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24.06.2015

16:55 Uhr

Valley Voice

Deutsch denken mit Nest-Chef Tony Fadell

VonBritta Weddeling

Wie wurde ein Typ aus Michigan der Vater des iPod und Gründer der Thermostat-Firma Nest? Ein Treffen mit Tony Fadell verrät sehr viel über den Weg zum Erfolg im Silicon Valley.

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die meisten Leute wissen nicht, dass ich mit Interviews bereits im Kindesalter begann. Ich sprach früher als die anderen Kinder und stellte ständig dumme Fragen. Zum Leidwesen meiner Freunde hält sich die Eigenart bis heute. Wenn die Spielkameraden nicht antworteten, weil sie eben noch nicht konnten, biss ich ihnen in die Nase.

Das passiert mir heute nicht mehr. Aber ich denke oft daran, immer wenn mir jemand in Worthülsen antwortet oder gar auf „Kalifornisch“. Kalifornier sagen stets das Gegenteil dessen, was sie eigentlich meinen, wegen der Höflichkeit. Es muss damit zusammenhängen, dass hier so viele Menschen Yoga machen. Alles ist irgendwie verdreht.

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Die Google-Tochter Nest stellt eine Überwachungskamera vor. Im Interview beteuert Gründer Tony Fadell, dass seine Firma aber dennoch keine Daten weitergeben wird – es fragt sich nur, wie lange das gilt.

Die Deutschen andererseits lieben es, ihre Meinung permanent und zu allem möglichen loszuwerden. Selbst wenn das keiner hören will. Meine kalifornischen Freunde lachen mich immer aus. Glücklicherweise wissen sie nichts von meinen ehemaligen Beiß-Aktivitäten.

Manchmal jedoch treffe ich Menschen, die mich unmittelbar verstehen. Zum Beispiel Tony Fadell, Vater des iPod und Gründer von Nest, das für 3,2 Milliarden Dollar an Google verkauft wurde.

Es war während der Silicon Valley Visionary Awards, einem VIP Event, veranstaltet vom SVForum, einer der ältesten Non-Profit-Organisationen der Tech-Welt, in einer alten Stadtvilla bei San Francisco. Fadell gehörte zu den diesjährigen Preisträgern, zuvor zeichnete die Stiftung unter anderem Microsoft-Gründer Bill Gates oder Elon Musk von Tesla aus.

Mir gefiel, wie er auf der Bühne über den Beginn seiner Karriere sprach, als er nur ein Durchschnittstyp Anfang zwanzig aus Michigan war, „mit wesentlich mehr Haar“, und sein Elternhaus verließ, ohne genau zu wissen, was er nun tun sollte. Die meisten Unternehmer im Valley tendieren dazu, ihre Geschichte nachträglich auszuschmücken, wenn sie berühmt geworden sind. Nicht so Fadell. „Ich wusste nur, dass ich an den Ursprung dessen gehen musste, wo sich gerade alles so veränderte, und das war genau hier.“

Für Fadell ist Erfolg nicht selbstverständlich. Als er in den frühen 2000er-Jahren bei Apple arbeitete, stand die Firma permanent am Abgrund. Der iPod wurde erst im dritten Jahr zum Erfolg. Das veränderte seine Perspektive. „Rückblickend haben wir natürlich Geschichte geschrieben“, sagte der Mann – und ergänzte dann in einer sehr direkten, „deutschen“ Weise: „Damals aber wollten viele den Laden einfach nur dichtmachen.“

Kurz vorher waren Fadell und ich uns auf der Terrasse begegnet. „Verfolgen Sie mich?“, rief er mir grinsend zu. In der Tat hatte die Situation Komik. Erst tags zuvor hatten wir mit einander gesprochen, bei der Präsentation der neuen Sicherheitskamera „Nest Cam“ in einer Galerie in San Francisco.

Der libanesisch-amerikanische Designer schien fantastisch gelaunt, lehnte sich im Sofa zurück. Seine grünbraunen Augen funkelten, als über seine Vision für das Internet der Dinge sprach. „In nicht allzu ferner Zukunft werden wir in einem vernetzten Zuhause wohnen, das wir über das Smartphone steuern können, sogar aus großer Entfernung.“

Aber was ist mit all den Menschen, die fürchten, dass Google sie nun via „Nest Cam“ beobachtet, weil seine Firma inzwischen dem Suchmaschinen-Konzern aus Mountain View gehört? „Ich habe eine Kamera in meinem Fitness-Raum installiert, da können mich alle dabei beobachten, wie ich Yoga mache“, antwortete Fadell. Aber natürlich war das ein Witz. Deshalb antwortete ich: „Yoga ist langweilig.“ Wir lachten, dann wurde das Gespräch wieder ernst. „Alle Daten bleiben auf unseren Servern“, sagte Fadell.

Der Mann weiß, dass der Erfolg seiner Firma davon abhängen wird, wie sehr die Nutzer ihm vertrauen, besonders in Europa und Deutschland, die für Sensibilität bei Privatssphäre-Themen bekannt sind. Wenn Fadell weiterhin so ehrlich und „deutsch“ über seine Arbeit spricht, bin ich sicher, er wird erfolgreich sein.

There is also an English version of this column.

Immer Dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

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