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19.04.2016

14:06 Uhr

Valley Voice

Was im Game of Start-ups wirklich zählt

VonBritta Weddeling

Ständig fahren Gruppen von deutschen Unternehmern nach Kalifornien. Im Silicon Valley wollen sie etwas über das Geheimnis der digitalen Revolution erfahren. Dabei ist die Antwort ganz einfach.

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Wie jeder weiß, lieben die Deutschen das Reisen. Ich beispielsweise wuchs auf dem Fahrrad auf, im Urlaub unterwegs in den menschenleeren Niederlanden, immer gegen den Wind am rutschigen Deich. „Der Winter naht“ galt eigentlich permanent. Manchmal trafen wir ein Schaf.

Deutsche können sich schwer entspannen, besonders wenn sie verreisen. Jede zweite Woche, völlig unabhängig von der Jahreszeit, kommt eine Gruppe meiner neugierigen Landsleute im Silicon Valley vorbei, aus Industrie oder Telekommunikation, der Medienbranche oder der Politik.

Die Touristen wollen das Geheimnis von „Innovation“ und „Unternehmertum“ ergründen. Deshalb fahren sie mit den vierfarbigen Google-Rädern durch Mountain View – Deutsche lieben eben Fahrräder. Andere suchen nimmermüde im 1 Hacker Way in Menlo Park nach Mark Zuckerberg.

Wenn die mutigen Reisenden zurück zuhause sind, schwärmen sie vom besonderen „Spirit“, dem „Mut zum Risiko“ sowie „dem ganzen Geld, das gerade im Markt ist“. Diese Inhaltsstoffe mögen tatsächlich wichtig sein im Game of Start-ups.

Aber für den Erfolg im Valley gibt es noch einen anderen, sehr viel wichtigeren Grund. Harte Arbeit. Von Latte Macchiato trinken in Berlin-Mitte hat noch keiner eine Millionen-Firma gegründet. Außerdem braucht der Unternehmer jemanden, dem er vertraut. Das wurde mich klar, als ich zwei deutsche Programmierer kennenlernte, Florian Leibert und Tobias Knaup. Wir fuhren Anfang September mit dem Rad – was sonst – über die Golden Gate Bridge in San Francisco.

Die zwei Gründer von Mesosphere kennen sich seit der Schulzeit, das erste gemeinsame Geschäft: Floppy Discs in Schweinfurt verkaufen. Heute baut ihre Firma Software, mit denen Unternehmen ihre Datencenter besser nutzen können, sie spielt sozusagen Tetris in der Cloud.

Früher programmierten die zwei Freunde in einem kleinen Apartment im Stadtteil Mission. Heute haben sie 150 Angestellte und gerade eine Finanzierungsrunde in Höhe von 73,5 Millionen Dollar abgeschlossen. Unter den Investoren sind namhafte Unternehmen und Finanziers wie Hewlett Packard Enterprise, Andreessen Horowitz oder Khosla Ventures. Microsoft fungiert als strategischer Partner.

Nun ändern sie ihr Geschäftsmodell. Mesosphere wird seine Software als Open-Source-Lösung frei verfügbar machen, mit 60 Partnern aus der Tech-Industrie, darunter Accenture, Cisco, Hewlett Packard und Microsoft. Die Software namens „Datacenter Operating System“ macht es möglich, dass Firmen mehrere Aktionen auf einem Server zur gleichen Zeit ausführen können, was besonders wichtig ist, wenn eine Firma viele Nutzer hat.

„Mesosphere treibt die Cloud-Revolution voran“, sagte mir einer der Partner, Mark Russinovich, Technik-Chef von Microsofts Cloud-Business Azure, als ich mit ihm über das Projekt sprach. „Die Mesosphere-Technologie wird Unternehmen dabei helfen, Geschäftsmodelle zu entwickeln, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.“

Touristen in Silicon Valley sollten also nicht nach irgendeinem „Geist“ suchen, sondern nach Leuten, die Dinge geregelt bekommen – und vielleicht auch nach ziemlich besten Freunden.

There is also an English version of this column.

Immer dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

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