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06.02.2015

10:50 Uhr

Unterseekabel-Sparte

Alcatel-Lucent treibt Börsengang seiner Tochter voran

Der französische Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent kommt dem Börsengang seiner Unterseekabel-Tochter näher. Der Konzern plant die zweite Jahreshälfte an. Derweil spart das Unternehmen fleißig weiter.

Der harte Sparkurs des Unternehmens zeigt bereits Wirkung. Auch beim Börsengang der Tochter geht es voran. Reuters

Alcatel-Lucent-Chef Michel Combes

Der harte Sparkurs des Unternehmens zeigt bereits Wirkung. Auch beim Börsengang der Tochter geht es voran.

ParisDer französische Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent peilt für den geplanten Börsengang seines Untersee-Kabelgeschäfts die zweite Jahreshälfte an. Das Unternehmen sei mit den IPO-Vorbereitungen auf Kurs, sagte Konzernchef Michel Combes am Freitag. Das Orderbuch für die Neu-Emission fülle sich.

Auch das Sanierungsprogramm des Pariser Konzerns verlaufe nach Plan. So habe der Sparkurs, der von einem Stellenabbau bis hin zum Immobilienverkauf reicht, im vierten Quartal Wirkung gezeigt: Die Gewinnspanne erhöhte sich auf 34,7 Prozent von 33,4 Prozent ein Jahr zuvor. Trotz eines deutlichen Geschäftsrückgangs auf seinem Kernmarkt Nordamerika habe der Konzern zudem die Erwartungen der Analysten an die Quartalszahlen erfüllt.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Wie erwartet sank der Umsatz im Schlussquartal um sechs Prozent auf 3,68 Milliarden Euro, der operative Gewinn verringerte sich um drei Prozent auf 284 Millionen Euro. Das auch in Deutschland aktive Unternehmen konkurriert vor allem mit Ericsson aus Schweden, Huawei aus China und Nokia aus Finnland.

Von

rtr

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