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29.03.2013

14:27 Uhr

US-Internethändler

Amazon kauft Spezialisten für Buchempfehlungen

„Treffen Sie ihr nächstes Lieblingsbuch“, verspricht die US-Website Goodreads. Der Handelsgigant Amazon hat das Netzwerk für Lesefreunde jetzt übernommen — und will damit die eigenen Produktempfehlungen optimieren.

Deutsches Versandzentrum von Amazon: Gründer von Goodreads entstammt einer großen US-Verlegerfamilie. dpa

Deutsches Versandzentrum von Amazon: Gründer von Goodreads entstammt einer großen US-Verlegerfamilie.

SeattleAmazon will seinen Kunden mit einem Zukauf das Entdecken passender Bücher erleichtern. Der weltgrößte Online-Einzelhändler übernimmt dafür die Plattform Goodreads, einen Spezialisten für Buchempfehlungen mit rund 16 Millionen Mitgliedern.

Goodreads ist eine Art Online-Netzwerk für Bücherwürmer - man kann sehen, was Freunde lesen und sich darüber austauschen. Zugleich will Goodreads dank der Nutzerdaten aber auch eine Empfehlungs-Maschine sein: Man bewertet die gelesenen Bücher und bekommt Vorschläge auf Grundlage der Präferenzen von Mitgliedern mit einem ähnlichen Geschmack.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Amazon-Kunden bekommen zwar bereits eine gewisse Orientierung dank der zahlreichen Kommentare anderer Nutzern, mit Goodreads kann der Konzern aber noch einen Schritt weitergehen. Der Dienst soll nun mit Amazons Kindle-Plattform für digitale Bücher verbunden werden. Ein Preis wurde bei der Ankündigung am späten Donnerstag nicht genannt.

Amazon hat das Thema schon länger im Blick: Bereits 2008 übernahm der Online-Händler das Leser-Netzwerk Shelfari. „Amazon hat gute Bewertungen, aber die Kommentare bei Goodreads sind besser“, hatte Goodreads-Gründer Otis Chandler einmal in einem Interview behauptet.

Was US-Konzerne über ihre deutsche Steuerlast verraten

Amazon

Länderspezifische Zahlen weist das Unternehmen nicht aus. Man zahle aber alle anwendbare Steuern in jedem der Länder, in denen das Unternehmen tätig ist. Details für Großbritannien zeigen, dass der Konzern dort keinerlei Unternehmenssteuern zahlt.

Apple

Ein Apple-Sprecher macht es kurz: "Apple gibt keine regionalen Zahlen bekannt, daher kann ich Ihnen keine Gewinn- bzw. Steuerangaben für Deutschland nennen." Ähnlich wie bei Amazon erbringt die deutsche Apple GmbH lediglich Dienstleistungen für mit Apple verbundene Unternehmen.

Die Gesellschaft meldete einen Umsatz von 53 Millionen Euro im Geschäftsjahr bis Ende September 2011 und zahlte fast sieben Millionen Euro Steuern. Die Apple Retail GmbH machte im selben Zeitraum einen Umsatz von 174 Millionen Euro, meldete aber einen Verlust in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Die GmbH verzeichnete eine Steuerrückzahlung von 201.493 Euro.

Google

Die Google Germany GmbH meldet für 2011 eine Umsatz in Höhe von 190 Millionen Euro und einen Gewinn in Höhe von 16,2 Millionen Euro. Die abgeführten Steuern betragen 5,3 Millionen Euro.

Microsoft

Das Unternehmen rechnet vor, 31 Prozent Unternehmenssteuer auf den Gewinn gezahlt zu haben. "Bei der Betrachtung der Steueraufkommens, das mit Microsoft insgesamt verbunden ist, ist zu beachten, dass der bei weitem größte Anteil des Umsatzes/Gewinns/Steueraufkommens über unsere 38.000 Partnerunternehmen erbracht wird", so ein Sprecher. Der Finanzbericht der Microsoft Deutschland GmbH (für das Geschäftsjahr bis Ende Juni 2011) weist einen Umsatz von 682 Millionen Euro aus und eine Steuerlast in Höhe von etwas über 29 Millionen Euro.

Starbucks

Insgesamt 160 Filialen hat die Kaffeehaus-Kette Starbucks in Deutschland. Eine Sprecherin teilt mit: Starbucks [hat] es niemals umgangen, in Deutschland Steuern zu zahlen. In den vergangenen drei Jahren haben wir Steuern in Höhe von insgesamt mehr als 19 Millionen Euro bezahlt, unter anderem für Sozialversicherung und Unternehmenssteuer."

Das die Sozialversicherung in diese Angabe mit eingezogen wird, dürfte einen guten Grund haben. Denn für das Geschäftsjahr 2010/11 hat die Starbucks Coffee Deutschland GmbH einen deutlichen Verlust gemeldet und darin keine Hoffnung geweckt, dass sich die Lage bessern könnte. "Aufgrund des Jahresfehlbetrages des Geschäftsjahres sowie der Verlustvorträge ergibt sich kein Steueraufwand", heißt es im Jahresbericht.

Chandler und seiner Frau Elizabeth gründeten Goodreads im Jahr 2007. Die Plattform werde unter dem Dach von Amazon weiter unabhängig agieren, versprach Otis Chandler in einem Blogeintrag. Trotz der Amazon-Fokussierung auf den E-Book-Markt würden auch Leser von Büchern auf Papier nicht benachteiligt. Chandler, ein gelernter Software-Entwickler, stammt aus einer traditionsreichen Verleger-Familie und bekam seinen Vornamen zu Ehren eines legendären Herausgebers der „Los Angeles Times“.

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Die Übernahme ist ein Erfolg für die Wagniskapital-Firma True Ventures, die Goodreads einst den Anschub mit der ersten Finanzspritze von 100 000 Dollar gab und später weitere zwei Millionen Dollar investierte. Die Gründer seien sehr sparsam gewesen und kamen über die Jahre mit wenig Geld aus, sagte True-Ventures-Gründer Jon Callaghan dem Magazin „Forbes“.

Von

dpa

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