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04.11.2013

18:30 Uhr

Verkauf abgesagt

Heins scheitert mit Blackberry-Rettung

Thorsten Heins Plan geht nicht auf: Der deutsche Manager wollte Blackberry retten, indem er den Smartphone-Hersteller verkauft. Stattdessen gibt jetzt Großaktionär Fairfax frisches Geld – und Heins muss gehen.

Mission gescheitert: Der deutsche Manager Thorsten Heins nimmt nach nur kurzer Amtszeit seinen Hut bei Blackberry, der geplante Verkauf ist abgesagt. Imago

Mission gescheitert: Der deutsche Manager Thorsten Heins nimmt nach nur kurzer Amtszeit seinen Hut bei Blackberry, der geplante Verkauf ist abgesagt.

New YorkÜberraschende Wende bei Blackberry: Der schwer angeschlagene Smartphone-Pionier ändert seine Sanierungspläne. Der geplante Verkauf werde abgesagt, stattdessen soll eine Milliarde Dollar frisches Geld eingesammelt werden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Das Geld soll vom Großaktionär Fairfax und weiteren Investoren kommen.

Der aus Deutschland stammende Chef Thorsten Heins nimmt seinen Hut, sobald das frische Kapital eingegangen ist. „Die heutige Ankündigung stellt ein deutliches Zeichen der Zuversicht in Blackberry dar“, erklärte Noch-Verwaltungsratschefin Barbara Stymiest am Sitz in Waterloo nahe Toronto. Auch sie räumt ihren Posten. Neuer Mann an der Spitze wird der erfahrene Technologie-Manager John Chen. Dieser ist als Chef des US-Software-Entwicklers Sybase bekanntgeworden, den SAP im Frühjahr 2010 für umgerechnet 4,6 Milliarden Euro erworben hat.

Der kommissarische Chef gibt sich kampfbereit: „Blackberry ist eine Kultmarke mit enormen Potenzial“, erklärte Chen bei seiner Ernennung. „Doch es wird Zeit, Disziplin und harte Entscheidungen verlangen, um wieder erfolgreich zu werden.“ Chen arbeitete zwischenzeitlich auch bei Siemens – von wo Blackberry einst Heins abgeworben hatte.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

Thorsten Heins hatte die Führung bei Blackberry im Januar 2012 übernommen. Trotz eines neuen Betriebssystems und neuer Smartphone-Modelle gelang es ihm nicht, den Sinkflug zu stoppen. Das Blackberry-Modell Z10, das zu Jahresbeginn die Wende zum Besseren einläuten sollte, erwies sich als teurer Ladenhüter und führte zu einer Abschreibung von fast einer Milliarde Dollar. Auch das neue Z30-Modell, das bessere Testnoten als das Z10 bekam, ist bislang kein Bestseller. Viele Kunden wanderten zu Apples iPhone, Android- oder Windows-Smartphones ab.

In der jüngsten Absatzstatistik des Marktforschers IDC taucht Blackberry schon gar nicht mehr auf. Stattdessen finden sich unter den fünf größten Herstellern Namen wie Huawei, Lenovo oder LG - alles Firmen, die früher kaum mit Smartphones in Verbindung gebracht wurden. Platzhirsche sind Samsung und Apple. Und IDC sagt einen weiteren Niedergang von Blackberry voraus: Bis zum Jahr 2017 werde der Marktanteil von heute 2,7 auf 1,7 Prozent schrumpfen. Das sind düstere Aussichten.

Heins musste wiederholt Verluste verkünden und kündigte tausende Stellenstreichungen an. In der aktuellen Runde sollen 40 Prozent der Belegschaft gehen – und nun auch Thorsten Heins selbst.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

04.11.2013, 16:33 Uhr

Oh, unser "Man on a Mission" hat ein neues Feindbild nach der GEZ.

Account gelöscht!

04.11.2013, 18:57 Uhr

Blackberry steht für sicher Kommunikation. Eigentlich sollten sich mindestens die Manager darum reißen und die Dinger auch wieder ihre Firma anschaffen. Die NSA als Komplize für Blackberry. Bin gespannt, ob die was daraus machen.

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