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29.06.2015

16:34 Uhr

Valley Voice

Ehe, wem Ehe gebührt

VonBritta Weddeling

Links wischen, rechts wischen: Wir haben gelernt, online zu daten, aber können keine Beziehung mehr führen. Von dem jahrelangen Kampf für die Legalisierung der Homo-Ehe können wir nur lernen.

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Obwohl ich nun schon seit einem Jahr in Silicon Valley lebe, bleibt es für mich ein Ort voller Widersprüche. Kalifornier können Stunden darüber reden, wie sie mit einem Tesla oder den Thermostaten der Google-Firma Nest Energie sparen. Gleichzeitig verschwenden sie Ressourcen ohne Ende, indem sie ganze Innenstädte auf Gefrierschrank-Niveau herunterkühlen. Junge Programmierer fabulieren darüber, wie viel Unabhängigkeit uns die Technologie schenkt, und lassen sich gleichzeitig von ihrem Arbeitgeber die Socken waschen. Die Liste der Doppelmoral ist endlos.

Man kann sich ziemlich leicht über das Silicon Valley, Kalifornien und die USA lustig machen. Aber als San Francisco sich Sonntag in ein Märchenland aus Regenbogen, Freude und Spaß verwandelte, konnte ich fast nachvollziehen, warum die Amerikaner manchmal so naiv stolz sind auf ihr Land. Der Oberste Gerichtshof hatte die gleichgeschlechtliche Ehe im ganzen Land für legal erklärt. Die Menschen feierten diese Entscheidung bei der jährlichen Pride Parade.

Deutschland muss endlich nachziehen. Ich sehe keinen Grund, diese Entscheidung noch länger aufzuschieben. Mrs. Merkel, tear down this wall! Nicht nur, weil damit endlich Gerechtigkeit einzöge, sondern auch weil das die Institution Ehe überhaupt nicht gefährdet. Im Gegenteil. Wir können von dem jahrelangen Kampf der homosexuellen Community für das Recht auf Ehe nur lernen.

Jede dritte Ehe wird geschieden. Die meisten meiner Freunde wollen nicht heiraten, weil ihnen der Begriff überhaupt nichts mehr sagt. Gleichzeitig haben immer mehr Leute ein Problem damit, sich für einen Menschen zu entscheiden. Besonders in San Francisco scheinen alle permanent zu daten. Aber keiner führt mehr eine Beziehung.

Kein Wunder, dass Tinder hier so beliebt ist. Sie zeigt einem Bilder hunderter Männer und Frauen. Aber das macht die Entscheidung eher schwieriger. Besser nach links wischen, nicht dass man jemanden verpasst, der cooler ist.

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Viele Promis freuen sich auf Facebook über die Entscheidung des US-Supreme-Courts zur Legalisierung der Homo-Ehe – selbst der „Terminator“. Arnold Schwarzenegger tauchte sein Profilbild in Regenbogenfarben.

Die „Generation Tinder“ will sich nicht festlegen. Nichts ist von Dauer, alles wird geteilt, das Zimmer, das Auto, selbst der Job ist nur vorübergehend und genauso der Partner. Man glaubt nicht mehr an Religion, aber dafür an Low-Carb.

Diese Generation reist viel und reist leicht, ist Tourist in wunderbaren Ländern und im Leben anderer. Sie hält es gerade so lange aus wie es nicht zu ernst wird. Eine Generation, die permanent nach sich sucht, überall auf der Welt, und bei der ganzen Selbstverwirklichung am Schluss vielleicht allein sein wird.

Genau deshalb – für unser aller Glück – können wir von der Entschlossenheit der Schwulen und Lesben und ihrem Kampf für die Ehe so viel lernen. Wenn denn mein Heimatland endlich die richtige Entscheidung trifft, die gleichgeschlechtliche Ehe zu legalisieren.

There is also an English version of this column.

Immer Dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

29.06.2015, 17:04 Uhr

sooo; siehts aus !

Account gelöscht!

29.06.2015, 19:33 Uhr

Da haben Sie ja kaum ein Klischee ausgelassen. Und dann solche Formulierungen wie "Deutschland muss endlich nachziehen" oder "Wenn denn mein Heimatland endlich die richtige Entscheidung trifft ... "

Selten so einen einfältigen Müll gelesen! Aber solange Sie Geld dafür bekommen, kann Ihnen ja egal sein, wie Sie die Qualität hier runterziehen.

Herr Marcus T.

29.06.2015, 19:55 Uhr

Ein passender Kommentar zum grottigen Artikel...
Weil alle den offensichtlichen und zwischen den Zeilen sogar zugegebenen Fehler begehen und sich im Leben auf nichts und niemand mehr festlegen wollen, alles "beliebig austauschbar nach Lust und Laune" wird - soll die Ehe als Institution in gleichem Maße umgestrickt werden weil eine tolerierte und vom Mainstream hofierte Minderheit dies so wünscht. Wäre es für diese Minderheit nicht angebrachter das zu nutzen - oder ggf. eine Aufwertung/Reform dessen zu nutzen was der Gesetzgeber ihr zugedacht hat? Ich meine damit die eingetragene Lebenspartnerschaft. Wenn dies nicht ausreicht, sollten entsprechende Fürsprecher erst einmal Pro und Contra der gleichgeschlechtlichen Ehe in allen Punkten erläutern.

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