätzt.

„Leit-Artikel“ Blackberry Z10: Ein Blackberry auf dem Apple-Weg

„Leit-Artikel“ Blackberry Z10

Ein Blackberry auf dem Apple-Weg

Das neue Blackberry Z10 soll nicht nur die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen.

Am Markt kamen die Zahlen unterschiedlich an. Im vorbörslichen Handel an der US-Börse schossen die Aktien zunächst fast zehn Prozent in die Höhe, drehten dann aber fast vier Prozent ins Minus. Daran änderte auch die Aussage nichts, dass sich der Konzern im laufenden ersten Quartal dank Kostensenkungen, einer verbesserten Lieferkette und höheren Margen für seine Geräte an der Gewinnschwelle bewegen werde.

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