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12.11.2014

13:28 Uhr

Unzufriedene Aktionäre

Yahoo-Investoren drängen auf Fusion mit AOL

Die Aktionäre vom E-Mail- und Suchmaschinen-Anbieter Yahoo machen sich weiter stark für eine Fusion mit AOL. AOL-Chef Tim Armstrong räumt einem solchen Deal allerdings nur wenig Chancen ein.

Yahoo hat in letzter Zeit eine Reihe aufstrebender Internet-Firmen übernommen, um junge Nutzer anzulocken. dpa

Yahoo hat in letzter Zeit eine Reihe aufstrebender Internet-Firmen übernommen, um junge Nutzer anzulocken.

New YorkUnzufriedene Yahoo-Aktionäre drängen immer stärker auf eine Fusion mit AOL. Kürzlich wurden mindestens zwei der zehn größten Investoren von Yahoo direkt bei AOL-Chef Tim Armstrong vorstellig, um Möglichkeiten für einen Zusammenschluss der beiden ins Hintertreffen geratenen Internetpioniere auszuloten.

Armstrong sehe zwar die Vorteile, sagten die Investoren der Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings habe der AOL-Chef einem solchen Deal keine großen Chancen eingeräumt, betonten beide Großaktionäre sowie zwei Insider. Er habe angedeutet, solche Schritte nur in gegenseitigem Einvernehmen zu erwägen. Beide Konzerne wollten sich nicht dazu äußern. Erst im September war der Finanzinvestor Starboard bei Yahoo eingestiegen und hatte eine Fusion mit AOL gefordert.

Yahoo - Einmal Star und zurück

Ein Katalog fürs Internet

Als immer mehr Menschen online gingen, sorgt Yahoo für Orientierung: Das Unternehmen, 1994 von den Stanford-Doktoranden Jerry Yang und David Filo gegründet, führte in seinen Anfangsjahren einen Katalog mit interessanten Webseiten. Die Einträge erstellten zunächst nicht Suchroboter, wie es heute üblich ist, sondern Menschen. Um die Suche baute Yahoo bald ein Portal mit weiteren Diensten auf.

Profiteur des Dotcom-Booms

Bereits 1996, zwei Jahre nach der Gründung, ging Yahoo an die Börse. In den folgenden Jahren gehörte die Firma zu den Lieblingen der Anleger, der Aktienkurs stieg auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms auf den Höchstkurs von 119 Dollar. Als die Blase platzte, brachen jedoch auch die Werbeeinahmen ein – und der Kurs stürzte auf gut 8 Dollar ab.

Zu zweit gegen Google

Allein kamen Yahoo und Microsoft nicht gegen den Suchmaschinen-Riesen Google an – also taten sie sich 2009 zusammen. Seitdem nutzt Yahoo etwa die Suchmaschinen-Technologie von Microsoft („Bing“). Die Werbeumsätze teilen sich die Unternehmen. Echte Konkurrenz machen die beiden dem Primus aber auch gemeinsam nicht. Zuvor hatte Microsoft versucht, Yahoo komplett zu übernehmen, allerdings vergeblich.

Profitables Engagement in China

2005 beteiligte sich Yahoo am chinesischen Web-Portal Alibaba. Von dieser Partnerschaft profitiert das US-Unternehmen bis heute: Mit dem Verkauf von Anteilen nahm es 2012 4,3 Milliarden Dollar ein. Sollte Alibaba wie erwartet an die Börse gehen, könnte Yahoo weitere Milliarden erlösen.

Konzern ohne Führung

2007 stieg Yahoo-Mitgründer Jerry Yang zum CEO auf. Doch er hatte kein glückliches Händchen und übergab die Geschäfte bereits ein Jahr später an Carol Bartz. Die Saniererin eckte jedoch mit ihrer burschikosen Art so an, dass der Verwaltungsrat sie feuerte. Es folgten drei Kurzzeit- oder Interims-Chefs bis 2012 die langjährigere Google-Managerin Marissa Mayer die Geschäfte übernahm.

Marissa Mayer übernimmt

Es war ein Coup: Im Juli 2012 vermeldete Yahoo, dass die prominente Google-Managerin Marissa Mayer neue Chefin wird. Die wirbelte das Unternehmen in den ersten Monaten kräftig durcheinander, übernahm diverse Startups und sorgte auch sonst für Schlagzeilen. Die Schwäche im Kerngeschäft mit Anzeigen – vor allem Bannern – konnte sie aber nicht abstellen.

Mail, Suche, Nachrichten

Yahoo hat monatlich mehr als 700 Millionen Nutzer. Zu den beliebtesten Angeboten des Konzerns gehören Nachrichten, Suchmaschine und der E-Mail-Dienst. Eine treue Fangemeinde hat auch der Fotodienst Flickr. Zudem übernahm Yahoo 2013 für 1,1 Milliarden Dollar die Blogging-Plattform Tumblr, deren Community rasant wächst.

Altavista, Delicious, Alltheweb

Viele Dienste stellte Yahoo über die Jahre wieder ein, etwa die Suchmaschinen Altavista und Alltheweb. Den Social-Bookmarking-Dienst Delicious verkaufte das Unternehmen 2011 wieder.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer versucht seit zwei Jahren, den einst führenden E-Mail- und Suchmaschinen-Anbieter wieder auf Vordermann zu bringen. Dazu hat der Konzern eine Reihe aufstrebender Internet-Firmen übernommen, um stärker junge Nutzer anzulocken und das schwächelnde Werbegeschäft genauer auszurichten. Neuster Zukauf ist der Video-Werbedienst BrightRoll, für den Yahoo nach Angaben von Dienstag 640 Millionen Dollar auf den Tisch legt.

Zuletzt wurde die Kritik am Kurs von Mayer lauter. Starboard und andere Investoren warfen ihr vor, zu viel Geld für Übernahmen und den Konzernumbau auszugeben. Sie sind der Meinung, dass eine Fusion mit AOL im Konkurrenzkampf mit Google und Facebook sinnvoller sei. Auch zwei AOL-Großktionäre sprachen kürzlich mit Armstrong darüber und machten Einsparungen von insgesamt 1,5 Milliarden Dollar aus. Starboard will zudem erreichen, dass Yahoo Beteiligungen in Asien zu Geld macht.

Yahoos Börsenwert liegt bei etwa 47 Milliarden Dollar. Alleine der Anteil am chinesischen Online-Händler Alibaba beläuft sich aber auf 44 Milliarden. Der aktuelle Aktienkurs bewerte damit das eigentliche Geschäft von Yahoo nicht ausreichend, kritisieren Anleger.

Von

rtr

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