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03.02.2015

15:34 Uhr

Valley Voice

Warum man manchmal über Männer lachen sollte

VonBritta Weddeling

Ja, es gibt eine Macho-Kultur zwischen San Francisco und Mountain View und oft genug ärgere ich mich darüber. Aber manchmal hilft es, die Männer nicht zu ernst zu nehmen.

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Leute fragen mich oft, ob Silicon Valley nicht die Kultur fehle. Ich sage dann immer, ich kann das nicht beurteilen, meine Freunde geben keine Kammermusik-Konzerte, sie gehen surfen. Eine weitere übliche Frage ist, wie sehr ich eigentlich unter Sexismus leide. Ich sage dann, ich hätte schon davon gehört. Ich habe sogar schon einmal die Einwohner San Franciscos über ihren Ruf lachen hören, eine reine Männerdomäne zu sein, jüngst bei einer Inszenierung von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“.

Wie viele vielleicht aus der Schule wissen, geht es in der Komödie um eine junge Frau. Katharina, so heißt sie, will nicht dem weiblichen Stereotyp des 17. Jahrhunderts entsprechen, deshalb kleidet und benimmt sie sich wie ein Mann. Ich sollte vielleicht besser sagen: Sie verhält sich gemäß des männlichen Stereotyps des 17. Jahrhunderts.

Letztlich war die Inszenierung dann eher Comedy als Hochkultur. Das Beste daran fand ich, dass sie sich permanent an stereotypem Verhalten abarbeitete. Die Absurdität der Handlung – eine Frau muss ich verhalten wie ein Mann um erfolgreich zu sein – das passte irgendwie zu den Gender-Debatten von Silicon Valley. Das Publikum fand es auch ziemlich komisch.

Einen der Schauspieler kannte ich aus der HBO-Serie „Silicon Valley“, einer Parodie auf die Tech-Industrie. Thomas Middleditch, der in der Serie den schüchternen Entwickler Richard Hendriks verkörpert, Erfinder der berühmten Musik-App „Pied Piper“ spielte bei Shakespeare den verrückten König. Er machte ziemlich böse Witze über die männliche Technikversessenheit und unrasierte Geeks, die seit der Kindheit den ganzen Tag vor dem Computer sitzen.

Ist Silicon Valley eine Macho-Gesellschaft? Wahrscheinlich schon. Gibt es Sexismus in Silicon Valley? Ja, und immer wenn ich Geschichten höre von Investoren, die ihre Position ausnutzen, von sexuellen Übergriffen oder Frauen, die kein Geld für ihr Startup erhalten, nur weil sie eine Frau sind, ärgert mich das sehr.

Manchmal aber ist es auch einfach wahnsinnig komisch in einer Gegend zu leben, in der Männer nicht an den Umgang mit Frauen gewöhnt sind. Und dann sollte man Männer nicht immer so ernst nehmen. Manchmal ist es besser über sie zu lachen, wie das Shakespeare-Publikum. Letztes Wochenende beispielsweise sprach ich mit dem Manager eines großen Software-Konzerns. Nach dem zweiten oder dritten Drink gestand er mir, er müsse mich wiedersehen. Dann sagte er etwas Seltsames, ich bin bis heute nicht sicher, ob ich das als Kompliment gemeint war. Er sagte, er würde mich gerne wiedersehen - ich würde ihn an seine Mutter erinnern.

There is also an English version of this column.

Immer Dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

Kommentare (1)

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Herr Franz Paul

03.02.2015, 16:30 Uhr

Und was will frau mit diesem Artkel sagen? Nichts. Ja, dann einfach mal die Tastatur in Ruhe lassen.

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