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22.08.2013

11:58 Uhr

US-Internetnutzer

Yahoo überholt Google

Erstmals seit mehr als zwei Jahren lockt Yahoo mehr amerikanische Internetnutzer an als der Rivale Google. Vier Millionen Besucher mehr hatte Yahoo im Juli. Der Vorsprung könnte bald noch viel größer werden.

Yahoo-Zentrale im kalifornischen Sunnyvale: In der Liste der 50 meistbesuchten US-Webangebote liegt das Unternehmen ganz vorn. AFP

Yahoo-Zentrale im kalifornischen Sunnyvale: In der Liste der 50 meistbesuchten US-Webangebote liegt das Unternehmen ganz vorn.

New York/BerlinYahoo hat laut Marktforschern erstmals seit mehr als zwei Jahren mehr amerikanische Internetnutzer angelockt als der große Rivale Google. Die Yahoo-Seiten in den USA seien im Juli auf über 196 Millionen Besucher gekommen, berichtete der Analysedienst Comscore am späten Mittwoch. Das brachte dem Internet-Pionier den Spitzenplatz in der Comscore-Liste der 50 meistbesuchten US-Webangebote ein.

Google lag mit 192 Millionen Besuchern auf Platz zwei, danach folgten Microsoft, Facebook und AOL. Dabei wurde die Blog-Plattform Tumblr, die Yahoo kürzlich kaufte, noch separat gezählt. Sie kam auf 38 Millionen Besucher.

Comscore misst den Internetverkehr und veröffentlicht auch Zahlen etwa zur Verbreitung von Smartphones. Die Reichweite von Webseiten ist für den Verkauf von Online-Werbung wichtig, das Hauptgeschäft von Yahoo und Google. Zuletzt hatte Yahoo die Liste der meistbesuchten US-Seiten im Mai 2011 angeführt.

Yahoo - Einmal Star und zurück

Ein Katalog fürs Internet

Als immer mehr Menschen online gingen, sorgt Yahoo für Orientierung: Das Unternehmen, 1994 von den Stanford-Doktoranden Jerry Yang und David Filo gegründet, führte in seinen Anfangsjahren einen Katalog mit interessanten Webseiten. Die Einträge erstellten zunächst nicht Suchroboter, wie es heute üblich ist, sondern Menschen. Um die Suche baute Yahoo bald ein Portal mit weiteren Diensten auf.

Profiteur des Dotcom-Booms

Bereits 1996, zwei Jahre nach der Gründung, ging Yahoo an die Börse. In den folgenden Jahren gehörte die Firma zu den Lieblingen der Anleger, der Aktienkurs stieg auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms auf den Höchstkurs von 119 Dollar. Als die Blase platzte, brachen jedoch auch die Werbeeinahmen ein – und der Kurs stürzte auf gut 8 Dollar ab.

Zu zweit gegen Google

Allein kamen Yahoo und Microsoft nicht gegen den Suchmaschinen-Riesen Google an – also taten sie sich 2009 zusammen. Seitdem nutzt Yahoo etwa die Suchmaschinen-Technologie von Microsoft („Bing“). Die Werbeumsätze teilen sich die Unternehmen. Echte Konkurrenz machen die beiden dem Primus aber auch gemeinsam nicht. Zuvor hatte Microsoft versucht, Yahoo komplett zu übernehmen, allerdings vergeblich.

Profitables Engagement in China

2005 beteiligte sich Yahoo am chinesischen Web-Portal Alibaba. Von dieser Partnerschaft profitiert das US-Unternehmen bis heute: Mit dem Verkauf von Anteilen nahm es 2012 4,3 Milliarden Dollar ein. Sollte Alibaba wie erwartet an die Börse gehen, könnte Yahoo weitere Milliarden erlösen.

Konzern ohne Führung

2007 stieg Yahoo-Mitgründer Jerry Yang zum CEO auf. Doch er hatte kein glückliches Händchen und übergab die Geschäfte bereits ein Jahr später an Carol Bartz. Die Saniererin eckte jedoch mit ihrer burschikosen Art so an, dass der Verwaltungsrat sie feuerte. Es folgten drei Kurzzeit- oder Interims-Chefs bis 2012 die langjährigere Google-Managerin Marissa Mayer die Geschäfte übernahm.

Marissa Mayer übernimmt

Es war ein Coup: Im Juli 2012 vermeldete Yahoo, dass die prominente Google-Managerin Marissa Mayer neue Chefin wird. Die wirbelte das Unternehmen in den ersten Monaten kräftig durcheinander, übernahm diverse Startups und sorgte auch sonst für Schlagzeilen. Die Schwäche im Kerngeschäft mit Anzeigen – vor allem Bannern – konnte sie aber nicht abstellen.

Mail, Suche, Nachrichten

Yahoo hat monatlich mehr als 700 Millionen Nutzer. Zu den beliebtesten Angeboten des Konzerns gehören Nachrichten, Suchmaschine und der E-Mail-Dienst. Eine treue Fangemeinde hat auch der Fotodienst Flickr. Zudem übernahm Yahoo 2013 für 1,1 Milliarden Dollar die Blogging-Plattform Tumblr, deren Community rasant wächst.

Altavista, Delicious, Alltheweb

Viele Dienste stellte Yahoo über die Jahre wieder ein, etwa die Suchmaschinen Altavista und Alltheweb. Den Social-Bookmarking-Dienst Delicious verkaufte das Unternehmen 2011 wieder.

Comscore lieferte keine Begründung für den jetzigen Vorstoß von Yahoo an die Spitze. Ausgehend davon, wie nah beieinander Yahoo und Google in den vergangenen Monaten lagen, könne es sich einfach um normale Schwankungen handeln, hieß es in einer Stellungnahme für das Blog „Marketingland“.

Von

dpa

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