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17.01.2017

13:07 Uhr

Valley Voice

Gründer mit Machtinstinkt

VonBritta Weddeling

Snapchat-Erfinder Evan Spiegel will die Macht potenzieller Investoren nach dem Börsengang offenbar beschränken. Wie viele Gründer im Valley treibt ihn die Angst vor einem Kontrollverlust um.

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Gemeinhin zerfällt die Tech-Welt in zwei Teile: in die eine Seite, die programmieren kann und in die andere, die bloß Geld kostet. Software-Ingenieure blicken gerne auf die Manager, Buchhalter, Marketingleute und PR-Burschen in ihren Firmen herab, die scheinbar nichts zur Wertsteigerung beitragen und außerdem gefährlich werden können.

Allen steht mahnend das Schicksal von Apple-Gründer Steve Jobs vor Augen, der sich mit Pepsi-Verwalter John Sculley den größten Feind ins Haus holte. 1985 warf Sculley Jobs aus der Firma. Mit dem Apfel-Konzern ging es danach steil bergab, bis Jobs zwölf Jahre später zurückkehrte.

Seither fürchten Gründer den Kontrollverlust. Sie wollen verhindern, dass Nicht-Techniker, Geschäftsleute, Investoren, zu viel Einfluss gewinnen. Evan Spiegel ist da keine Ausnahme. Vor dem für März erwarteten Börsengang seines Start-ups Snap Inc. will der 26-Jährige nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ die Macht in seiner Firma sichern.

Derzeit besitzen Spiegel und Co-Gründer Bobby Murphy 45 Prozent der Anteile an Snap. Das Unternehmen bringt die App Snapchat heraus, bekannt durch die Fotos, die nach dem Ansehen von selbst verschwinden. Spiegel will beim Börsengang offenbar nur Aktien an neue Investoren ausgeben, die keine Stimmrechte besitzen, und mit einem Stimmenanteil von 70 Prozent die Geschicke seiner Firma künftig selbst steuern.

Machtinstinkt wie Mark Zuckerberg

An der New Yorker Börse könnte Snap mit bis zu 25 Milliarden Dollar bewertet werden. Es wäre der größte Börsengang seit dem Wall Street-Debüt des chinesischen Online-Riesen Alibaba im September 2014.

Der selbstbewusste Schritt passt zum Jungunternehmer aus Los Angeles. Der Sohn eines kalifornischen Millionärs hatte bereits 2013 das lukrative Angebot von Mark Zuckerberg abgelehnt. Dieser wollte Snapchat für drei Milliarden Dollar kaufen, um den Konkurrenten vom Markt zu nehmen, so wie zuvor WhatsApp und Instagram.

Stattdessen zeigt Newcomer Spiegel, dass er ähnliche Machtinstinkte besitzt wie sein Rivale. Zuckerberg hatte seinen Einfluss im sozialen Netzwerk mit einem ähnlichen Schritt gesichert. Vergangenes Jahr setzte er bei Facebook einen Aktiensplit im Verhältnis von 3:1 durch. Dabei wurden auf jede bisherige Aktie zwei neue stimmrechtslose Aktien (Class C) ausgegeben.

So konnte der Facebook-Chef, der seit dem Börsengang seines Unternehmens 2012 vor allem Class-B-Anteile mit jeweils zehn Stimmen hält, zwei Drittel seiner Aktien, die C-Scheine, schon einmal in die neue von ihm geplante Stiftung auslagern, ohne Macht zu verlieren. Das Ehepaar Zuckerberg hatte bei der Geburt von Tochter Max angekündigt, langfristig 99 Prozent der eigenen Aktien in die stiftungsähnliche Firma „Chang Zuckerberg Initiative“ auszulagern, die sich wohltätigen Zwecken widmen soll.

Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin hatten ebenfalls zu einem Aktiensplit gegriffen, um die finanzielle Mittel freizuschlagen und in neue Geschäfte zu investieren.

Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

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