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07.04.2014

13:54 Uhr

Verband Deutscher Zeitschriftenverleger

„Zeitschriften so stark genutzt wie noch nie“

In Deutschland kamen allein im vergangenen Jahr 111 neue Zeitschriften auf den Markt. Zwar machten auch 60 wieder dicht, dennoch ist die Lage insgesamt stabil, sagen die Verleger.

In der öffentlichen Diskussion bleiben Zeitungen und Zeitschriften klar Meinungsführer. dpa

In der öffentlichen Diskussion bleiben Zeitungen und Zeitschriften klar Meinungsführer.

BerlinZeitschriften werden nach Angaben der Verleger so stark genutzt wie noch nie. Trotz Computer und Smartphone lesen immer noch mehr als 90 Prozent der Deutschen Publikumszeitschriften auf Papier. Daneben erreichen die Online-Angebote der Verlage 72 Prozent der Bevölkerung. „Die Zeitschriftenverlage sind voll im Digitalen angekommen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Stephan Scherzer, am Montag in Berlin. „Print gegen Digital sind Schlachten von gestern.“

Beim Vertrauen der Leser haben einer Umfrage zufolge die traditionellen Medien ihren Vorsprung ausgebaut. Angesichts der weiter wachsenden Informationsflut setzen 77 Prozent der Nutzer auf die Zuverlässigkeit von Zeitungen und Zeitschriften, Radio und Fernsehen. Im vergangenen Jahr waren es noch 63 Prozent. Zeitungen und Zeitschriften blieben auch klar Meinungsführer in der öffentlichen Diskussion. Mit vier von fünf Nennungen waren sie eindeutig die meistzitierten Medien.

Für 2014 rechnen die Zeitschriftenverleger laut Scherzer mit einem stabilen Jahr. Der Umsatz werde über alle Geschäftsfelder etwa bei den 14,85 Milliarden Euro von 2013 bleiben. Die Trendumfrage des Verbands lasse zwar bei den Anzeigen ein Minus von 1,5 Prozent, beim Vertrieb 0,5 Prozent weniger erwarten. Dafür rechne man im Digital- und Online-Geschäft mit teils deutlichen Zuwächsen. Die Auflage der Publikumszeitschriften ging leicht von 109,7 (2012) auf 106,4 im vergangenen Jahr zurück, gleichzeitig gab es 51 Titel mehr am Markt.

Das Digitalgeschäft von Springer

Alles aufs Internet

Die Wurzeln der Axel Springer AG liegen im Zeitungsgeschäft, doch Konzernchef Mathias Döpfner setzt voll auf das Internet. Er verkaufte die traditionsreichen Regionalzeitungen „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“ wie auch die TV-Zeitschrift „Hörzu“ an die Funke-Gruppe. Die Einnahmen will Döpfner ins Digitalgeschäft investieren. Schon jetzt ist der Konzern hier sehr aktiv – nicht nur mit seinen Medienmarken.

Digitaler Journalismus

„Bild“ und „Welt“ sind im deutschsprachigen Internet wichtige Adressen. Die Axel Springer AG bietet einen Teil der Inhalte kostenlos an, hofft aber, den Umsatz mit Bezahlschranken zu steigern. Bei der „Welt“ können Nutzer nur 20 Artikel im Monat kostenlos lesen – ab dem 21. Text müssen sie ein Abo abschließen. Die Online-„Bild“ setzt auf das Freemium-Modell: Ein großer Teil der Inhalte ist kostenlos, für bestimmte Geschichten müssen die Leser zahlen.

Rubrikenanzeigen

Rubrikenanzeigen wandern mehr und mehr ins Internet ab. Die Axel Springer AG will mit Portalen für Immobilien, Jobs und Autoverkäufe von diesem Trend profitieren. Zu den Tochterfirmen gehören beispielsweise Immonet, das Stellenportal Stepstone und das Städteportal meinestadt.de.

Digitale Werbeprospekte

Der Zeitung liegen oft gedruckte Werbeprospekte bei – mit der Tochterfirma Kaufda übertragt Springer das Konzept ins digitale Zeitalter. Nutzer können die Broschüren der Einzelhändler aus ihrer Stadt gebündelt aufrufen und durchsuchen.

Online-Werbung

Mit der Mehrheitsbeteiligung Zanox ist Springer im Online-Marketing aktiv. Der Dienstleister vermittelt über seine Plattform Werbung – Provisionen bekommt er, wenn ein Geschäft zustande kommt. Deswegen ist auch vom erfolgsbasierten Online-Marketing die Rede. Zanox ist nicht nur in Europa, sondern auch in den USA aktiv.

Preisvergleiche

Das Portal idealo.de vergleicht Preise und bündelt Testberichte und Nutzermeinungen zu Produkten. Aktiv ist es in etlichen europäischen Ländern sowie in den USA. Springer gehören 74,9 Prozent des Unternehmens.

Konkurrenz setzt auf Handel und Spiele

Auch andere Medienhäuser suchen nach neuen Einnahmequellen – und entfernen sich dabei noch weiter vom Stammgeschäft. Burda etwa setzt auf den Online-Handel, unter anderem mit Tierfutter. Die TV-Kette Prosieben Sat.1 investiert in Online-Spiele.

„Die deutschen Zeitschriftenverleger tragen mit über 6000 periodisch erscheinenden Titeln, Websites und mobilen Angeboten zur Informationsvielfalt in unserer pluralen Gesellschaft bei“, sagte Scherzer. Er warnte vor weiteren Werbeverboten und forderte einen reduzierten Mehrwertsteuersatz auch für digitale Medienprodukte. Zudem müsse die EU das wettbewerbswidrige Verhalten von Google unterbinden, mit der Suchmaschine eigene Angebote zu bevorzugen.

Dem Verband der Zeitschriftenverleger gehören eigenen Angaben zufolge rund 430 Verlage mit mehr als 3000 Titeln an - rund 80 Prozent des deutschen Zeitschriftenmarktes.

Von

dpa

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