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15.09.2015

15:24 Uhr

Valley Voice

Boykottiert das Oktoberfest!

VonBritta Weddeling

Bayern bereitet sich auf die größte Feier des Jahres vor, auf traditionelle Musik, Bier und Brezeln. München will sechs Millionen Besucher aus der ganzen Welt mit Gastfreundschaft umgarnen, auch aus den USA und dem Silicon Valley. Nur Flüchtlinge sind nicht eingeladen. Ein Kommentar für internationale Leser.

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Auch Menschen, die Deutschland vielleicht nie besucht haben, kennen das Oktoberfest. Das ist jene Zeit im September und Oktober, in der Deutschland das Leben feiert, mit Blasmusik, Bier und Brezeln. Jeder ist willkommen. Jedes Jahr reisen mehr als sechs Millionen Besucher aus der ganzen Welt nach München, im Zug beispielsweise, und freuen sich auf bayerische Gemütlichkeit und Gastfreundschaft.

Dieses Mal ist alles anders. Europa ist Zentrum der weltweiten Flüchtlingskrise. In den vergangenen Wochen strandeten tausende Menschen in Deutschland und in München. Sie hoffen auf eine bessere Zukunft, eine sichere Unterkunft oder nur ein freundliches Wort. Nun müssen sie erfahren, dass die berühmte bayerische Gastfreundschaft während des Oktoberfests ihre Grenzen hat.

Der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, Parteichef der Christlich-Sozialen Union (CSU), ein bekannter Politiker einer konservativen Partei in Bayern, möchte nicht, dass München während des Oktoberfests in ebensolchem Maße ein Anlaufpunkt für Flüchtlinge bleibt wie bisher. Er werde dazu „Vorkehrungen“ treffen. Mehr als die Hälfte aller Bayern unterstützen Seehofers Partei politisch.

Stören Flüchtlinge die Bratwurst-Stimmung? Ist kein Platz auf der Theresienwiese für Menschen, die gerade eine lebensbedrohende Reise hinter sich haben? Was zum Teufel stimmt eigentlich nicht mit Ihnen, Herr Seehofer?

Lieber Leser, Sie können einwenden, dass Deutschland sich schon genug um Flüchtlinge gekümmert hat. Sie mögen auch sagen, dass viele andere Länder inklusive der USA viel weniger tun und der Bau eines Zauns gegen mexikanische Flüchtlinge nur ein Punkt auf einer langen dunklen Liste ist. Und vielleicht finden Sie sogar das Oktoberfest und Bayern ziemlich uninteressant.

Ich bin jedoch davon überzeugt, dass es immer um die kleinen Dinge geht. Meistens erkläre ich hier den Deutschen das Silicon Valley. Dieses Mal ist es anders herum. Heute möchte ich dem Silicon Valley erklären, was es über das Oktoberfest wissen muss. Wenn irgendjemand nach München reist, um Bayerische Gemütlichkeit und Gastfreundschaft zu feiern, unterstützt er eine Lüge. Deshalb, liebe Leser, tun Sie das nicht. Boykottieren Sie das Oktoberfest!

There is also an English version of this column.

Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

Kommentare (26)

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Herr Erwin Schabrunski

15.09.2015, 15:54 Uhr

Bayern wollen nicht arabisch lächeln - so eine Unverschämtheit.

Herr Andreas Glöckner

15.09.2015, 15:55 Uhr

Ich habe mir ihren Kommentar durchgelesen und ich muss sagen der gefällt mir ganz undgar nicht. Ab wann sind Probleme denn klein genug, ab wann sind die Dinge denn klein genug um von ihnen akzeptiert zu werden. Bayern muss dabei zuschauen, wie es Berlin saniert. Und in München und Nürnberg bleibt kein Geld für die Infrastruktur.

Das Bayern als Ortsteil im globalen Dorf keine Flüchtlinge aufnehmen wolle ist vollkommen falsch wahrgenommen. München erzeugt mehr als 40% des bayerischen Inlandsproduktes. Die mehr als 3 Mrd. € für die Länder kommen seit Jahren aus dieser Metropolregion. Für Münchens Infrastruktur bleibt kein Geld. Die Stadtbahnen sind veraltet, der Stachus vergraut.

Nachdem die bayerische Metropole finanziell ausgeplündert wurde, wird sie nun auch noch als Nadelöhr der Flüchtlingswelle instrumentalisert. Ich war bereits mehrer Male in München und nie hat mir die Stimmung in dieser schönen Stadt gefallen. Die Menschen waren freundlich, ohne Frage. Aber die Stimmung war trotzdem schlecht und ich glaube ich weiß nun auch, woher das kommt.

Nicht nur die Bayern brauchen Luft zum atmen sondern auch die Region, die Herz und Lunge ist. Und diese Region ist München. Jetzt zu schimpfen, die Münchner seien nicht gastfreundlich halte ich alsnicht- Münchner und nicht- Bayer für falsch und unangemessen . München gibt gerne. Aber was zuviel istist eben zuviel.

Ich finde ihren Kommentar schlecht weil unausgewogen. Wenn Sie psychologisch denken könnten, dann hätten Sie Hernn Seehofers Haltung und Reaktion ausgezirkelt. Angesichts ihres Angriffs haben Sie sich selbst noch nicht mal daran erinnert, dass kein Mensch von sich aus etwas böses tut oder etwas schlechtes vor hat.

Herr Heinz Wiedefeld

15.09.2015, 16:05 Uhr

Was für ein dreister Kommentar! Bayern hat für die Flüchtlinge bislang wahnsinniges geleistet. Deren Gedanken zum Oktoberfest kann ich gut nachvollziehen. Ihre hingegen nicht. Da sie ja für die USA und Silicon Valley zuständig sind: was halten sie denn von Obamas Angebot, im kommenden Jahr 10.000 Flüchtlinge aufzunehmen??? Dieses "vor der Verantwortung drücken" der USA sollten sie lieber kommentieren.....
Unfassbar...

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