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04.04.2017

09:40 Uhr

Valley Voice

Trump erhöht die Visa-Hürden

VonBritta Weddeling

US-Präsident Donald Trump macht ernst und will die Vergabe der besonders in Silicon Valley beliebten H-1B-Visa erschweren. In der Technologiebranche dürfte das die Unsicherheit erhöhen.

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

San FranciscoAuch die US-Westküste weiß inzwischen, dass der neue US-Präsident Donald Trump nicht nur droht, sondern auch handelt. Allzu deutlich wurde dies mit dem kurzfristig verhängten Einreisebann, der Branchengrößen wie Tim Cook von Apple, Google-Gründer Sergey Brin oder Mark Zuckerberg, den Facebook-Chef, zu lautstarken Protesten veranlasste.

Doch Trump geht es um mehr als Einreiseverbote. Der Politiker propagiert in seinen Reden das Amerika der 60er-Jahre, ein Land der weißen Amerikaner, geprägt von Handwerk und Industrie, ohne Computer oder gar Künstliche Intelligenz, die Jobs ersetzt. Von Beginn an hatte es Trump deshalb auf das Silicon Valley abgesehen, von dem die umgreifende Digitalisierung der Welt ausgeht.

Trump drohte Apple mit Einfuhrzöllen und Amazon mit einem Kartellverfahren. Auch von einer Verschärfung der Einreiserichtlinien schwadronierte Trump mehrfach ausführlich in Richtung der Tech-Branche. Insbesondere Unternehmen wie Alphabet, Facebook oder Apple werben gezielt gut ausgebildete internationale Fachkräfte mithilfe der beliebten H-1B-Visa an.

Nun macht die neue Regierung ernst. Unter dem Titel „Amerikanische Arbeitskräfte zuerst“ verkündigt das Heimatschutzministerium größere Hürden bei der Erteilung künftiger Arbeitspapiere. Amerikaner seien durch einen umfassenden „Missbrauch“ bisheriger Visa-Regelungen „ignoriert“ und „benachteiligt“ worden, heißt es in dem am Montag veröffentlichen Dokument.

Die zuständige Einwanderungsbehörde U.S. Citizenship und Immigration Services (USCIS) werde bei der Fahndung nach Verstößen ab sofort „zielgerichteter vorgehen“ und „Besuche vor Ort“ bei Firmen durchführen, die öfter H-1B-Visa beantragen. Ziel sei festzustellen, ob sich diese „ihrer Pflicht entziehen“, nach geeigneten amerikanischen Mitarbeitern zu suchen. Trump will Unternehmen zwingen, mehr amerikanische als ausländische Mitarbeiter einzustellen.

Das US-Justizministerium unterstützte den Erlass öffentlich. Die Behörde werde nicht tolerieren, dass Arbeitgeber die H-1B-Visa „missbrauchen“, um amerikanische Arbeiter zu „diskriminieren“, hieß es. In einem vorherigen Erlass vom Freitag hatte die USCIS Firmen bereits explizit die Anstellung von IT-Fachkräften erschwert. Die Konzerne müssen nun nachweisen, dass die betreffenden IT-Arbeitsplätze besonders komplizierte Herausforderungen an den Job-Aspiranten stellen, die nur von einem ausgesuchten Kreis talentierter Bewerber erfüllt werde.

Die neuen Regelungen verhindern nicht, dass das Valley auch weiter die besten IT-Talente aus aller Welt anheuert, aber sie sorgen für Unsicherheit. Die Branche fragt sich, was als nächstes kommt und fürchtet, dass talentierte Bewerber abgeschreckt werden. Allerdings gibt es auch Rufe nach einer Reform der bisherigen Vergabe der H-1B-Visa. Sie erhöhen das Risiko für Lohndumping, wenn Arbeitsplätze an Outsourcing-Firmen ausgelagert werden, die ausländische Arbeitskräfte beschäftigen.

Immer dienstags schreiben Britta Weddeling und Axel Postinett, Korrespondenten des Handelsblatts im Silicon Valley, im Wechsel über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

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