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18.10.2016

15:09 Uhr

Valley Voice

Geschrumpfter Titan

VonBritta Weddeling

Apple hat die eigenen Auto-Pläne offenbar massiv zusammengestrichen. Das wäre eine Niederlage für den perfektionistischen Hersteller aus Cupertino, aber der einzig richtige Weg.

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Deutschen sind in Silicon Valley gemeinhin für zwei Dinge bekannt. Für ihre Privatsphäre und ihre Autos. Das macht durchaus Sinn. Der eigene Wagen ist heutzutage vielleicht der letzte Ort, an dem man noch mehr oder weniger privat ist.

Kameras sind inzwischen überall. Im Taxi, am Fahrradhelm, hinter der Fleischtheke. Neulich ließ der Vater am Nebentisch den ganzen Abend lang die 360-Grad-Kamera mitlaufen. Ich frage mich immer, wer sich das nachher alles anguckt.

Apple, das sich in jüngster Zeit in Sachen Datenschutz engagiert, siehe FBI, hat nun offenbar eigene Pläne zur Konstruktion eines Autos weitgehend aufgegeben. Hunderte Mitarbeiter haben laut „Bloomberg“ das einst 1000 Mitarbeiter starke „Project Titan“ verlassen. Der Rest des Teams soll nur noch an Softwareprodukten für autonomes Fahren schrauben und entsprechenden Sensoren.

Das wäre ein Dämpfer für ein Unternehmen mit derartigem Perfektionsanspruch. Bislang galt die Regel, dass Apple so lange designt und entwickelt, bis es mit dem vermeintlich besten Produkt in den Markt geht. Das Apple Auto sollte dieser Logik zufolge nach einen ähnlichen Umbruch einläuten wie das iPhone 2007.

Allerdings könnte diese Absage die einzig richtige Entscheidung sein. Auch wenn Silicon Valley gerne so tun, als wäre alles machbar und am besten völlig neu zu erfinden, ist der Automobilbereich ein kosten- und zeitintensives Geschäft mit wenig Marge, vor allem im Vergleich zu PCs oder iPhones, die über die Zeit Performance verbessern und im Preis sinken. An den hochtrabenden Plänen hätte sich Apple vielleicht verhoben.

Apple iCar: Codename Projekt Titan

Apple iCar

Premium Codename Projekt Titan

Offiziell hat Apple die Entwicklung eines eigenen Autos nie bestätigt, doch viel deutet inzwischen darauf hin. Spekulationen um das „iCar“, Codename: „Project Titan“, halten sich seit dem vergangenen Jahr hartnäckig.

Klar, wenn Tesla die Auto-Szene aufschrecken kann, warum dann nicht auch Apple mit seinen beträchtlichen Cash-Reserven. Die Autoindustrie sei mit einem „massiven Wandel“ konfrontiert, hatte Tim Cook 2015 angedeutet. Der Mann steht unter Druck. Aktionäre wollen Wachstum und neue Geschäftsmodelle sehen. Der einträgliche iPhone-Markt schrumpft und die Apple Watch tickt in der Nische.

Konzernübergreifend zog bei Apple zuletzt vor allem das Geschäft mit „Services“ an, zu dem das Internet of Things gehört und mit ihm auch das vernetzte Auto. Apples Idee, die eigene Expertise in Design, Software und Hardware auf den Fahrzeugbereich zu übertragen, erscheint logisch. Erst recht, wenn es künftig beim Autofahren mehr um das Erlebnis geht als die reine Fahrt von A nach B.

Doch Apple ist kein Auto-Experte, selbst wenn die DNA des Konzerns aus Hard- und Software besteht und der Konzern stets am liebsten das ganze Produkt kontrollieren will. Wir erleben, wie Apple mit seinem Perfektionismus an Grenzen stößt. Wenn der Konzern im Auto-Bereich erfolgreich sein will, wird er kaum ohne Partner auskommen.

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