Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.05.2014

15:18 Uhr

Videospiele

Microsoft spielt mit dem Feuer

VonAxel Postinett

Treue Microsoft-Videospieler sehnen sich nach Halo 5, um die Welt zu retten. Doch Millionen von ihnen haben völlig umsonst gewartet. Es kommt später als gedacht. Und eine neue Konsole sollen sie auch noch kaufen.

Eine Szene aus dem Videospiel Halo von Microsoft. Der Konzern will das sehnsüchtig erwartete Spiel Halo 5 erst im nächsten Jahr auf den Markt bringen - zusammen mit einer TV-Serie, die von Steven Spielberg produziert wird. ap

Eine Szene aus dem Videospiel Halo von Microsoft. Der Konzern will das sehnsüchtig erwartete Spiel Halo 5 erst im nächsten Jahr auf den Markt bringen - zusammen mit einer TV-Serie, die von Steven Spielberg produziert wird.

San FranciscoHalo ist Microsofts schärfste Waffe im Kampf gegen Sonys Playstation. Doch der Konzern riskiert diesmal alles: Die fast 80 Millionen Käufer der alten Xbox 360 werden eiskalt ausgeschlossen. Nur die Besitzer der neuen Xbox One werden in die Zukunft des Masterchiefs blicken und die Welt retten dürfen.

Das alleine ist angesichts der bislang schwachen Verkaufszahlen der neuen Konsole schon ein Ritt auf dem Tiger. Aber es kommt noch dicker: Der Nachfolger des erfolgreichen Halo 4, das 2012 innerhalb der ersten 24 Stunden für rund 220 Millionen Dollar Kopien verkaufte, kommt nicht mehr 2014. Die Fans müssen bis Ende 2015 ausharren.

Wer sicher gehen, will, dass er ganz schnell ein Exemplar bekommt, der muss heute schon handeln. Seit Samstag steht das Videospiel „Halo 5 Guardian“ für 60 Dollar plus Steuern bei Amazon im Angebot. Allerdings ist der Liefertag erst der 31. Dezember 2015. Wer es direkt am Erscheinungstag haben will, und das sind die echten Hardcore-Gamer, der muss noch ein paar Dollar für die Sonderlieferung am „Erscheinungstag“ drauflegen.

Xbox One im Überblick

Nach 360 kommt One

Die Xbox One ist die Nachfolgerin der Xbox 360, die vor acht Jahren auf den Markt gekommen war. Microsoft stellte das Gerät im März vor.

Konkurrenz zu Sony

Hauptkonkurrent ist die Playstation 4 von Sony, die mit einer ähnlichen Rechenleistung aufwartet und eine ähnliche Zielgruppe anspricht: die sogenannten Hardcore-Gamer.

Bewegungssteuerung inklusive

Die Bewegungs- und Sprachsteuerung Kinect ist im Preis von rund 500 Euro bereits inbegriffen.

Verbesserter Controller

Äußerlich sieht der Controller dem Vorgänger ähnlich, er soll aber mehr als 40 Verbesserungen enthalten. Mehr als 100 Millionen Dollar hat die Entwicklung angeblich verschlungen.

Gewöhnliche Prozessoren

In beiden neuen Konsolen kommen herkömmliche PC-Prozessoren zum Einsatz – auf teure Eigenentwicklungen verzichteten die Hersteller dieses Mal. Das erleichtert Programmierern die Arbeit und gibt Spielraum für Preissenkungen.

Internet auf dem Fernseher

Microsoft bezeichnet die Xbox One als Entertainment-Plattform: Nutzer können damit nicht nur spielen, sondern auch Videos anschauen und Online-Dienste nutzen. So sind ein Browser und der Videotelefonie-Dienst Skype an Bord.

Diskussionen über Datenschutz

Einige neue Funktionen haben die Xbox One in den Fokus von Datenschützern gerückt. Ein zunächst verkündeter Online-Zwang und die Ankündigung, Mikrofon und Kameras seien nicht abschaltbar, löste bei Nutzern und Datenschützern Empörung über die „Schnüffelbox“ aus. Microsoft ruderte inzwischen zurück.

Microsoft selbst nannte am Freitag nur allgemein „Herbst 2015“. Das ist bitter, denn Halo ist nicht irgendein Konsolenspiel. Es ist Herz und Seele von Microsofts Gaming-Ambitionen – eine exklusive und von Microsoft in Auftrag gegebene Spieleserie und eines der wichtigsten Kaufargumente für die Spielekonsole.

Seit 2001 läuft die militärische Science-Fiction Saga um die Verteidigung der Menschheit gegen gewaltige Alien-Invasionen. Und sie hat seit ihrem Erscheinen so manchen Verkaufsrekord gebrochen. Insgesamt liegt die Zahl der verkauften Halo-Spiele laut Microsoft bei über 50 Millionen Stück.

Das entspricht einem Umsatz von mehr als drei Milliarden Dollar. Ohne Halo, da sind sich Spieleexperten sicher, würde es Microsofts Konsole längst nicht mehr geben. Insofern ruht auf den Schultern des Software-Studios 343 Industries eine hohe Verantwortung. Nach einem katastrophalen Start humpelt die Xbox One hinter dem Konkurrenten Sony PS 4 hinterher.

Fünf Millionen an den Handel ausgelieferte (nicht verkaufte) Xbox stehen sieben Millionen verkaufte Playstation 4 gegenüber. Wertpapieranalysten bedrängen Microsoft schon seit längerem, die Sparte aufzugeben und zu verkaufen. Noch hält Vorstandschef Satya Nadella jedoch dagegen. Aber wie lange noch?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×