Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.03.2006

15:03 Uhr

Verkauf der Tochter

Vodafone räumt in Japan das Feld

VonNicole Bastian und Axel Postinett

Sayonara – Auf Wiedersehen. Für den britischen Mobilfunkriese Vodafone ist Japan zum Reich der untergehenden Sonne geworden. Ein anderes Unternehmen steigt dafür mächtig auf.

DÜSSELDORF/TOKIO. Mit dem Verkauf der krisengeschüttelte Tochter an den Tokioter Internet- und Breitbandanbieter Softbank für umgerechnet rund 12,3 Mrd. Euro ist der Rückzug aus einem der wichtigsten Mobilfunkmärkte der Welt besiegelt. Der Druck der einheimischen Marktführer NTT Docomo und KDDI war einfach zu groß.

Die Vodafone-Aktie reagierte mit Kursgewinnen, da nun eines der größten Problemfelder bereinigt ist und ein Großteil des Geldes an die Aktionäre ausschütten werden soll.

Die Frage im Markt ist jetzt, ob auch noch die USA für Vodafone verloren gehen werden. Dort steckt der Konzern in einer Minderheitsbeteiligung an Verizon Wireless fest. Mehrheitseigner Verizon Communication will Vodafone auskaufen, um die Blockade im Unternehmen aufzuheben und stärker zu investieren. Vodafone lehnt das derzeit kategorisch ab, kann aber seinerseits auch nicht auf über 50 Prozent aufstocken. „Wir sind glücklich mit unserem 45 prozentigen Anteil an Verizon“, erklärte Vodafone Chef Arun Sarin trotzig auf einer Pressekonferenz. Auch werde sich die strategische Ausrichtung nach Vodafones Verkauf in Japan nicht ändern.

Die Internetfirma Softbank entwickelt sich derweil durch den mit hohen Krediten finanzierten Übernahmecoup zu einem der dominierenden Spieler bei der Infrastruktur für Internet und Telekommunikation. Die Tochter Yahoo BB (BB = Broadband) ist bereits führender Anbieter von DSL-Verbindungen und Softbank die dominierende Website, heißt es.

Präsident Masayoshi Son will die Mobilfunkaktivitäten mit dem vor zwei Jahren erworbenen Festnetzgeschäft mit rund 11 Mill. Kunden zusammenlegen. Der Markenname steht noch nicht fest, doch weder Yahoo noch Vodafone kommen in Frage. Denn Vodafone will in Japan vertreten bleiben und erwägt Inhaltekooperationen mit Softbank. Eine Rückkehr zur alten erfolgreichen Marke „J-Phone“ – so hieß Vodofone K.K. vor dem Kauf durch die Briten – wird nicht ausgeschlossen.

Softbank kauft sich und seiner neuen Tochter vor allem Zeit. So könne man vom Start der Nummernportabilität voraussichtlich ab November bereits jetzt profitieren, argumentierte das Unternehmen. Dann wird es Mobilfunkkunden in Japan deutlich erleichtert, den Anbieter zu wechseln.

Sons Expansionsdrang kostet allerdings viel Geld. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Softbank bei 837 Mrd. Yen Umsatz (rund 6 Mrd. Euro) gut 59 Mrd. Yen (427 Mill. Euro) Nettoverlust eingefahren. Vom Kaufpreis für den 97,68-prozentigen Anteil wird Vodafone 6,8 Mrd. Pfund (9,8 Mrd. Euro) in bar erhalten. 6 Mrd. Pfund sollen an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×