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26.02.2012

21:17 Uhr

Verlage

Harry Potters reiche Erben

VonKatharina Slodczyk

Zwei Mini-Verlage in Großbritannien sind mithilfe des Zauberlehrling und der Stieg Larsson-Reihe zu Großen der Branche geworden. Nun versuchen sie sich an Fach- und Frauenliteratur und wollen im Ausland weiter wachsen.

Harry Potter-Romane in einem Londoner Buchladen. dpa

Harry Potter-Romane in einem Londoner Buchladen.

LondonEs waren magische Wachstumsraten, die der Zauberlehrling Harry Potter dem britischen Verlag Bloomsbury Publishing bescherte: 2007 etwa, als der siebte und letzte Band „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ erschien, legte die Kinderbuchsparte gegenüber dem Vorjahr um 260 Prozent zu. Seitdem hat der Verlag ein Problem: Er braucht neue Umsatz- und Gewinnquellen – Ersatz für die Abenteuer des Waisenjungen mit den übersinnlichen Kräften.

Den sucht der Verlag jetzt unter anderem in Indien. Dort will sich Bloomsbury ein eigenes Standbein aufbauen. „Wir wollen nicht nur unsere Bücher in Indien vertreiben, wie wir es schon mit Hilfe von Partnern machen“, sagt Vorstandsmitglied Richard Charkin dem Handelsblatt, „wir wollen auch neue Bücher herausgeben.“

Gut zwei Kilometer östlich der Bloomsbury-Zentrale stellt sich ein anderer Londoner Verlag vergleichbare Fragen. Quercus feierte mit einer dreiteiligen Krimiserie des schwedischen Autoren Stieg Larssons einen ähnlichen Ausnahmeerfolg wie Bloomsbury. Larssons Trilogie katapultierte den Kleinverlag Quercus in eine andere Liga. Gesucht wird jetzt eine Strategie, um dort zu bleiben und weiter zu wachsen. Quercus und Bloomsbury forcieren daher ihre Expansion ins Ausland.

Indien etwa steht bei Bloomsbury nicht von ungefähr oben an. In dem Land legt der Umsatz mit englischsprachiger Literatur um zwölf Prozent pro Jahr zu. Das ist zwar wenig im Vergleich zu den Harry-Potter-Hochzeiten. Doch angesichts des stagnierenden Buchgeschäfts in Großbritannien und USA – bislang Bloomsburys wichtigste Märkte –ist Indien attraktiv.

Die Zauberwelt des Harry Potter hat die Umsätze des Verlags zeitweise verzehnfacht: Sie lagen 2007 bei 150 Millionen Pfund – knapp 180 Millionen Euro. In seinen profitabelsten Zeiten erwirtschaftete Bloomsbury 17 bis 20 Millionen Pfund Vorsteuergewinn pro Jahr. Einnahmen und Überschüsse sind inzwischen gesunken – der Umsatz lag zuletzt bei 103 Millionen Pfund, der Vorsteuerprofit bei 4,2 Millionen Pfund.

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