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23.01.2006

09:46 Uhr

US-Technologiefirmen

Gute Zahlen reichen Investoren nicht

VonUlf Sommer

Börse paradox: Viele sehr gute Quartalsdaten von US-Technologiekonzernen haben negative Kursreaktionen zur Folge. Viele der betroffenen Firmen konnten Gewinne und Umsätze kräftig steigern, blieben aber unter den hohen Erwartungen.

Kurs-Gewinn-Verhältnisse im Wandel. Grafik: Handelsblatt

Kurs-Gewinn-Verhältnisse im Wandel. Grafik: Handelsblatt

DÜSSELDORF. Die Rechnung scheint verlockend simpel: Reagiert die Börse negativ, müssen die Quartalszahlen schlecht sein. Steigen die Kurse, sollte auch die Bilanz gut sein. Doch so einfach ist es diesmal nicht: Viele sehr gute Quartalsdaten von US-Technologiekonzernen haben entgegengesetzte Kursreaktionen zur Folge. Auch in der neuen Woche dürfte es dafür wieder einige Beispiele geben, wenn viele US-Unternehmen über ihr viertes Quartal berichten. Der Grund liegt weniger in den Zahlen an sich, sondern in den sehr unterschiedlichen Firmenbewertungen an der Börse.

Motorola beispielsweise steigerte den Nettogewinn im vierten Quartal vor allem dank besonders flacher Handys um 80 Prozent auf 1,2 Mrd. Dollar. Der Umsatz legte knapp 20 Prozent auf 10,4 Mrd. Dollar zu. Im Schlussquartal lieferte der zweitgrößte Hersteller von Mobiltelefonen 44,7 Mill. Handys aus – so viele wie noch nie. An der Börse brach die Aktie am Freitag jedoch um gut sechs Prozent ein. Der Ausblick des Konzerns bietet dafür keine Erklärung: Im angelaufenen ersten Quartal erwartet Motorola einen Umsatz von 9,3 bis 9,5 Mrd. Dollar. Das ist geringfügig weniger, als Analysten erwartet haben. Im Vergleich zum traditionell starken Jahresschlussquartal ist das aber sehr viel und rechtfertigt nicht die herben Kursverluste.

„Gut ist eben nicht gut genug, wenn die Leute etwas Großartiges erwarten“, sagte Analyst Albert Lin vom Analysehaus American Technology. Das Problem Motorolas ist die Bewertung. Investoren bezahlen das Unternehmen mit seinem 28-fachen Jahresgewinn. Ganz anders sieht es bei Nokia aus. Für den Weltmarktführer blättern Anleger nur den 22-fachen Jahresgewinn hin. Nokia präsentiert seine Bilanz am Donnerstag.

Das Beispiel lässt sich auf viele Unternehmen übertragen. Die meisten Firmen glänzten mit rasanten Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn. Doch die Reaktionen an der Börse konnten kaum unterschiedlicher sein. So legte die Aktie des Computerkonzerns IBM gegen den schwachen Gesamttrend zu, obwohl die Umsätze um zwölf Prozent und sogar stärker als erwartet gesunken waren. Auffällig ist aber, dass Investoren für „Big Blue“ nur den 18-fachen Jahresgewinn bezahlen. Das ist für die Branche und dazu noch einen Trendsetter wenig.

Ganz anders bei Yahoo. Der Internetspezialist steigerte im vierten Quartal den Gewinn um 25 Prozent, doch die Aktie brach um 13 Prozent ein. „Was Yahoo dem Nutzer anbietet, ist einzigartig. Doch die Aktie ist überbewertet“, sagte Scott Devitt, Analyst beim Brokerhaus Stifel Nicolaus. Anleger bezahlen Yahoo derzeit mit dem 109-fachen Jahresgewinn. Daran gemessen ist das Gewinnplus zu niedrig.

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