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22.11.2013

16:31 Uhr

Vernetzte Medizin

Pflaster mit Standleitung zum Landarzt

VonRaphael Moritz

Blutdruck und Herzfrequenz per Smartphone an seinen Arzt schicken – die Messe „Medica“ zeigt, wie die Zukunft der Medizintechnik aussehen könnte. Doch die deutsche Skepsis vor der neuen Technik ist groß.

„Metria“, ein vernetztes Pflaster, misst über Sensoren, die die Oberflächenspannung der Haut. dpa

„Metria“, ein vernetztes Pflaster, misst über Sensoren, die die Oberflächenspannung der Haut.

DüsseldorfAbhören, abklopfen, abtasten – das war einmal. Einen Teil seiner Patienten checkt Karl-Heinz Krause mittlerweile über seinen Computer. Krause ist Hausarzt in dem Städtchen Goch nahe der niederländischen Grenze. Dort testet die AOK Rheinland und die Telekom, wie die ärztliche Versorgung der Zukunft aussehen könnte. Krause ist einer von zwei Medizinern, die an dem Zukunftsprojekt teilnehmen.

Fünf bis sieben ältere Patienten lassen sich derzeit über das Bildtelefon beraten. Der Landarzt kann über das Netz Rezepte schreiben und Diagnosen stellen – zumindest im kleinen Rahmen. „Den persönlichen Kontakt ersetzt das System natürlich nicht ganz. Aber ich kann vorher abschätzen, ob ich einen Hausbesuch mache oder nicht“, sagt Krause.

Vernetze Versorgung ist das große Zukunftsthema auf der Medizinfachmesse „Medica“ in Düsseldorf. Das Potential der Branche ist enorm: Der gesamte Markt der Medizintechnik wächst nach einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums pro Jahr um rund fünf Prozent. Nach Umsatz landet Deutschland schon heute auf dem zweiten Platz hinter den USA – und vor Japan. Im nächsten Jahr könnte der Gesamtumsatz die Marke von 23 Milliarden Euro knacken, so Jan Wolter vom Fachverband Spectaris. Dafür arbeitet die Branche an weiteren Innovationen.

Die Volkskrankheiten der Deutschen

Wirtschaftlicher Schaden

Volkskrankheiten haben nicht nur gesundheitliche sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen. Allein im Jahre 2010 waren die Bundesbürger 17,6 Tage im Durchschnitt krankgeschrieben.

Todesursachen

Volkskrankheiten führen nicht zwangsläufig zum Tode. Deshalb ist es wichtig, zwischen Krankheiten und Todesursachen zu unterscheiden. Zu den häufigsten Todesursachen zählen in Deutschland der Herzinfarkt und der Schlaganfall. 42 Prozent der Bundesbürger waren hiervon betroffen.

Krebs

Zu den zweithäufigsten Todesursachen zählt das Krebsleiden mit 35 Prozent. Frauen versterben neben Krebserkrankungen der Verdauungsorgane nicht selten an Brustkrebs. der Darm-und Lungenkrebs ist die häufigste Todesursache bei den männlichen Bundesbürgern.

Depression

Zu den häufigsten Erkrankungen gehört die Depression. Sie belegt den vierten Platz in der Rangliste mit 9,4 Prozent. Unter Depressionen sind unterschiedliche Erkrankungen zu fassen wie beispielsweise Angstzustände.

Burn-out

Unter den Begriff der Depressionen fällt auch das Krankheitsbild des Burn-out Syndroms. Betroffene sind meist körperlich, geistig und emotional erschöpft. Grund für diesen Zustand sind Stress oder berufliche Überbelastung.

Eu-weit belaufen sich die volkswirtschaftlichen Folgekosten auf 20 Milliarden Euro jährlich.

Atemwege

Platz 3 belegen die Atemwegserkrankungen mit 18 Prozent. Mediziner unterscheiden zwischen den oberen und unteren Atemwegen. Zu den Erkrankungen der oberen Atemwege gehören Krankheiten der Nasennebenhöhlen und Kieferhöhlenentzündungen. Die Bronchitis hingegen wird zu den Krankheiten der unteren Atemwege gezählt.

Übergewicht

Gemeinsam mit den Atemwegserkrankungen ist die Fettstoffwechselstörung die dritthäufigste Krankheitsursache in Deutschland. Eine Störung des Stoffwechsels ist das Übergewicht, das auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen ist. Laut des Europäischen Statistikamts sind 60 Prozent der Deutschen übergewichtig.

Diabetes

Eine weitere Fettstoffwechselstörung ist die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. Dabei wird zwischen Typ 1 und Typ 2 unterschieden. Typ 2 ist auf das Übergewicht zurückzuführen.

Rückenschmerzen

Mit 24,1 Prozent sind die Rückenschmerzen das zweithäufigste Volksleiden der Deutschen. Diese Zahl schlägt sich auch in den Krankheitstagen nieder. 13 Tage lässt sich der Bundesbürger wegen dieser Erkrankung krankschreiben.

Bluthochdruck

25,7 Prozent der deutschen Bundesbürger leiden an Bluthochdruck. Damit belegt diese Erkrankung den ersten Platz. Die Ursachen sind vielfältiger Natur. Außer der genetischen Veranlagung spielen Stress, Bewegungsmangel und ein überhöhter Alkoholkonsum eine wesentliche Rolle. Wird die Erkrankung nicht behandelt, drohen Herzinfarkt und Schlaganfall.

Eine dieser Innovationen ist ein vernetztes Pflaster. In Zukunft soll es Ärzten wichtige Vitaldaten seiner Patienten digital liefern. Sieben Tage lang sammelt das Pflaster Informationen über Puls, Temperatur, Schlafzeiten und Schrittzahlen seines Trägers. Dann übermittelt es die Daten an ein Smartphone oder einen Computer. Die Firma Medisana aus Neuss hat es gemeinsam mit der Telekom entwickelt.

Das Pflaster ermöglicht in der nächsten Generation, die 2014 auf den Markt kommt, auch die Überwachung der Herzfrequenz per Elektrokardiogramm (EKG). „Bei Langzeit-EKGs muss der Patient bis jetzt aufwendig verkabelt werden“, sagt Dirk Becker, Mitarbeiter der Telekom stolz. Stolz ist allerdings auch der Preis für das Pflaster. Sieben Tage kosten fast 100 Euro. Kosten, die derzeit nicht von der Krankenkasse übernommen werden.

Für die Telekom ist das Geschäft mit der vernetzten Medizin ein Wachstumsmarkt. Während der Umsatz im Brot-und-Butter-Geschäft durch Internet- und Telefonflatrates schrumpft, lassen sich mit der vernetzten Medizin noch Gewinne machen. Das Bonner Unternehmen möchte dabei zum Datenhändler der Zukunft werden – natürlich unter „höchsten Sicherheits- und Verschlüsselungsstandards“, wie Becker sagt. Momentan sei der Umsatz im Geschäftsfeld Gesundheit noch verhältnismäßig gering. „Das kann sich aber bald ändern“, so Becker weiter.

Kommentare (2)

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Numismatiker

22.11.2013, 17:56 Uhr

Vernetzte Medizintechnik

Und irgendwann gibt es ein Gesetz (vorzugsweise während WM-Spielen verabschiedet, damit es keiner merkt), daß die Sicherheitsbehörden - aus welchem obskuren Grund auch immer - auch darauf jederzeit Zugriff haben.

Und er deutsche Dumm-Michel läßt es sich gefallen.

Malocher

22.11.2013, 19:13 Uhr

2030:
um bezahlbare Krankenversicherungstarife zu erhalten tragen mittlerweile 90% der Menschen eine MediCare-Einheit.
2035:
das Tragen einer MediCare-Einheit wird gesetzlich vorgeschrieben.
2040:
ein Journalist, der die europäische Einheitsregierung kritisiert hatte, wird über MediCare ausgeschaltet und Informationen darüber gelangen aufgrund mangelnder Kontrolle kurzzeitig in das Internet.
Ein Untersuchungsausschuss des transatlantischen Finanzministeriums kommt bereits am nächsten Tag zu dem Ergebnis, dass versehentlich eine Unterfunktion zur Terrorbekämpfung ausgelöst wurde und dass keine Gefahr für die Allgemeinheit besteht.

So etwas kann in einer Demokratie nicht passieren?

Ihr werdet euch noch wundern...

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