Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.11.2015

13:54 Uhr

Valley Voice

Warum das Silicon Valley gerne Schlange steht

VonBritta Weddeling

Das Silicon Valley ist mal wieder im „Black Friday“-Fieber. Aber angesichts der großen Erfolge der „Sharing Economy“ mit ihren Milliardenbewertungen sollten wir nicht vergessen, was Teilen eigentlich mal bedeutete.

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Menschen in San Francisco lieben das Schlange stehen. Die wohlgeordneten Menschenreihen poppen überall auf, vor dem veganen Frühstücksrestaurant, dem sozial verantwortungsbewussten, Yoga-inspirierten Lululemon-Shop oder Whole Foods. Die Bio-Supermarktkette vertrieb zum Beispiel einmal „Spargelwasser“ – eine Flasche Wasser, in der drei Spargelstangen stecken – für 5,99 Dollar das Stück.

Die Leute stehen trotz der überzogenen Preise an. Fast als wäre die Schlange selbst das Must-have. Kein Apple-Launch geht über die Bühne ohne die tausend Camper vor der Eingangstür. Mensch, da ist eine Warteschlange – Apples Spargelwasser muss besonders gut sein.

An „Black Friday“ hat Warten Hochsaison. Am Tag nach Thanksgiving fällt die Masse der Shoppingbegeisterten in die Innenstädte ein und Kaufhäuser locken mit Sonderangeboten. Den größten Einkaufstag des Jahres verbringen die meisten vom Morgengrauen an auf dem Fußgängerweg und fiebern der Schnäppchenjagd entgegen.

Schlange stehen ruft ein Kollektivgefühl hervor. „Schwarzer Freitag“ – das ist die Idee, dass sich auch Leute einmal etwas leisten können, die den Flachbildschirm, die neue Apple Watch oder ein anderes teures Hightech-Produkt sonst nicht bezahlen können. Es ist die Idee, dass, wer nach den Regeln spielt, in der Schlange steht und wartet, irgendwann auch zum Zug kommt. „Black Friday“ – das ist das physische Erlebnis des amerikanischen Traums.

Unglücklicherweise hat der amerikanische Traum negative Seiten. Menschen wurden überrannt, es kam zum Einsatz von Pfefferspray, Messern und sogar Schusswaffen. Umso mehr feiert die Internet-Community nun die ersten Kaufhausketten, die zum Boykott von „Black Friday“ aufrufen und ihre Läden geschlossen halten. Gute Idee – aber lautet nicht die eigentliche Frage: Brauchen wir das überteuerte Spargelwasser, selbst mit 60-prozentigem Preisnachlass?

Es ist Thanksgiving in Silicon Valley und ich bin das erste Mal zu einem Dinner eingeladen. Ich bin kein Flüchtling, ich bin in diesem Land eine privilegierte Fremde. Aber ich kann eines sagen: Es ist ein großartiges Gefühl eingeladen zu sein. Angesichts von Uber, Airbnb, der ganzen Sharing-Economy mit ihren Milliardenbewertungen, vergessen wir leicht, was Teilen eigentlich meint. Es bedeutet Teilen – ohne die Erwartung einer Gegenleistung.

There is also an English version of this column.

Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr walter rehm

24.11.2015, 15:33 Uhr

Milliarden werden in Nanosekunden mit Hochfrequenzrechnern mit Algosystem im Casino der Reichen täglich verdient
alle zwei Wochen Montags die Tiefstkurse VOR Xetrastart das hat Sytem und Draghi zahlt alles

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×