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09.02.2012

18:49 Uhr

Verlust in Q4

Thomson Reuters schreibt Milliarden ab

Der Finanzdatenspezialist Thomson Reuters hat das vergangene Quartal wegen einer milliardenschweren Wertberichtigung mit hohen Verlusten abgeschlossen.

Eine Wertberichtigung macht Thomson Reuters zu schaffen. ap

Eine Wertberichtigung macht Thomson Reuters zu schaffen.

New YorkDer Finanzdatenspezialist Thomson Reuters hat das vergangene Quartal wegen einer milliardenschweren Wertberichtigung mit hohen Verlusten abgeschlossen. Der erst seit gut einem Monat amtierende neue Konzernchef James Smith ließ eine Abschreibung auf das Geschäft mit Finanzmarktkunden von drei Milliarden Dollar verbuchen. Das führte zu einem Quartalsverlust von 2,57 Milliarden Dollar, wie Thomson Reuters am Donnerstag mitteilte. Vor einem Jahr hatte der Nachrichten- und Datenanbieter noch 224 Millionen Dollar verdient. „Damit tragen wir der Tatsache Rechnung, dass die Welt sich seit 2008 sehr verändert hat“, sagte Smith. „Wir lassen
damit auch die Vergangenheit Vergangenheit sein und konzentrieren uns auf unsere Zukunft.“

Die Abschreibung betrifft den Firmenwert des britischen Nachrichtenanbieters Reuters in der Konzernbilanz, den die kanadische Mediengruppe Thomson 2008 übernommen hatte. Thomson hatte 17,2 Milliarden Dollar für Reuters bezahlt, die Abschreibung nun entspricht rund 17 Prozent des damals bezahlten Kaufpreises. Das Geschäft mit Finanzmarktkunden, größtenteils identisch mit den übernommenen Reuters-Geschäften, ist seit einiger Zeit das Sorgenkind des Konzerns, der seinen langjährigen Chef Tom Glocer im Dezember gegen Smith ausgetauscht hat.

Der ehemalige Reuters-Chef Glocer hatte die Fusion damals vorangetrieben und als Chef des verschmolzenen Konzerns mit Umbauten versucht, das Geschäft mit den Finanzkunden auf Vordermann zu bringen. Allerdings zog die Finanzkrise die Hauptkundschaft der Sparte Markets, die Banken, kräftig in Mitleidenschaft und beeinträchtigte die Geschäfte von Thomson Reuters mit Daten- und Nachrichtenterminals für Händler und Fondsmanager.

Mit einem Umsatzanteil von 58 Prozent ist das Finanzmarktgeschäft zwar immer noch die größere der beiden Konzernsäulen. Die ehemals Markets genannte Sparte steigerte ihren Umsatz im vierten Quartal um zwei Prozent auf 1,85 Milliarden Dollar. Die ehemalige Sparte Professional, die Fachinformationen für Juristen und Steuerberater sowie Wissenschaftler und Firmen anbietet, erhöhte ihre Erlöse neun Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar und nähert sich Markets immer mehr an. Um Sondereffekte wie die Wertberichtigung bereinigt verdiente das Unternehmen von Oktober bis Dezember 0,54 Dollar je Aktie, 17 Cent mehr als vor einem Jahr. Im Mediengeschäft blieben die Umsätze im Quartal stabil.

2012 soll der Umsatz im niedrigen einstelligen Prozentbereich wachsen, wie Smith weiter sagte. Analysten hatten für das neue Jahr zuletzt ein Erlösplus von zwei Prozent auf 13 Milliarden Dollar prognostiziert. „Die Konzernprognose ist vorsichtig, wie sie es sein sollte“, urteilte Analyst Claudio Aspesi von Sanford Bernstein. „Meine Sorge ist, dass der Gegenwind im Finanzkundengeschäft sehr stark ist, weil die Kunden unter Druck sind, weiter Personal abzubauen“.

Die Thomson-Reuters-Aktie verlor an der Wall Street im frühen Handel 0,7 Prozent und lag damit etwas schlechter als der Gesamtmarkt. Konzernchef Smith nannte die jüngsten Fortschritte im Geschäft bemerkenswert. „Es ist wirklich ermutigend, wie wir uns der Probleme annehmen.“

Von

rtr

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