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18.06.2013

13:42 Uhr

US-Behördenanfragen

Yahoo veröffentlicht Zahlen zu Nutzerdaten

Die Furcht vor dem Vertrauensverlust der Nutzer bleibt groß: Nach Facebook, Microsoft und Apple hat nun auch Yahoo Zahlen zum Ausmaß der Anfragen von US-Behörden veröffentlicht – allerdings nur in begrenztem Umfang.

Das Firmenlogo von Yahoo vor dem Sitz in Kalifornien. ap

Das Firmenlogo von Yahoo vor dem Sitz in Kalifornien.

BerlinNach anderen Internetfirmen hat auch Yahoo Zahlen zu Anfragen amerikanischer Behörden nach Nutzerdaten veröffentlicht. Von Dezember 2012 bis Ende Mai dieses Jahres habe das Unternehmen zwischen 12.000 und 13.000 Anfragen erhalten, schrieben Yahoo-Chefin Marissa Mayer und Rechtsberater Ron Bell in einem Firmenblog. Dazu zählen nach ihren Angaben auch Anfragen von Polizeibehörden, die in Mord- oder Betrugsfällen ermitteln, ebenso wie Anträge nach dem Auslandsspionage-Gesetz FISA.

„Wie alle Firmen darf Yahoo aus rechtlichen Gründen die Anzahl der FISA-Anfragen nicht separat kenntlich machen, weil deren Zahl der Geheimhaltung unterliegt“, schreiben Mayer und Bell. „Allerdings ermutigen wir die US-Regierung nachdrücklich, ihren Standpunkt in dieser Sache zu überdenken.“

Fragen und Antworten zu PRISM

Bekommen US-Geheimdienste Informationen von Internet-Unternehmen?

Ja, und das ist auch seit Jahren bekannt. Nach dem „Patriot Act“ können Behörden mit Gerichtsbeschluss Zugang zu Informationen bekommen. Das neue an den Berichten über ein Programm Namens „PRISM“ wäre der freie Zugang zu den Servern von Google, Facebook & Co. statt eines punktuellen Zugriffs. Sowohl die Regierung als auch die Unternehmen weisen dies zurück. Laut US-Geheimdienstkoordinator James Clapper ist „PRISM“ nur ein internes Computersystem der Behörden.

Die US-Regierung betont, dass die Überwachung und die Verwendung der Daten strikt überwacht werden, von wem?

Die Abläufe bleiben komplett im geheimen Bereich. Die Geheimdienstanfragen nach Nutzerdaten müssen zwar von einem Gericht bewilligt werden - aber es ist ein speziell dafür geschaffenes Gericht mit elf Richtern. Die Anfragen sind so geheim, dass die Unternehmen selbst über ihre Existenz schweigen müssen.

Gibt es Anhaltspunkte dafür?

Die „New York Times“ zitierte am Wochenende einen Juristen „einer Technologiefirma“, der berichtete, wie die NSA einen Agenten ins Hauptquartier des Unternehmens abkommandiert habe, um den Verdächtigen in einem Cyberangriff zu überwachen. Der Agent habe von der Regierung entwickelte Software auf dem Server installiert und sei für mehrere Wochen geblieben, um Daten in ein Notebook der Agentur herunterzuladen. In anderen Fällen fordere die NSA Echtzeitdaten an, die dann digital übermittelt würden.

Könnte der Geheimdienst sehen, wie Ideen beim Tippen entstehen?

Das muss kein Widerspruch sein. Der amerikanische Journalist und Geheimdienstexperte Marc Armbinder beschreibt das Funktionieren des „PRISM“-Systems so: Zum Beispiel könnte Facebook die Anordnung bekommen, Informationen über alle Profile aus Abbottabad in Pakistan herauszurücken, angenommen, es gibt 50 davon. „Diese Accounts werden ständig aktualisiert. Also erstellt Facebook eine „Spiegel“-Version der Inhalte, zu der nur die NSA Zugang hat. Die ausgewählten Profile werden in Echtzeit sowohl auf dem Facebook-Server als auch auf dem gespiegelten Server aktualisiert. "PRISM" ist das Werkzeug, das das alles zusammenbringt.“

Könnte die NSA Daten auch ohne Kooperation bekommen?

Absolut. Und Zunger beschreibt eine Möglichkeit dafür: Sie könnten den Datenstrom bei den Anbietern von Internet-Zugängen abgreifen und Datenpakete mit Bezug zum Beispiel zu Facebook oder Google herausfiltern.

Wie glaubwürdig sind die Dementis der Internet-Konzerne?

Sie sind ähnlich formuliert und beziehen sich auf einen „direkten Zugriff“ auf Server der Unternehmen. Zugleich klingen einige davon auch sehr persönlich und aufrichtig. So versicherte der Chefentwickler des Online-Netzwerks Google+, Yonathan Zunger, er würde kündigen, wenn er davon Wind bekäme. Und er sei in einer Position bei Google, in der er eine so groß angelegte Spionageaktion eigentlich hätte mitkriegen müssen. Zunger ist offen in seiner „Abscheu“ für die NSA: „Wir haben nicht den Kalten Krieg geführt, damit wir die Stasi nachbauen können“.

Zuvor hatten bereits Facebook, Microsoft und Apple erste Zahlen zum Ausmaß der geheimen Anfragen veröffentlicht. Yahoo gab im Gegensatz zu ihnen nicht an, wie viele Kunden-Konten betroffen waren.

Die Zeitungen „Guardian“ und „Washington Post“ hatten geheime Papiere veröffentlicht, die auf eine weitreichende Internet-Überwachung durch den Spionage-Dienst NSA hinweisen; die Konzerne werden als Teilnehmer eines Programms mit dem Namen „PRISM“ genannt. Die Firmen bestreiten vehement, dass die NSA einen direkten Zugang zu ihren Servern habe. Man übergebe Informationen nur auf einzelne Gerichtsanordnungen hin, betonen sie.

Von

dpa

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