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05.04.2016

11:41 Uhr

Valley Voice

Ein Trabi für Elon Musk

VonBritta Weddeling

Weil die Nachfrage nach dem neuen Model 3 so hoch ist, werden Tesla-Kunden wahrscheinlich jahrelang auf ihr Auto warten müssen. Einige Leute in Deutschland wissen noch, wie sich so etwas anfühlt.

Mit langen Wartezeiten für ein Auto kennen viele Deutsche sich aus. AP

Trabant

Mit langen Wartezeiten für ein Auto kennen viele Deutsche sich aus.

Das neue Model 3 von Tesla erzeugt viel Aufmerksamkeit. Über das Wochenende haben 276.000 Menschen das neue Auto vorbestellt, das war mehr als erwartet. Unternehmenschef Elon Musk hat bereits angekündigt, die Produktionsabläufe überarbeiten zu wollen. Doch viele Kunden werden wohl dennoch Jahre auf den Tesla warten müssen. Die Produktion des Model X verzögert sich nun ebenfalls.

Einige Deutsche wissen noch, wie sich das anfühlt. Vor dem Mauerfall 1989 herrschte im ehemaligen Ostdeutschland stets Auto-Knappheit. Die Leute warteten Jahre auf ihren heißbegehrten Trabant oder „Trabi“, einen Zweitürer mit Zweitaktmotor. Vielleicht wird das Model 3 so etwas wie der Trabant des Elon Musk?

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Im Silicon Valley sind grundsätzlich viele Dinge knapp, angefangen von der Zeichenanzahl in einem Tweet über bezahlbare Wohnungen, Wasser oder Einhörner. Alle zwei bis drei Wochen ist die einzig disruptive Sache im innovativen San Francisco die unterbrochene Stromleitung.

Noch schlimmer sieht es beim öffentlichen Nahverkehr aus, der San Francisco mit Städten an der East Bay verbindet, zum Beispiel Mountain View oder Palo Alto. Dort befinden sich die Zentralen vieler Valley-Firmen wie Google oder Facebook. Die Züge sind dreckig, alt und fast immer verspätet. Milliardenfirmen aus der Tech-Branche senden offenbar lieber Karawanen von Bussen von hier nach dort, als in öffentlichen Nahverkehr zu investieren.

Inzwischen schimpfen selbst die Mitarbeiter des ÖPNV. Da ist zum Beispiel der Typ, der den Twitter-Account des S-Bahn-Systems von San Francisco, dem Bay Area Rapit Transit (BART). betreibt. Als sich jüngst ein Kunde über die schlimmen Zustände in den Zügen beschwerte, versuchte er gar nicht erst, zu beschwichtigen. „BART wurde gebaut, um weitaus weniger Menschen zu transportieren, und unser System steht am Rande des Kollapses. Das ist unsere Realität.“

Vielleicht braucht Kalifornien erstmal etwas anderes als eine Invasion der Elektroautos oder Elon Musks Hyperloop, diesen durchgeknallten Traum vom Vakuum-Zug von San Francisco nach Los Angeles. Vielleicht beginnt die Zukunft des Transports, von der Tesla-Chef Musk so viel redet, mit einem funktionierenden öffentlichen Verkehrssystem.

There is also an English version of this column.

Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

Kommentare (2)

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05.04.2016, 12:21 Uhr

Wer ein E-Fahrzeug kauft hat entweder zuviel Geld auf der hohen Kante oder ist einfach nur noch dumm.
Ein E-Fahrzeug ist mit und ohne Staatliche Subventionen eine Anschaffung die von Menschen getätigt warden die von Technik (Energieträger) keine Ahnung haben.

Account gelöscht!

05.04.2016, 13:44 Uhr

Völlig richtig, Herr Hofmann. Hinzu kommt: Wenn die geduldigen Kunden dann in ein paar Jahren ihr Modell in Empfang nehmen (sofern sie überhaupt noch möchten), ist es technisch bereits komplett veraltert.
Aber erstmal werden sie jetzt ganz stolz auf jeder Party erzählen, was sie da gerade Tolles bestellt haben.

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