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15.08.2013

23:44 Uhr

US-Computerbauer

Dell muss Gewinneinbruch hinnehmen

Über die Zukunft des drittgrößten PC-Bauers Dell herrscht weiter Ungewissheit. Michael Dell will das Unternehmen zurückkaufen, Großaktionär Icahn verlangt einen höheren Preis. Unterdessen schmilzt der Gewinn.

Die Schwäche auf dem PC-Markt hat dem Computerbauer Dell einen Gewinneinbruch im zweiten Quartal eingebrockt. Reuters

Die Schwäche auf dem PC-Markt hat dem Computerbauer Dell einen Gewinneinbruch im zweiten Quartal eingebrockt.

Round RockMitten in der tobenden Übernahmeschlacht schmilzt der Gewinn von Dell dahin. Im zweiten Geschäftsquartal (bis Anfang August) verdiente der US-Computerbauer unterm Strich 204 Millionen Dollar (154 Mio Euro) und damit 72 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bereits im Vierteljahr zuvor hatte die Nummer drei der PC-Branche einen Gewinneinbruch erlebt. Ein Grund sind Preisnachlässe.

Es sei ein „herausforderndes Umfeld“, erklärte Finanzchef Brian Gladden am Donnerstag am Firmensitz im texanischen Round Rock. Privatkunden steigen auf Tablet-Computer um oder begnügen sich mit ihrem Smartphone, anstatt einen neuen Laptop anzuschaffen. Dank besser laufender Geschäfte mit Firmenkunden konnte Dell den Umsatz letztlich stabil halten bei 14,5 Milliarden Dollar.

Wegen des rasanten Wandels in der Branche will Konzernchef Michael Dell die 1984 von ihm gegründete Firma mit Hilfe des Finanzinvestors Silver Lake zurückkaufen und von der Börse nehmen. Ohne Rücksicht auf andere Aktionäre könnte er dann den Umbau beschleunigen. Schon heute setzt Dell verstärkt auf Dienstleistungen für Firmenkunden sowie auf spezielle Software-Angebote.

Doch Großaktionäre unter der Führung des unbequemen Investors Carl Icahn kritisieren den gebotenen Preis als zu niedrig. Icahn dringt stattdessen unter anderem auf eine hohe Sonderdividende. Michael Dell sah sich zuletzt gezwungen, das Angebot leicht zu erhöhen. Er bietet nun pro Aktie 13,75 Dollar plus einer Sonderdividende von 0,13 Dollar. Damit liegt das Gesamtangebot bei 13,88 Dollar nach ursprünglich 13,65 Dollar je Anteilsschein.

Die Geschichte von Dell

Firmengründung

Michael Dell gründet seine erste Firma 1984 – da ist er gerade 19 Jahre alt und bereitet sich auf ein Medizinstudium in Austin im US-Bundesstaat Texas vor. PC's Limited baut Computer zusammen, die die Kunden – Firmen und Bastler – selbst konfigurieren können. Nach einem Jahr bricht der Jungunternehmer die Uni ab und macht sich mit einem Zuschuss der Familie selbständig.

Erster Computer

1985 gestaltet die Firma ihren ersten eigenen Computer, den Turbo PC. Er hat einen acht Megahertz schnellen Intel-Prozessor und eine Zehn-Megabyte-Festplatte an Bord, außerdem ein Floppy-Laufwerk für 5,25-Zoll-Disketten. Michael Dell verkauft die Geräte direkt an die Nutzer – in Fachmagazinen wirbt er mit niedrigen Preisen. Bestellt wird per Telefon.

Börsengang

Der Direktverkauf zieht dank niedriger Preise viele Kunden an – die Firma wächst rasant und geht bereits 1988 unter dem Namen Dell Computer an die Börse. Sie sammelt 30 Millionen Dollar ein und wird mit 85 Millionen Dollar bewertet.

Erstes Laptop

Das erste Laptop der Firma Dell kommt 1989 auf den Markt: Das 316LT wiegt rund 6,8 Kilogramm. Bei den bald sehr populären mobilen Rechnern setzen allerdings zunächst andere Hersteller die Trends.

Vertrieb übers Internet

Als eines der ersten Unternehmen nutzt Dell die Möglichkeiten des World Wide Web, bereits 1996 geht die Website dell.com online. Schon bald macht die Firma damit ordentliche Umsätze.

Die Nummer 1

Anfang des Jahrtausends macht Dell alles richtig: Die Lieferkette ist schlank, der Vertrieb effizient. Im Jahr 2000 ist Dell der größte PC-Hersteller der Welt. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Konkurrenz dazulernt.

Der Gründer tritt ab und kehrt zurück

2004 zieht sich Michael Dell aus dem operativen Geschäft der Firma zurück. Den Chefposten übernimmt Kevin Rollins. Er hat allerdings wenig Glück: Die Resultate enttäuschen. 2007 muss er gehen – und Gründer Michael Dell kehrt an die Spitze zurück.

Der Konsument im Fokus

Der neue alte Chef versucht, attraktive Geräte für Verbraucher zu entwickeln. Zudem verkauft Dell seine Rechner nun auch im Einzelhandel – allerdings zulasten der Marge. Im Wettbewerb mit Hewlett-Packard, Apple und etlichen asiatischen Anbietern verliert Dell allerdings immer mehr an Boden. Den Trend zu Smartphones und Tablets verschläft Dell fast komplett.

Vorstoß ins Service-Geschäft

Um sich breiter aufzustellen, kauft Dell mehrere Anbieter von IT-Dienstleistungen. So übernimmt der Konzern 2009 Perot Systems für 3,9 Milliarden Dollar.

Unklar ist, wem die jetzigen Geschäftsergebnisse in die Hände spielen: Auf der einen Seite kann sich Michael Dell in seiner Meinung bestätigt fühlen, dass PC-Verkäufe weiter bröckeln. Auf der anderen Seite kann Carl Icahn die Stärke des Firmenkundengeschäfts als Beleg dafür hernehmen, dass der gebotene Preis zu niedrig sei.

Das letzte Wort bei dem insgesamt knapp 25 Milliarden Dollar schweren Geschäften haben nun die Aktionäre auf einer Versammlung am 12. September. Der Termin für die Abstimmung wurde wegen der Scharmützel allerdings schon mehrfach verschoben. Die Aktie pendelte nachbörslich nur wenige Cent um ihren Schlusskurs von 13,70 Dollar.

Der Marktforscher IDC hatte errechnet, dass die PC-Verkäufe im zweiten Quartal um 11 Prozent gefallen waren. Die Experten erwarten aber, dass sich die Lage im zweiten Halbjahr bessert. Angesichts des Übernahmekampfs gibt Dell selbst keinen Ausblick auf das laufende Geschäft. Das Management stand auch nicht wie üblich in einer Telefonkonferenz den Analysten für Nachfragen zur Verfügung.

Von

dpa

Kommentare (1)

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werner

16.08.2013, 01:50 Uhr

man kann nur hoffen,dass alle us-compurtfirmen pleite gehen,da die wissentlich und willentlich als handlanger der us-regierung ihre geraete,mit schnueffel software und hardware fuer den ungehinderten zugang in die wohnzimmer der verbraucher verkauft haben und weiter verkaufen wollen.kauft nicht mehr beim ami

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