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13.02.2018

15:04 Uhr

Valley Voice

Das Roboter-Café ist da – und erzeugt ein Gefühl von Einsamkeit

VonAxel Postinett

Jetzt machen die Roboter schon Kaffee, Pizza und Suppe. Ist uns denn der simpelste menschliche Kontakt gar nichts mehr Wert?

Das Roboter-Café lädt nicht zum Ausruhen und Genießen ein. Vom Bestellen bis zum ersten Schluck Kaffee vergehen keine 60 Sekunden.

Cafe X

Das Roboter-Café lädt nicht zum Ausruhen und Genießen ein. Vom Bestellen bis zum ersten Schluck Kaffee vergehen keine 60 Sekunden.

San FranciscoSeit zwei Wochen ist es auf, und man läuft schnell an der winzigen Fassade vorbei. Das Café X braucht nicht viel Platz. Neben dem abgekapselten Kaffeeroboter mit dem Schwenkarm und den zwei modifizierten WMF-Kaffeeautomaten, nebst Becherhalter und Milchspender, braucht es nur kleine Stellsäulen für die Bestell-iPads und einen Beistelltisch für Zucker und Becherdeckel. Ein Platz zum Ausruhen und Genießen ist es jedenfalls nicht.

Nirgendwo in dem kleinen, aber edel ausgestatteten Mini-Ladenlokal an der Market Street in San Francisco, Hausnummer 578, kann man sitzen oder nur seinen Latte an einem Stehtisch schlürfen. Kommunikation ist nicht vorgesehen und Community gehört auf Facebook. Zielgruppe sind die Kaffee-Junkies, die morgens das Smartphone vor Augen aus der U-Bahnstation an der Montgomery-Straße strömen und sonst beim Starbucks drei Türen weiter geduldig in der Schlange auf den Barista und ihren Becher Latte warten, auf dem garantiert der Name falsch geschrieben ist. Ein menschlicher Fehler eben. Kommt vor.

Nicht so beim Robo-Barista. Der sendet einen Pin-Code aufs Smartphone, wenn die Arbeit getan ist. Den tippt man an einer der drei Ausgabestationen ein und der dampfende Morgentrunk wird mit Robo-Präzision in das Ausgabefach gesenkt. Zum Schluss macht Robbie brav Winke-Winke. Es soll ja menscheln. Das gleiche Ritual am Abend, wenn sich die Bürotürme des Finanzdistrikts in die Schächte der U-Bahn „Bart“ leeren.

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Das Geschäft lohnt sich. Mitgründer Henry Hu rechnet vor: Bei einem Preis von 50.000 Dollar pro Maschine, einem Verkauf von 250 Getränken pro Tag und 70 Prozent Bruttomarge soll nach drei Monaten der Break Even erreicht sein. Die Miete für den Stellplatz ist da noch nicht berücksichtigt. Aber die laut Eigenwerbung „hyper-effiziente Kaffeemaschine“ läuft theoretisch 23,50 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche, verlangt keinen Überstundenzuschlag, keine Krankenversicherung oder Urlaub. Ein Mitarbeiter muss lediglich einmal 30 Minuten pro Tag nachfüllen und säubern.

Der Test verlief eigentlich ganz ansprechend. Ein Café X-Mitarbeiter ist vor Ort, empfängt die Gäste, hilft bei Fragen und zieht sich sonst zurück. Er muss natürlich auch Vandalismus verhindern oder sich einige der vielen Obdachlosen in San Francisco den Platz für die Nacht aussuchen.

Kaffeetyp am Touchscreen ausgesucht, Kaffeebohne gewählt, Produkte lokaler Röster erfordern einen satten Aufschlag von einem Dollar, Milchtyp angetippt, auch hier gibt es wahlweise eine besondere Milch für 50 Cents mehr, Kreditkarte durchgezogen und Smartphone-Nummer eingegeben. Schon wuselt der Arm hinter Glas in erheblichem Tempo los, keine 20 Sekunden später klingelt das Smartphone. Ab an die Tastatur und schon ist der Kaffee da, zielgenau ausgesucht unter zwei anderen, die auf ihre Besteller warten.

Vom Bestellen bis zum ersten Schluck vergingen keine 60 Sekunden und schon steht man wieder alleine auf der Straße. Kein „Guten Tag“, kein „Wie geht´s denn heute“, kein „Schönen Abend noch“ und kein „Accel“ statt „Axel“ auf dem Becher .

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Ein einfacher Kaffee Americano mit Milch kostet 2,55 Dollar, das ist etwas billiger als bei Starbucks, aber schon der Peets Kaffee-Shop drei Blöcke weiter im Haus von Charles Schwab-Brokerage ist mit 2,25 Dollar etwas günstiger und bietet sogar neben Sitzgelegenheiten auch noch Nachfüllen für 1,10 Dollar. Der „Refill“ war früher eigentlich in den USA immer im Kaffeekauf mit drin, aber das ist eh schon lange vorbei.

Die Roboter sind nicht im Anmarsch, sie sind zumindest im Silicon Valley bereits im Nahrungsmittel-Sektor angekommen. Café X ist nur die jüngste der Entwicklungen.

In Mountain View, der Google-Heimat, residiert die Robo-Pizzeria Zume. Praktisch der gesamte Herstellungsprozess ist automatisiert. Yo-Kai Express bringt die vollautomatische Produktion der klassischen japanischen Ramensuppe nach San Francisco. In Japan und China kochen schon seit 2009 Roboter Ramensuppe in 90 Sekunden. Selbst Bosch aus Deutschland ist mit dabei. Auf der CES-Show in Las Vegas hat mir schon Anfang 2017 ein Bosch-Roboter einen schmackhaften Milchkaffee am Stand aufgebrüht.
Fahrerlose Autos, Barista-freie Cafes, Robo-Ramen, in San Francisco ist immer was los. Und in Seattle testet Amazon die mitarbeiterfreien Supermärkte der Zukunft.

Axel Postinett, Korrespondent des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

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Das Silicon Valley hält sich halt an seine Versprechen, möchte man meinen. Café X-Gründer Hu sieht noch nicht einmal Probleme für die Gesellschaft durch seine Technik. Er wolle Baristas nicht ersetzen, sondern ihnen einfach nur mehr Zeit verschaffen, um andere Dinge zu tun. Anderes Dinge? Was denn? Kaffeebohnen und Pappbecher nachfüllen? Alle Mitarbeiter, die die Gäste begrüßen hätten eine Barista-Ausbildung heißt es. Nur klingt das verdammt nach dem Heizer auf der Elektrolok.

Aber der Optimismus ist ungebrochen. Muss Starbucks jetzt Angst haben? Noch nicht. Aber der Kaffeeriese mit 300.000 Angestellten weltweit wird sicher längst überlegen, ob Standardbestellungen für den eiligen Kunden nicht auch an einer Robo-Ecke im Laden abgewickelt werden können. So wie jede Bank heute Geldautomaten für immer mehr Funktionen im Foyer hat.

Es geht also immer weiter mit der Weltverbesserung. Selbst fliegende Autos haben wir uns gewünscht und bekommen. Ein einsamer kirschroter Sportwagen rast schon im Weltall unbekanntem Ziel entgegen und spielt David Bowie-Musik. Wer sagt´s denn, das ist doch schon mal ein Anfang.

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Immer dienstags schreiben Britta Weddeling und Axel Postinett, Korrespondenten des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

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