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16.07.2013

11:12 Uhr

Verlorener Kampf

TV-Hersteller Loewe beantragt Gläubigerschutz

Der schwer angeschlagene Fernseherhersteller Loewe will mit einem Antrag auf Gläubigerschutz wieder auf die Beine kommen. Der Vorstand will beim Amtsgericht Coburg die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens beantragen.

Fernseher von Loewe: Der Hersteller steckt schon länger in Schwierigkeiten. dpa

Fernseher von Loewe: Der Hersteller steckt schon länger in Schwierigkeiten.

Mit einem Antrag auf Gläubigerschutz will der schwer angeschlagene Fernseherhersteller Loewe sein Überleben sichern. Der Vorstand kündigte am Dienstag an, beim Amtsgericht Coburg einen Antrag auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung für Loewe und die Tochtergesellschaft Loewe Opta zu stellen. „Während der auf drei Monate befristeten Phase des 'Schutzschirms' ist Loewe vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen der Gläubiger geschützt und bleibt voll handlungsfähig“, teilte das Unternehmen mit. Der Geschäftsbetrieb im nordbayerischen Kronach werde uneingeschränkt fortgeführt.

Deutschland hatte das Schutzschirmverfahren als besondere Form des Insolvenzverfahrens im vergangenen Jahr eingeführt, um angeschlagenen Unternehmen die Angst vor dem Insolvenzrichter zu nehmen. Voraussetzung ist, dass eine Zahlungsunfähigkeit lediglich droht, aber noch nicht eingetreten ist. Das Management bleibt in so einem Fall am Ruder und darf sich sogar den vom Gericht zu ernennenden Sachwalter selbst aussuchen.

Loewe leidet seit Jahren unter Verlusten und sinkendem Umsatz. Vor allem koreanische Konkurrenten wie Samsung oder LG setzen der Firma zu. Die Modelle aus Asien kosten oft nur einen Bruchteil der Loewe-Geräte, die häufig mit mehr als 2000 Euro zu Buche schlagen.

Welche deutschen TV-Traditionsmarken verschwunden sind

Loewe

Das Traditionsunternehmen aus dem oberfränkischen Kronach positioniert sich im Premiumsegment. Doch die Nachfrage ist eingebrochen, auch wenn die Marke stark ist. Im Juli 2013 beantragte die Firma Gläubigerschutz.

Metz

Seit über 70 Jahren entwickelt und fertigt das Unternehmen Flachbildfernseher und Fotoblitzgeräte am Standort Zirndorf bei Nürnberg. Die Produkte werden über Fachhändler vertrieben. Um nicht nur von der Unterhaltungselektronik abhängig zu sein, ist Metz auch in der Kunststofftechnik tätig.

Grundig

Die Fernseher von Grundig galten lange als Symbol des deutschen Wirtschaftswunders. Doch das Familienunternehmen unterschätzte die Konkurrenz. Nach starken Umsatzeinbußen gepaart mit Verlusten musste die Traditionsfirma 2003 Insolvenz anmelden. Grundig ging später an ausländische Käufer.

Nordmende

Bereits in den 30er-Jahren stieg das Bremer Unternehmen zu einem der führenden deutschen Rundfunkgerätehersteller auf. Später produzierte Nordmende auch Fernseher, Tonbandgeräte und Plattenspieler. Einige Zeit nach dem Verkauf des Unternehmens an den französischen Thomson-Brandt-Konzern wurde die Marke Nordmende aufgegeben.

Telefunken

Der Spezialist für Funk- und Nachrichtentechnik hat in den Jahren seiner Geschäftstätigkeit viele wichtige Patente angemeldet. Gleichwohl hat das Unternehmen in den 80er-Jahren wichtige internationale Entwicklungen verpasst, sodass von dem Unternehmen nur noch die Verwaltung des Markennamens übrig blieb.

Saba

Die Schwarzwälder-Apparate-Bau-Anstalt, kurz Saba, war ein Rundfunkgerätehersteller mit langer Tradition. Zuletzt war das Unternehmen Bestandteil eines chinesisch-französischen Joint Ventures. 2007 meldete Saba Insolvenz an.

Schneider Rundfunkwerke

Der schwäbische Hersteller von Unterhaltungselektronik fertigte einst Musik-Kompaktanlagen, TV-Geräte und sogar Computer. 2002 rutschte Schneider aber in die Insolvenz. Im Zuge dessen wurden die Markenrechte und Produktionsanlagen an den chinesischen TCL-Konzern veräußert.

Die Loewe-Aktie fiel nach der Mitteilung um bis zu 27 Prozent. Das ist der zweitgrößte Tagesverlust der Unternehmensgeschichte. Mit 1,45 Euro waren die Titel zeitweise so billig wie zuletzt vor dreieinhalb Wochen.

Mit dem Schritt will sich der Vorstand um Matthias Harsch Firmenangaben zufolge den Rücken frei halten, um Loewe schneller zu restrukturieren und die neue Unternehmensstrategie umzusetzen. Loewe will sich gemeinsam mit strategischen Partnern und Investoren neu ausrichten. Der TV-Hersteller hatte bereits angekündigt, seinen Aktionären Ende Juli Details zu den Verhandlungen mit potenziellen Rettern aus dem Fernen Osten zu nennen. Ein Investor soll Harsch zufolge einerseits Panels für die Flachbildschirme liefern, andererseits auch frisches Kapital mitbringen. Großaktionär von Loewe ist der selbst krisengeschüttelte japanische Elektronikkonzern Sharp.

Loewe bittet seine Anteilseigner am 31. Juli zur Hauptversammlung nach Berlin, um ihnen unter anderem offiziell mitzuteilen, dass das Traditionsunternehmen die Hälfte seines Eigenkapitals verbraucht hat. Üblicherweise trafen sich die Aktionäre in der Vergangenheit in München.


Von

rtr

Kommentare (7)

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Frieda

16.07.2013, 10:59 Uhr

Das sollte der Politik zu denken geben. Interessant wäre zu vergleichen, wieviel Prozent des Umsatzes ausländischen Wettbewerbern für Entwicklung, Marketing bleiben und wie hoch der dem Unternehmen verbleibende Gewinn ist.

Gewinn machen heisst auch Substanz gewinnen. Und daran mangelt es deutschen Unternehmen.

Stephan

16.07.2013, 12:36 Uhr

Aber die Grünen und die SPD werden das ja zu richten wissen. Die werden Ihre Fehler leider erst dann erkennen,wenn es nur noch bei der eigenen Klientel etwas zu holen gibt.

Rolls-Reus

16.07.2013, 12:44 Uhr

Loewe ist (war) tolle Qualität zu unfassbar hohen Preisen (geschätzt 2-3-fach in Relation zu gängiger _Marken_konkurrenz).

Für mich ein Wunder, dass das so lange gut ging.

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