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15.06.2017

17:38 Uhr

Verkauf der Chipsparte

Toshiba rutscht in einen Bieterkrieg

VonMartin Kölling

Die einstige Ikone der Japan AG will seine lukrative Chipsparte verkaufen, um ein Rumpf-Toshiba zu retten. Doch der US-Chiphersteller Western Digital will den Verkauf an andere Firmen juristisch verhindern. Toshiba drohen nun schicksalhafte Wochen.

Japans Chipriese steckt in einer tiefen Krise. Reuters

Toshiba

Japans Chipriese steckt in einer tiefen Krise.

TokioDer schwere japanische Krisenfall Toshiba hat schon viele Deadlines für seine Quartals- und Jahresbilanzen verpasst. Doch nun droht ein eskalierender juristischer Streit mit einem bisherigen Partner, den wichtigsten Teil von Toshibas Rettung zu verzögern: den Verkauf seiner lukrativen Chipsparte.

Der amerikanische Chiphersteller Western Digital, mit dem Toshiba ein Speicherchipfabrik zusammen betreibt, hatte bereits ein internationales Schiedsgerichts angerufen. Denn es hält den geplanten Verkauf der Chipsparte an ein anderes Unternehmen für einen Vertragsverstoß. Doch am Mittwoch amerikanischer Westküstenzeit kündigten die Amerikaner zusätzlich eine einstweilige Verfügung bei einem kalifornischen Gericht an, um das heißumkämpfte Bieterverfahren um Toshibas Tafelsilber zu stoppen.

Toshiba antwortete am Donnerstag zwar, dass das Management weiterhin bis zum 28. Juni den Deal beschließen wolle. Aber die drohende einstweilige Verfügung dürfte die Verhandlungen mit drei anderen Bietergruppen erschweren, die vom halbstaatlichen Rettungs- und Investmentfonds Innovation Network Corp of Japan (INCJ), dem US-Chiphersteller Broadcom und dem taiwanesischen Auftragsfertiger Foxconn angeführt werden.

Denn sollte das Gericht gegen Toshiba entscheiden, dürften die Gespräche „eigentlich auf Eis gelegt werden“, meint Annerose Tashiro, Leiterin der Internationalen Abteilung bei Schultze & Braun. „Denn die Käufer brauchen ja eine gesicherte Rechtsposition und müssen eindeutig wissen, dass Toshiba auch wirklich verkaufen kann, was es behauptet.“

Toshiba verkauft Chipsparte: Interessent stockt Offerte offenbar auf

Toshiba verkauft Chipsparte

Interessent stockt Offerte offenbar auf

Toshiba kann offenbar mit einem deutlich höheren Angebot für seine Chipsparte rechnen: Eine Nachrichtenagentur berichtet unter Berufung auf Insider, dass Western Digital 16 Milliarden Euro dafür bieten will.

Das Problem: Toshiba kann sich in diesem Fall keine lange Verschiebung leisten. Das Unternehmen hat die auf mindestens 16 Milliarden Euro taxierten Einnahmen aus dem Verkauf fest eingeplant. Mit dem Kapital will es nach der Pleite seiner ehemaligen US-Atomkraftwerkssparte Westinghouse rasch ein positives Eigenkapital aufzubauen und damit ein Delisting von der Börse vermeiden.

Schon finanziell ist die Aufgabe enorm: Überraschende Milliardenverluste bei Westinghouse haben Toshibas Eigenkapital im im März abgelaufenen Bilanzjahr um zwei Milliarden Euro ins Minus gedrückt. Zusätzlich drohen Toshiba noch weitere Zahlungen für zwei US-Atomkraftwerksprojekte in Milliardenhöhe.

Darüberhinaus fordern diverse Aktionärsgruppen bereits mehr als ber 100 Milliarden Yen Schadenersatz für einen früheren Bilanzskandal und die Krise der Atomsparte. Experten schätzen daher, dass Toshiba mindestens 13 Milliarden Euro aus dem Verkauf einstreichen muss, um ein Delisting sicher zu vermeiden. Die derzeit oft als Mindestangebot kolportierten 16 Milliarden Euro würden bedeuten, dass der Börsenwert von Toshibas Chipsparte auf den 18-fachen Reingewinn taxiert werden würde – ein nicht unsportlicher Wert.

Doch auch zeitlich ist es knapp. Das Zeitfenster betrage „vielleicht noch wenige Wochen, längstens ein paar Monate“, warnt Tashiro. Denn der Deal müsste bis Ende März 2018 noch global von mehreren Kartellbehörden abgenickt werden, da Toshiba nach dem südkoreanischen Konzern Samsung Electronics immerhin zweitgrößter Hersteller von Speicherchips für mobile Geräte ist. Noch ist offen, wie die Japaner sich aus der Zwickmühle befreien wollen.

Denn nachdem die Japan AG monatelang Toshiba nicht helfen wollte, mischt inzwischen die Regierung beim Verkauf mit. So ist der halbstaatliche Rettungs- und Investmentfonds Innovation Network Corporation of Japan (INCJ) zu einem der wichtigsten Mitbieter aufgestiegen, um Toshibas Knowhow bei Speicherchips in Japan zu halten.

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