Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.07.2016

15:17 Uhr

Verizon kauft Yahoo

Der Internet-Dino wird zum Schnäppchen

Verizon kauft das Kerngeschäft von Yahoo für 4,83 Milliarden Dollar – ein Schnäppchenpreis. Damit ist das Ende des einstigen Internet-Giganten besiegelt: Yahoo soll mit der Verizon-Tochter AOL verschmelzen.

Yahoo verliert Eigenständigkeit

5 Milliarden Dollar: Verizon übernimmt Yahoo

Yahoo verliert Eigenständigkeit: 5 Milliarden Dollar: Verizon übernimmt Yahoo

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

San FranciscoDer Internetpionier Yahoo verliert nach langer Krise seine Eigenständigkeit. Der Telekomkonzern Verizon kauft das Kerngeschäft von Yahoo für 4,83 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Montag bestätigte. Verizon sichert sich damit einen relativ günstigen Deal. Denn Analysten hatten den Wert der Internet- und E-Mail-Sparte von Yahoo zuletzt auf sechs bis acht Milliarden Dollar geschätzt. Damit bleibt von Yahoo nur noch eine Investmentgesellschaft übrig, die nach Abschluss des Geschäfts ihren Namen ändern wird.

Das Internet dominieren vor allem Google und Facebook. Yahoo kann dieser Übermacht nicht mehr viel entgegensetzen, obwohl Firmenchefin Marissa Mayer eine Trendwende versprochen und dafür auch viel Geld in Übernahmen investiert hatte. Die Zahlen wurden aber nicht besser. Unter dem Druck eines Milliarden-Verlustes hatte Mayer dann im Februar die Reißleine gezogen und den Verkauf angekündigt.

Wichtige Momente der Yahoo-Geschichte

1994

Die Studenten Jerry Yang und David Filo gründen „Jerry und Davids Wegweiser für das World Wide Web“, ein nach Themen geordnetes Verzeichnis von Webseiten. Wenig später ändern sie den Namen in Yahoo.

1996

Yahoo geht an die Börse.

2000

Yahoo ist zeitweise mehr als 120 Milliarden Dollar wert. Anders als der Konkurrent AOL, der Time Warner übernehmen will, nutzt der Internet-Pionier die Bewertung nicht für einen großen Deal. Mit dem Platzen der Internet-Börsenblase fällt die Aktie um rund 90 Prozent.

2002

Yahoo-Chef Terry Semel versucht, für drei Milliarden Dollar Google zu kaufen. Die Gründer Larry Page und Sergey Brin lehnen ab.

2004

Yahoo versucht, ein eigenes Suchmaschinengeschäft aufzubauen.

2006

Semel, ein früherer Chef des Filmstudios Warner Brothers, will Mark Zuckerberg für eine Milliarde Dollar Facebook abkaufen. Zuckerberg überlegt, entscheidet sich aber gegen einen Verkauf.

2008

Microsoft bietet rund 45 Milliarden Dollar für Yahoo, um sein Web-Geschäft im Konkurrenzkampf mit Google aufzurüsten. Mitgründer Yang, der Semel inzwischen an der Spitze abgelöst hatte, lehnt ab.

2009

Microsoft liefert in einem auf zehn Jahre ausgelegten Deal die Suchmaschinen-Technologie für Yahoo.

2012

Nachdem mehrere Top-Manager scheitern, holt sich Yahoo Google-Managerin Marissa Mayer an die Spitze. Sie will das Mediengeschäft ausbauen und wieder in die Websuche zurückkehren.

2013

Mayer kauft für rund eine Milliarden Dollar die Blogplattform Tumblr, um jüngere Nutzer anzulocken.

2015

Yahoo will den rund 30 Milliarden Dollar teuren Anteil von 15 Prozent am chinesischen Online-Riesen Alibaba steuerfrei für die Aktionäre abspalten. Die US-Steuerbehörde signalisiert jedoch, dass sie den geplanten Deal nicht durchgehen lassen wird.

2016

Yahoo stellt sein Web-Kerngeschäft zum Verkauf, die Beteiligungen an Alibaba und Yahoo Japan sollen in der alten Gesellschaft bleiben. Der US-Telekommunikationskonzern Verizon übernimmt im Juli das Kerngeschäft für 4,83 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro).

Nicht abgestoßen werden die Beteiligungen an dem chinesischen Online-Händler Alibaba und Yahoo Japan. Diese waren zuletzt viel mehr wert als das angestammte Internetgeschäft von Yahoo. Insidern zufolge hatten sich auch der Telekom-Konzern AT&T sowie einige milliardenschwere Investoren für Yahoo interessiert. Im vorbörslichen US-Handel zogen Verizon-Aktien am Montag leicht an, während Yahoo-Papiere 1,5 Prozent im Minus lagen.

Verizon-Chef Lowell McAdam kündigte an, Yahoo werde mit der Konzerntochter AOL verschmolzen. So solle ein „führendes weltweites Unternehmen für mobile Medien“ entstehen. Verizon erhoffe sich dadurch einen Schub für das Geschäft mit Werbung im Internet. Verizon hatte im vergangenen Jahr AOL für 4,4 Milliarden Dollar gekauft. Der Konzern dominiert zusammen mit dem etwa gleichgroßen Rivalen AT&T den riesigen amerikanischen Mobilfunkmarkt. Zuletzt hat das Unternehmen, das auf einen Jahresumsatz von 132 Milliarden Dollar kommt, massiv in den Ausbau des Breitbandnetzes investiert.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer erklärte, Yahoo sei ein Unternehmen, „das die Welt verändert hat“. Und es werde dies nach dem Zusammenschluss mit Verizon und AOL weiter tun. Das Geschäft sei „ein wichtiger Schritt“, um den Wert des Unternehmens für die Aktionäre zu steigern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×