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16.06.2015

13:47 Uhr

Valley Voice

Journalismus, du musst zur Marketingberatung

VonBritta Weddeling

Apple stellt künftig Redakteure für „Apple News“ ein, Facebook veröffentlicht mit „Instant Articles“ die Inhalte von Verlagen. Jetzt müssen nur noch die Journalisten ihren Job wieder lieben lernen.

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Hin und wieder kommen Kollegen im Silicon Valley vorbei. Sie suchen nach der Zukunft des Journalismus. Manchmal fragen sie mich dann, ob ich mit ihnen Kaffee trinken gehe. Ich sage dann „ja“, weil das Thema mich schließlich auch interessiert. Letztens war ein Reporter aus Paris da. „Es ist schlimm“, sagte er mit feuchten Augen. „Wir sind vom Aussterben bedroht.“

Der mittelalte, ein wenig übergewichtige Mann erinnerte mich an all die langweiligen Veranstaltungen, bei denen depressive Journalisten regelmäßig darüber konferieren, wie schlimm es steht. Ein trauriger Journalist interviewt den anderen traurigen Journalist auf der Bühne über den Journalismus.

Gibt es eigentlich noch eine andere Branche, die öffentlich so viel herumheult? Journalismus, du musst zur Marketingberatung! Natürlich verändern sich die Medien dramatisch. Viele Redaktionen müssen schließen, das ist traurig.

Aber warum spricht inzwischen keiner mehr davon, wie viel Spaß der Job macht? Journalist zu sein, das ist sicher das spannendste, großartigste, was man tun kann, es sei denn man ist Indiana Jones.

Technologie verändert den Journalismus - aber ist das ausschließlich schlimm? Facebook startet „Instant Articles“ und beginnt damit, Artikel in seinem News-Feed zu veröffentlichen. Apple stellt nun gar Journalisten ein für das eigene Produkt „Apple News“. Silicon Valley investiert massiv in Inhalte.

Auf den Spuren von Facebook: Mark Zuckerberg, das Phantom

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Ein halbes Jahr lang versuchte unsere Korrespondentin, mit Mark Zuckerberg zu sprechen. Dabei lernte sie viel über den Star und seinen Konzern, aber auch über eine Gesellschaft kritikloser User – und sich selbst.

Wenn die Tech-Firmen klug sind und ihren Nutzern tatsächlich die besten Artikel bieten wollen, unterstützen sie die journalistische Unabhängigkeit. Reporter müssen sich weigern, Schweigevereinbarungen (NDAs) zu unterschreiben, so wie ich während meiner verrückten Jagd nach Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Es stimmt, ich bin sehr idealistisch, was die Zukunft des Journalismus angeht. Viele ältere und weisere Kollegen denken, dass sie das alles besser wissen. Aber nichts ist langweiliger, als wenn alle einer Meinung sind. Der Journalismus ist tot; lang lebe der Journalismus.

There is also an English version of this column.

Immer Dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

Kommentare (2)

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Herr Horst Meiller

16.06.2015, 14:43 Uhr

Es würde ja vielleicht schon etwas nützen, wenn sich Journalisten endlich wieder darauf besinnen würden, ihre Arbeit im ursprünglichen Sinn des Wortes zu tun: "LE JOUR" (franz.: Der Tag); nämlich korrekt und NEUTRAL über das TAGESgeschehen zu berichten, ohne sich einseitig in die Politik einzumischen oder irrtümlich ihre Aufgabe darin zu sehen,selbst Politik zu machen. Erst dann würden vielleicht die "Lügenpresse"-Rufe verstummen und die Einschätzung vieler Menschen, welche die Glaubwürdigkeit von Journalisten noch hinter Autohändlern, Politikern und Pädophilen einordnen...

Herr Holger Narrog

16.06.2015, 16:09 Uhr

Ich stimme Herrn Kammschott zu... Die meisten politischen Artikel scheinen in einer ökosozialistischen Oberlehrermanier geschrieben zu sein. Der Journalist sieht sich weniger als Informant der Öffentlichkeit, sondern als ökosozialistischer Agitator.

Ich habe den Eindruck, dass man in den D Systemmedien eine Art ökosozialistische Einheitsideologie pflegt. Ursächlich scheint mir der Gruppendruck zu sein. Ich vermute, dass ein Journalist der sich kritisch zur Einwanderung, oder "Flüchtlingsthematik" äussert relativ rasch das Politikressort verlassen wird.

Den Begriff "Lügenpresse" haben sich die Deutschen Medien sicherlich gut verdient. In allen politisch relevanten Themen dominiert eine starke Positionierung und sehr selektive Faktenvermittlung. In vielen politisch/ökoreligiös heiklen Themen, Kernenergie, "Erneuerbare Energie", "Klimawandel", 30er Jahre, Rechts, nimmt man keine Rücksicht auf Fakten und hat keinerlei Hemmungen reine Fiktionen zu berichten (Denken Sie an die Fantasieartikel zu den Reaktorunfällen von Fukushima). Die NZZ entschuldigte sich einst für einen aus der FAZ übernommenen Fantasieartikel zu "Rechts", dass in Deutschland die politische Korrektheit über den Fakten steht.

Besonders schwach sind die Deutschen Medien wenn naturwissenschaftliche, oder technische Themen beschrieben werden. Man merkt, dass die Journalisten keinen Bezug zu diesen Themen haben. Die Artikel sind meist sehr peinlich. Häufig arten diese dann in ökoreligiösen Phrasen aus. Wünschenswert wären wenn man diese Artikel von etwas technik-affineren Journalisten schreiben liesse.

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