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08.04.2015

15:19 Uhr

Valley Voice

Die vegane Soja-Ei-Gluten-Intoleranz

VonBritta Weddeling

Ein Abendessen im Silicon Valley ist kompliziert. Seit neuestem leidet jeder an einer anderen Lebensmittelintoleranz – und das oft auch noch auf freiwilliger Basis. Warum ist das eigentlich so?

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Wie wir wissen gibt es im Leben nur zwei Phasen. Bis 30 gibt man sein ganzes Geld für Alkohol, Partys und Fast Food aus. In der zweiten Hälfte investiert man jeden Cent um zu retten, was Alkohol, Partys und Fast Food zerstört haben. Einige spielen auch Golf. Diese Regel trifft im Grunde überall zu, außer im Silicon Valley.

Das Valley kennt nämlich nur Phase Zwei. Entwickler, Designer und alle anderen lieben Schönheitsschlaf und gesundes Essen –nicht einmal, weil es gut schmeckt, sondern weil sie dann noch mehr arbeiten können. Wer um 22.05 Uhr an einem regulären Montagabend immer noch an der Bar hockt, hat entweder gerade erst den Job verloren oder ist bereits Alkoholiker. Wer nicht ins Fitness-Studio geht, joggt, surft oder radelt gehört einfach nicht dazu. Extrapunkte gibt es, wenn man überhaupt nicht trinkt, einen Labrador hat oder Rote Beete im eigenen Garten zieht.

Das führt zu seltsamen Situationen. Wie neulich, als ich mit einem Freund Essen war. Wir setzten uns, plauderten und bestellten Drinks. Ich entschied mich dazu, den Abend mit einem Chardonnay zu starten, der Freund fragte nach einem Glas Wasser. Er muss durstig sein, dachte ich. Aber als ich mich für die Gans entschied und er sich für Tofu mit Salat, war ich doch besorgt. „Alles ist gut“, beruhigte er mich. „Ich bin vegan und lebe alkohol- und glutenfrei.“

Ich war sicher, mein Freund sei da die Ausnahme. Doch die Woche drauf bemerkte jemand anders: „Weißt Du was? Ich bin jetzt lactosefrei.“ Als dann auch noch mein Nachbar erklärte, er würde nur noch roh und nussfrei essen, verstand ich plötzlich „Du bist, was Du isst“ – war gestern. Heute gilt: „Du bist, was Du nicht isst.“

Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich selbst an diversen Allergien leide. Ich muss jedes Stück Essen zweimal umdrehen, nein, das ist überhaupt nicht lustig. Ich frage mich, wie irgendjemand das freiwillig macht. Und was passiert überhaupt, wenn man Leute zum Essen einlädt? Muss man dann vorher jeden Gast befragen, ob er/sie gluten-, lactose-, nuss-, ei-, soja- und weizenfrei essen muss oder vegan, vegetarisch lebt und Meeresfrüchte oder rotes Fleisch nicht verspeist? Hat schon jemand daran gedacht, wie viele Kreuzallergien es gibt?

Als ich mich heute also auf den Weg in den Supermarkt machte, war ich besorgt welches Ende die Gluten- und Soja-freie Veganisierung nehmen würde. Aber dann, ganz oben im Regal, stand da die Lösung aller Probleme. Der Packung nach betrug das Gewicht von „Superfood Ceral“ 225 Gramm, bei einem Preis von sportlichen 7,99 Dollar. Statt der Liste von Allergie-Informationen, Intoleranzen oder Kreuzallergien gab mir „Superfood“ nur eine wichtige Information. Auf der Packung hinten stand schlicht: „Kein komisches Zeug drin.“

There is also an English version of this column.

Immer Dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

08.04.2015, 17:08 Uhr

Nicht? Immer schön von einem Extrem ins andere.
Oder gleich richtig bescheuert...

Ihr Artikel passt prima zu der Promi-Diäten-Story von vor 3 Wochen (http://www.handelsblatt.com/panorama/reise-leben/promi-diaeten-ausprobiert-ich-habe-mich-widerlich-gefuehlt/11510290.html).

Um mir einen perversen Ernährungsstil zuzulegen, brauch' ICH allerdings keine Anleitung.
Das schaff' ich schon ganz alleine...

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