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11.09.2013

20:32 Uhr

US-Computerbauer

Dells Kreditwürdigkeit nur noch Ramschniveau

Dell hat unter sinkenden Verkaufszahlen zu leiden. Um gleich vier Stufen hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit des US-Computerbauers abgestuft. Analysten rechnen mit massiver Neuverschuldung.

Anhaltender Preisdruck und sinkende Verkaufszahlen machen dem Computerhersteller Dell zu schaffen. dpa

Anhaltender Preisdruck und sinkende Verkaufszahlen machen dem Computerhersteller Dell zu schaffen.

New YorkEinen Tag vor der Abstimmung über den Rückkauf von Dell muss der US-Computerbauer einen Dämpfer einstecken. Die führende Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit des Unternehmens gleich um vier Stufen auf „BB-“ herab. Börsianer sprechen von einem Ramschniveau - einer hochspekulativen Anlage.

S&P-Analystin Martha Toll-Reed begründete die Abstufung am Mittwoch mit einem „anhaltenden Preisdruck und abnehmenden Verkaufszahlen bei PCs“. Zudem fürchtet sie, dass durch die Übernahme von Dell die Verschuldung massiv ansteigt. Damit könnte Dell weniger Geld etwa für Neuentwicklungen zur Verfügung stehen.

Gründer und Firmenchef Michael Dell will das Unternehmen zusammen mit einem Finanzinvestor kaufen, von der Börse nehmen und umbauen. Die entscheidende Abstimmung der Aktionäre findet an diesem Donnerstag statt. Investoren wie der streitbare Carl Icahn halten den gebotenen Gesamtpreis von knapp 25 Milliarden Dollar für zu niedrig.

Die Geschichte von Dell

Firmengründung

Michael Dell gründet seine erste Firma 1984 – da ist er gerade 19 Jahre alt und bereitet sich auf ein Medizinstudium in Austin im US-Bundesstaat Texas vor. PC's Limited baut Computer zusammen, die die Kunden – Firmen und Bastler – selbst konfigurieren können. Nach einem Jahr bricht der Jungunternehmer die Uni ab und macht sich mit einem Zuschuss der Familie selbständig.

Erster Computer

1985 gestaltet die Firma ihren ersten eigenen Computer, den Turbo PC. Er hat einen acht Megahertz schnellen Intel-Prozessor und eine Zehn-Megabyte-Festplatte an Bord, außerdem ein Floppy-Laufwerk für 5,25-Zoll-Disketten. Michael Dell verkauft die Geräte direkt an die Nutzer – in Fachmagazinen wirbt er mit niedrigen Preisen. Bestellt wird per Telefon.

Börsengang

Der Direktverkauf zieht dank niedriger Preise viele Kunden an – die Firma wächst rasant und geht bereits 1988 unter dem Namen Dell Computer an die Börse. Sie sammelt 30 Millionen Dollar ein und wird mit 85 Millionen Dollar bewertet.

Erstes Laptop

Das erste Laptop der Firma Dell kommt 1989 auf den Markt: Das 316LT wiegt rund 6,8 Kilogramm. Bei den bald sehr populären mobilen Rechnern setzen allerdings zunächst andere Hersteller die Trends.

Vertrieb übers Internet

Als eines der ersten Unternehmen nutzt Dell die Möglichkeiten des World Wide Web, bereits 1996 geht die Website dell.com online. Schon bald macht die Firma damit ordentliche Umsätze.

Die Nummer 1

Anfang des Jahrtausends macht Dell alles richtig: Die Lieferkette ist schlank, der Vertrieb effizient. Im Jahr 2000 ist Dell der größte PC-Hersteller der Welt. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Konkurrenz dazulernt.

Der Gründer tritt ab und kehrt zurück

2004 zieht sich Michael Dell aus dem operativen Geschäft der Firma zurück. Den Chefposten übernimmt Kevin Rollins. Er hat allerdings wenig Glück: Die Resultate enttäuschen. 2007 muss er gehen – und Gründer Michael Dell kehrt an die Spitze zurück.

Der Konsument im Fokus

Der neue alte Chef versucht, attraktive Geräte für Verbraucher zu entwickeln. Zudem verkauft Dell seine Rechner nun auch im Einzelhandel – allerdings zulasten der Marge. Im Wettbewerb mit Hewlett-Packard, Apple und etlichen asiatischen Anbietern verliert Dell allerdings immer mehr an Boden. Den Trend zu Smartphones und Tablets verschläft Dell fast komplett.

Vorstoß ins Service-Geschäft

Um sich breiter aufzustellen, kauft Dell mehrere Anbieter von IT-Dienstleistungen. So übernimmt der Konzern 2009 Perot Systems für 3,9 Milliarden Dollar.

Je schlechter ein Rating ausfällt, desto mehr Zinsen müssen Unternehmen üblicherweise für neue Kredite zahlen. Denn für die Geldgeber signalisiert eine schlechtere Note, dass die Gefahr steigt, ihr Geld zu verlieren. S&P stufte den Ausblick als „stabil“ ein, damit droht zunächst keine weitere Abstufung.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

11.09.2013, 21:01 Uhr

Seid wann spekulieren die Ratingagenturen über die Zukunft ihrer Kunden? Das ist nicht deren Job. Die sollen auf Faktenbasis arbeiten und nicht wetten. Wo sonst war deren Blick bei Lehmann's Untergang? Oder den strukturierten Produkten etc.

Ein sehr schönes Beispiel, warum auf diesen amerikanischen Firlefanz von Moodys, Standard und Co nichts gegeben werden darf.

Account gelöscht!

11.09.2013, 22:38 Uhr

Recht gesprochen!

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