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24.01.2017

17:19 Uhr

Valley Voice

Die Macho-Maschinen

VonBritta Weddeling

Die einen glauben, Künstliche Intelligenz werde uns von allen Übeln erlösen. Für die anderen rangiert sie in der Sympathie kurz vor Donald Trump. Wir müssen endlich beginnen, die richtigen Fragen zu stellen.

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Schon eine einfache Google-Suche demonstriert das Problem: Wer das Schlagwort „Person“ eingibt, erhält mehrheitlich Fotos weißer Männer. Die Treffer für „Manager“ und „Boss“ sind wenig anders. Die Sprachwissenschaftlerin Rachael Tatman von der University of Washington bewies in einer Studie, dass Googles Spracherkennung offenbar Männer besser versteht als Frauen. Und im ersten Schönheitswettbewerb, bei dem Künstliche Intelligenz Fotos von 6000 Menschen aus 100 Ländern zu beurteilen hatte, wurden Frauen mit weißer Haut bevorzugt.

Künstliche Intelligenz kann diskriminieren. Die Maschinen meinen es nicht persönlich. Sie besitzen, anders als uns Science-Fiction-Filme gern nahelegen, weder einen eigenen Willen noch Bewusstsein. Bis jetzt jedenfalls. Algorithmen sind nur so schlau wie die Daten, mit denen sie trainiert werden. Füttert man sie vornehmlich mit weißen Männern, erkennt der Algorithmus vornehmlich weiße Männer. In den Programmierstuben von Silicon Valley hocken trotz aller Bemühungen eben immer noch vor allem ebensolche. Schlimmer ist es den Zahlen nach nur in Deutschland.

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Sentient Technologies zählt zu den wertvollsten Start-ups für künstliche Intelligenz. Der Gründer, der bereits Apples Sprachassistentin konstruierte, gilt als Visionär – und hat auch Interesse aus Deutschland geweckt.

Die Technologie fungiert als Echokammer unserer Vorurteile und ist maximal manipulierbar. Das zeigte Microsofts Chatroboter Tay, der innerhalb kürzester Zeit den Holocaust leugnete. Wenn Maschinenintelligenz die „Elektrizität“ der Zukunft ist, wie Andrew Ng, Gründer des „Google Brain“-Projekts, prophezeit, werden Probleme mit Macho-Maschinen zunehmen. Unsere Welt, unser Wille, unsere Vorstellung wird immer stärker bestimmt von Technologien, deren Regeln wir nicht erkennen oder verstehen, und die sich im Besitz von Firmen befinden, die kommerzielle Interessen verfolgen.

Soziale Plattformen geben dem Nutzer noch ein rudimentäres Gefühl von Selbstbestimmtheit. Er kann sich die Weltanschauung zusammenklicken. Die Verantwortung für Verschwörungstheorien oder Falschnachrichten haben Inhaber wie Facebook zumindest teilweise wieder auf die Journalisten abgewälzt – ein machiavellistisches Meisterstück übrigens.

Wenn es darum geht, wirklich zu verstehen, nach welchen Kriterien Deep Learning und neuronale Netzwerke funktionieren, wie sie Entscheidungen treffen oder Voraussagen, steht die Gesellschaft vor einer Blackbox. Satya Nadella, Chef von Microsoft, hat mehr Transparenz bei der Konstruktion von Künstlicher Intelligenz gefordert. Ginni Rometty von IBM plädiert für ethische Regeln.

Das sind gute Absichten. Vom Nutzer ist dennoch Wachsamkeit gefordert. Angesichts der Verschwiegenheit, die Tech-Unternehmen in Silicon Valley angesichts von Geschäftsmodellen, Zukunftsplänen sowie auch allem anderen an den Tag legen, wäre mehr Transparenz ausgerechnet bei Künstlicher Intelligenz eine Überraschung.

Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

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