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17.02.2015

09:54 Uhr

Valley Voice zu Apple-Spekulationen

Viel Lärm um Nichts

VonBritta Weddeling

Möglicherweise arbeitet Apple an einem selbstfahrenden Auto oder an einer neuen Software – eventuell aber auch an etwas völlig anderem. Die einzige Sache, die bislang richtig gut läuft, sind die Spekulationen.

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Wie man hört, werkelt Apple an einem Geheimprojekt, das vielleicht ein Auto ist. Dem „Wall Street Journal“ zufolge arbeiten hunderte Mitarbeiter in Kalifornien an einem elektrischen Fahrzeug. Jedes Blog, jede Zeitung schreibt, für gewöhnlich ausschließlich in Superlativen, über das legendäre Team und sein Codewort „Titan“. Die Nachrichtenagentur Reuters will sogar herausgefunden haben, dass es bei „Titan“ um ein selbstfahrendes Auto geht. Die Spekulationen hören nicht auf. Die ganze Situation ist im Grunde lächerlich, weil eigentlich niemand wirklich etwas weiß.

Ich habe kein Auto, hatte nie eins und wollte auch nie. Für mich und viele meiner Freunde ist das Auto kein Statussymbol mehr. Wenn ich in Silicon Valley irgendwo hin will, benutze ich dazu die Fahrdienste Uber oder Lyft. Aber natürlich ist Apple 700 Milliarden Dollar wert und die Aktionäre wollen noch mehr Wachstum sehen. Warum sollte Apple das Design-Team unter John Ive da nicht mit der Konstruktion eines Autos beauftragen?

Tatsächlich testet der Software-Hersteller und iPhone- Erfinder permanent viele Ideen, manchmal aber auch ohne anschließend ein Ergebnis zu veröffentlichen. Wenn ein ehemaliges Startup wie Tesla die Auto-Szene aufschrecken kann, warum sollte Apple das dann nicht auch versuchen? Rivale Google arbeitet auch seit Jahren an einem selbstfahrenden Auto, genauso wie der App-Service Uber, auch wenn keiner so richtig weiß, wann aus der Idee mal etwas wird. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass wir zuerst mit Staus auf der Drohnen-Autobahn zu kämpfen haben werden.

Der Automobil-Sektor ist ein kosten- und zeitintensives Geschäft. Wie auch der Ex-Apple-Manager Jean-Louis Gassée in seinem Blog ausführt, machen die geringen Gewinnspannen die Autoindustrie für Apple nicht unbedingt interessanter. Außerdem verbessern Autos über die Zeit nicht unbedingt die Performance und sinken im Preis, anders als PCs oder iPhones. Wenn also Apple tatsächlich ins Auto will, dann wohl eher via Infotainment-System.

Derzeit sind Spekulationen über das selbstfahrende Autos tatsächlich das einzige, das von selbst läuft. Bislang wird Apples neues Auto weder mit Benzin noch mit Gas angetrieben sondern durch Blogs und Websites. Hat eigentlich schon jemand darüber nachgedacht, was wir in unseren neuen Apple-, Google-, Microsoft-, oder Amazon-Autos tun, wenn wir die Hände nicht mehr zum Fahren brauchen? Vielleicht bricht dann ja die Ära der Self-Driving Selfies an.

There is also an English version of this column.

Immer Dienstags schreibt Britta Weddeling, Korrespondentin für die Themen Internet und Netzwirtschaft des Handelsblatts im Silicon Valley, über die neusten Trends und kleinen Kuriositäten im Tal der Nerds.

Kommentare (1)

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Herr D.B. Bloveldt

17.02.2015, 10:13 Uhr

Der Hype um die selbstfahrenden Autos und Apple im Besonderen zeigt doch: Androiden sind keine Science-Fiction mehr, sondern endlich zum Greifen nah. Die Robotik wird die Gesellschaften inkl. Arbeits- und Finanzwelt auf den Kopf stellen. Die Robotisierung bzw. absolute Automatisierung unserer Lebensabläufe und Produktionsprozesse wird jedoch zunächst zur Massenarbeitslosigkeit der unteren Mittelschicht führen. Der Übergang zur Neuen Welt, in der die Maschinen für uns arbeiten, wird brutal werden. Die Politik ist wie immer nicht darauf vorbereitet.

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