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28.04.2014

18:15 Uhr

Verstöße gegen das Arbeitsrecht

Zalando reagiert auf die massive Kritik

Die Kritik ist laut, die Reaktion prompt: Der Online-Händler Zalando will die Arbeitsbedingungen im Verteilzentrum verbessern. So sollen sich erschöpfte Mitarbeiter ausruhen können – auch wenn die Arbeit hart bleibt.

Zalando-Paket im Verteilzentrum: Der Online-Händler will die Kritik an seinen Arbeitsbedingungen ausräumen. dpa

Zalando-Paket im Verteilzentrum: Der Online-Händler will die Kritik an seinen Arbeitsbedingungen ausräumen.

DüsseldorfDruck von Vorgesetzten, Arbeiten an der Schmerzgrenze, Überwachung durch Vorgesetzte – die Enthüllungen der 21-jährigen Reporterin Caro Lobig über die Zustände im Erfurter Logistikzentrum vom Zalando wiegen schwer. Nun reagiert der Online-Händler mit mehreren Maßnahmen auf die Vorwürfe. So verzichtet das Unternehmen auf eine Belohnung von 500 Euro für die Überführung von Ladendieben. Für erschöpfte Mitarbeiter werden Sitzgelegenheiten geschaffen. Zudem wird überprüft, ob Zalando sich an den Datenschutz hält.

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben ein Projektteam ins Leben gerufen, das die Kritik untersuchen soll. Erst Maßnahmen seien beschlossen worden, weitere sollen folgen. Man nehme „jegliche Kritik an den Arbeitsbedingungen“ ernst, erklärte der zuständige Zalando-Manager David Schröder in einer Mitteilung. „Naturgemäß benötigt eine vollständige Prüfung und die darauffolgende Entwicklung und Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen Zeit.“

Wegen Leiharbeit kritisierte Firmen

Daimler

In der ARD-Reportage „Hungerlohn am Fließband“ (ausgestrahlt am 13. Mai 2013) wird gegen Daimler der Vorwurf erhoben, illegal Leiharbeiter über Werkverträge zu beschäftigen. Das Unternehmen hat die Vorwürfe zurückgewiesen und dem ausführenden SWR unter anderem vorgeworfen, Passagen des 45-minütigen Films „fingiert“ zu haben. Für die Reportage hatte ein Reporter verdeckt für zwei Wochen im Daimler-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim gearbeitet.

Amazon

Februar 2013: Eine ARD-Fernsehreportage über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Amazon-Standort im hessischen Bad Hersfeld sorgt für Wirbel. Die Saisonarbeiter sollen dem Bericht zufolge von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein.

BMW

September 2012: BMW kündigt an, die Leiharbeiterquote im Gesamtunternehmen auf acht Prozent zu begrenzen. Zuvor gab es einen jahrelangen Streit mit der Gewerkschaft IG Metall über den Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitnehmer-Vertreter geben an, zu Spitzenzeiten habe die Quote bei über 15 Prozent gelegen.

Deutsche Post DHL

Mai 2012: Internationale Gewerkschaften werfen der Deutschen Post DHL vor, außerhalb Europas Arbeitnehmerrechte zu verletzen. Die Logistiktochter DHL habe eine „beschämende Bilanz“ beim übermäßigen Einsatz von schlecht bezahlten Zeit- und Leiharbeitern. Die Deutsche Post teilt mit, sie arbeite gemäß nationaler Gesetze und Gepflogenheiten der jeweiligen Länder.

GLS

Mai 2012: In einer TV-Reportage berichtet Journalist Günter Wallraff über seine verdeckte Recherche beim Paketzusteller GLS: Fahrer seien dort zu schwer durchschaubaren Bedingungen und in oft nur mündlichen Verträgen als Subunternehmer verpflichtet worden. Leiharbeiter würden zu Dumpinglöhnen scheinselbstständig angeheuert. GLS weist die Vorwürfe zurück.

Zalando

Juli 2012: Das ZDF berichtet über die Arbeitsbedingungen bei einem Dienstleister des Internet-Versandhandels Zalando in Großbeeren (Brandenburg). Ein großer Teil der Lagerarbeiter dieses Dienstleisters sei als Leiharbeiter beschäftigt. Sie dürften sich während ihrer Arbeitszeit nicht hinsetzen und erhielten nur den Mindestlohn von 7,01 Euro pro Stunde. Zalando weißt darauf hin, dass die 7,01 Euro der Einstiegslohn in der Zeitarbeit in Ostdeutschland sei. Feste Mitarbeiter würden mehr verdienen. Inzwischen hat Zalando ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung umgesetzt.


In der RTL-Reportage hatte Lobig berichtet, dass die Arbeit körperlich sehr belastend sei. Für Verschnaufpausen sei wenig Zeit, Sitzen generell unerwünscht. Der Scanner, der den Mitarbeitern den Weg durch die Regale weist und die entsprechenden Artikel erfasst, sei zur Überwachung der Arbeitsleistung missbraucht worden, zudem hätten sich Vorgesetzte in der Dienstkleidung normaler Angestellter unter die Mitarbeiter gemischt. Und mit der Geldprämie werde die wechselseitige Bespitzelung gefördert.

Zalando will nun gemeinsam mit dem Datenschutzbeauftragten von Thüringen die Prozesse überprüfen, um „wo notwendig gemeinsam Veränderungen zu erarbeiten“. Zudem habe die Führung die Mitarbeiter auf Hinblick auf datenschutzrechtliche Vorgaben „sensibilisiert“.

Wenn Mitarbeiter sich nicht gut fühlen oder erschöpft sind, sollen sie sich auch während der Schicht hinsetzen können. Dafür will Zalando Sitzgelegenheiten schaffen. Die Arbeitsbedingungen ändern sich aber nicht grundlegend: „Die meisten Arbeitsprozesse werden jedoch weiterhin – wie in jedem anderen Logistikzentrum auch – zum großen Teil im Stehen oder Gehen ausgeführt werden.“

Von

chk

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

28.04.2014, 18:48 Uhr

Wir wünschen Zalando die Pleite.

Account gelöscht!

28.04.2014, 18:51 Uhr

Ich auch.

Account gelöscht!

28.04.2014, 18:58 Uhr

Ich ebenfalls!

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