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28.04.2015

14:42 Uhr

Valley Voice

Warum Hipster für die kalifornische Dürre verantwortlich sind

VonBritta Weddeling

In Silicon Valley können die Ideen gar nicht groß genug sein. Täglich erfinden Unternehmer, Visionäre und Entwickler in Kalifornien die Zukunft – von ein paar Kleinigkeiten mal abgesehen.

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Eine seltsame Sitte greift in den Restaurants von San Francisco um sich. Wer sich zum Abendessen setzt, findet eine bemerkenswerte Notiz auf seinem Tisch. „Wasser nur nach Aufforderung“, steht dort geschrieben. Ein neues Gesetz verbietet Gastronomen den anlasslosen Ausschank von Wasser wegen des aktuellen Dürreproblems. Seit vier Jahren regnet es kaum in Kalifornien, sogar der Grundwasserspiegel senkte sich.

Diesmal allerdings ist nicht der Klimawandel schuld. US-Farmer verbrauchen um die 80 Prozent der amerikanischen Wasserreserven, das meiste davon für den Mandel-Anbau. So viel kann kein Mensch im Restaurant vertrinken. Dieses Gesetz macht irgendwie keinen Sinn.

Mandelmilch ist übrigens das neue Super-Nahrungsmittel. Wenig Kalorien, kaum Cholesterin und Zucker. Hipster, besonders im Silicon Valley, finden so etwas klasse. Dass ausgerechnet Gesundheitsbewusstsein zur aktuellen Wasserarmut führte und damit die Hipster für die Dürre verantwortlich sind, hat eine eigene Ironie.

Aber es geht noch weiter. Hiesige Unternehmer sind meistens recht stolz darauf, dass sie mit ihren Erfindungen die Welt retten werden. Wahrscheinlich trinken sie dabei gerade einen Almond Latte. Groß denken, großartiger handeln, zu groß gibt es nicht im Valley. Wenn ein Unternehmer einen Geldgeber bei der Gründung einer Firma um Rat fragt und als Startsumme eine Million Dollar veranschlagt, gilt er geradezu als ehrgeizlos. Silicon Valley beschäftigt sich mit Reisen zum Mars – wen interessiert da schon die Wasserknappheit?

Das hat eine ähnlich diffuse Logik wie, sich mit neuen Energie-Ressourcen zu beschäftigen und gleichzeitig ganze Städte mit Klimaanlagen herunterzukühlen. Der Ehrgeiz, die Welt zu retten, hat seine Grenzen. Enthusiasmus ist großartig und wichtig, aber ein wenig ehrlicher dürfte es schon sein.

Kalifornien wäre natürlich nicht Kalifornien, wenn es nicht doch noch mit Ideen aufwarten würde.

Schauspieler William Shatner, Ex-Kapitän der USS Enterprise in der Science-Fiction-Serie „Star Trek“, schlug beispielsweise den Bau einer Wasser-Pipeline von Seattle nach Los Angeles vor. Andere haben gleich einmal ein neues Geschäftsmodell entwickelt. Für den Betrag von 300 Dollar besuchen Malermeister verzweifelte Hausbesitzer und frischen den von der Sonne versengten Rasen im Vorgarten mit frischer Farbe auf.

There is also an English version of this column.

Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neuesten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

28.04.2015, 15:24 Uhr

"Ein neues Gesetz verbietet Gastronomen den anlasslosen Ausschank von Wasser wegen des aktuellen Dürreproblems."

Dieses Gesetz ist geradezu DIE Parabel für das Versagen der Politik
(bzw. der derzeitigen politischen Systeme).

Und das gilt beileibe nicht nur für Kalifornien!!

Man könnte lachen, wenn nicht heute schon so viele kurz vorm Verzweifeln wären.

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