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28.04.2015

16:32 Uhr

Vernetzte Zahnbürste

Philips ist in aller Munde

VonBert Fröndhoff

Philips steckt im größten Umbruch seiner Geschichte. Im Interview erklärt Firmenchef Frans van Houten, wohin er den Konzern führen will – und warum dabei vernetzte Zahnbürsten eine große Rolle spielen könnten.

Kleiner, aber wertvoller will er den niederländischen Traditionskonzern Philips machen. dpa

Frans van Houten

Kleiner, aber wertvoller will er den niederländischen Traditionskonzern Philips machen.

DüsseldorfNoch sind es die ganz normalen elektrischen Zahnbürsten, von denen Philips-Chef Frans van Houten schwärmt. Etwa die Diamond Clean Schallzahnbürste, die sich in einem Wasserglas auflädt oder am USB-Anschluss eines Rechners. Doch die Zahnbürste der Zukunft wird noch mehr können: In den Labors des Konzerns arbeiten Wissenschaftler bereits an der Vernetzung, heißt es in Firmenkreisen. Die Bürsten sollen den Speichel analysieren und die Daten an einen Computer oder ans Smartphone schicken können.  Der einfache Plastikstab wird mehr und mehr zum Hightech-Gerät.  

Das ist die Vision vom  Zukunftsgeschäft  der Niederländer. „Wir fokussieren uns auf das Thema Gesundheit“, erläutert van Houten im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir sehen dort viele unentdeckte Möglichkeiten für neue Technologien und für Wachstum.“ Van Houten hat im vergangenen  Jahr den bislang größten Schnitt angekündigt: Die Lichtsparte  - das einstige Kerngeschäft des mehr als 120 Jahre alten Konzerns wird absgespalten. Übrig bleibt ein Philips-Konzern, der professionelle Medizintechnik für Ärzte und Kliniken produziert sowie in einer zweiten Sparte Rasierer, Zahnbürsten, Kaffeemaschinen und Heimgeräte zur Schmerztherapie herstellt.  

Per iPad das Zähneputzen lernen. dpa

Kinder-Zahnbürsten

Per iPad das Zähneputzen lernen.

Der Umbau ist teuer. Allein die Abspaltung der Lichtsparte wird in diesem Jahr 300 bis 400 Millionen Euro kosten. Die Produktion von LED-Lampen und Autobeleuchtung ist Philips bereits losgeworden, eine Investorengruppe aus China und den USA zahlt dafür 2,7 Milliarden Dollar. Der Rest der Sparte mit einem Jahresumsatz von 6,9 Milliarden Euro soll im kommenden Jahr an die Börse gebracht werden.

Vom Verkauf von CD-Playern, Kopfhörern und ähnlicher Unterhaltungselektronik trennt sich Philips ebenfalls: Diese Technologien hat sich der US-Konzern Gibson - bekannt für die legendären E-Gitarren -  gesichert  und wird sie unter den Namen Philips weiter verkaufen. Fernseher fertigt Philips schon längst nicht mehr selbst, dieses Geschäft hat komplett der asiatische Displayspezialist TPv übernommen.

Jetzt soll der Fokus auf das Megathema Gesundheit den Traditionskonzern eine neue Zukunft geben. Van Houten investiert kräftig in Healthcare Informatics, also in Systeme und Software, mit denen Kliniken die Daten ihrer Patienten besser nutzen können. Diese Ausgaben drückten im zurückliegenden Quartal die Gewinnspanne in der Healthcare-Sparte deutlich.

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