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18.03.2014

16:27 Uhr

Urteil gegen Unternehmer

Elf Monate auf Bewährung für Telekom-Spitzel

Im Auftrag des Ex-Telekom-Sicherheitschefs hatte er ausgespähte Daten von Journalisten und Aufsichtsräten ausgewertet: Vor Gericht kommt ein Unternehmer dafür mit einer Bewährungsstrafe davon. Im Prozess zeigte er Reue.

Die Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn. Der Angeklagte habe geglaubt, der Telekom zu helfen, geheimen Informanten auf die Spur zu kommen. dpa

Die Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn. Der Angeklagte habe geglaubt, der Telekom zu helfen, geheimen Informanten auf die Spur zu kommen.

BonnIm wohl letzten Verfahren der Telekom-Spitzelaffäre ist ein Berliner Geschäftsmann zu elf Monaten Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Bonn sprach ihn am Dienstag der Beihilfe zum Verstoß gegen das Fernmeldegesetz sowie zum Verstoß gegen das Datenschutzgesetz für schuldig. Der Mann hatte eingeräumt, mit seiner Berliner Firma illegal ausspionierte Telefondaten von Journalisten und Aufsichtsratsmitgliedern ausgewertet zu haben. Das Verfahren war vom mittlerweile abgeschlossenen Hauptverfahren abgetrennt und vorübergehend eingestellt worden, weil der Mann zunächst für verhandlungsunfähig befunden worden war.

Er bereue sein Verhalten, erklärte der Angeklagte. Am Anfang habe er geglaubt, der Telekom zu helfen, geheimen Informanten auf die Spur zu kommen. Dann aber sei die Sache gekippt.

Für seine Tätigkeit wurden dem Geschäftsmann von dem bereits verurteilten früheren Sicherheitschef der Telekom, der ihm den Auftrag erteilte, knapp 700 000 Euro bezahlt. Der Sicherheitschef hatte 2005 und 2006 Journalisten und Aufsichtsräte ausspähen lassen. So wollte er herausfinden, wie vertrauliche Unternehmensdaten an die Öffentlichkeit gelangten. Von den Spähaktionen waren damals insgesamt 40 bis 60 Personen betroffen.

Fakten zur Telekom

Spitzenreiter in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro eines der größten europäische Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 220.000 Mitarbeiter. Größte Tochter mit mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz ist Telekom Deutschland. Außerdem ist die Deutsche Telekom in 12 weiteren Ländern vertreten.

Ein Erbe der Bundespost

Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost. Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1990 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

Ein Global Player ...

Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Heute ist die Deutsche Telekom in 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

... mit Hoffnung auf die USA

T-Mobile US tat sich gegen die Marktführer AT&T und Verizon lange schwer. Seit dem Zusammenschluss mit dem Wettbewerber MetroPCS und unter der Führung des CEOs John Legere, ist die Kundenzahl wieder deutlich gewachsen, der Umsatz ebenso. Allerdings stehen auch hohe Investitionen an.

Der Sicherheitschef war als Hauptangeklagter bereits im November 2010 vom Landgericht Bonn wegen Verletzung des Fernmeldegeheimnisses, Untreue und Betrugs zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil im Dezember 2012 bestätigt. Ermittlungsverfahren gegen den früheren Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und den Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel waren vor Prozessbeginn eingestellt worden, weil es laut Staatsanwaltschaft gegen sie keinen Tatverdacht gab.

Von

dpa

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